Sie läuft und läuft und läuft…

Antje Schuhaj

Nach langer Verletzungspause will es Extremsportlerin Antje Schuhaj noch einmal wissen: Die Kemptenerin schnuppert bei der Europameisterschaft im 24-Stunden-Lauf erneut internationale Wettkampfluft. Mit ihrem Team hat sie beim Rennen am 22. und 23. Oktober in Albi in Südfrankreich die Bronzemedaille im Auge.  Von Anne-Sophie Schuhwerk (Text und Foto)

“Läuferisch fühle ich mich aktuell topfit”, sagt die 48-Jährige, die 2008 und 2013 Sportlerin des Jahres in Kempten war. Die Ergebnisse ihrer Vorbereitungsläufe sprechen für sich: Schuhaj sicherte sich den Sieg beim 52-Kilometer-Lauf in Bretten, beim 6-Stunden-Lauf in München und räumte auch beim Kraichgauer Hügellauf über 50 Kilometer ab. Ihr persönliches Ziel für Südfrankreich: Das Ergebnis der vergangenen Weltmeisterschaft in Turin übertrumpfen. Dort lief die Mutter zweier Söhne 2015 insgesamt 216 Kilometer in 24 Stunden.

Dass sie heuer an der Europameisterschaft teilnimmt, stand lange in den Sternen. “Ich hatte nach Turin lange mit Knieschmerzen und einer Sprunggelenksverletzung zu kämpfen”, sagt Schuhaj. Sie dachte schon daran, die Laufschuhe an den Nagel zu hängen, als endlich Licht am Horizont zu sehen war. “Viele Kräftigungsübungen und Physiotherapie haben mich wieder auf die Beine gebracht. In meinem Wohnzimmer sieht es inzwischen aus wie in einem Fitnessstudio”, erzählt die Athletin mit einem Lachen.

In wenigen Monaten trainierte sie sich wieder in Form und bringt es derzeit auf 160 Wochenkilometer in der Trainingsspitze. “Die Anfänge sind zwar immer wieder schwer, aber es ging relativ schnell bergauf”, sagt sie. Ihren Trainingserfolg schreibt Schuhaj neben langen Läufen auch den Ausfahrten mit dem Rennrad zu. Durch das Reduzieren von Zucker hat sie zudem vier Kilo abgenommen. Nach der EM will die Kemptenerin die Saison ruhig ausklingen lassen. “Dann ist erst einmal mein Körper dran. Es stehen viele Massagen und Physiotherapie auf dem Programm”, sagt das 1,64 Meter große Energiebündel. Die Ziele für 2017 hat Schuhaj auch schon gesteckt. Sie will an der Weltmeisterschaft in Wales teilnehmen und beim legendären Spartathlon 264 Kilometer von Athen nach Sparta laufen.

Für ihren schier unbändigen Willen ist Schuhaj bekannt. Sie schiebt ihre persönliche Leistungsgrenze immer weiter hinaus. Dabei hatte sie früher mit Sport gar nichts am Hut – und war sogar starke Raucherin. Vor gut 15 Jahren begann sie schließlich mit Lauf-Training. Heute kann sie sich ein Leben ohne sportliche Herausforderungen nicht mehr vorstellen. “Es ist nie zu spät”, lautet das Motto, mit dem sie andere motiviert.

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