Hawaii kann kommen: Axel Reusch auf dem Weg zum Allgäuer Rekord

Foto: Dominik Berchtold
Foto: Dominik Berchtold

 Beim 34. Allgäu Triathlon über die Mitteldistanz hat Axel Reusch mal wieder zugeschlagen: Der 48-Jährige wurde Zehnter und war damit zweitbester Allgäuer hinter dem Neunten, Alfred Ledermann (RSC Auto Brosch Kempten). “Das ist die beste AT-Platzierung seit zehn Jahren. Das freut mich”, sagt Reusch, der heuer noch ein Husarenstück vor sich hat. Um was es geht, lest ihr hier:

Von Ronald Maior

Es ist nicht die Aussicht auf eine Top-Zeit, die Axel Reusch motiviert. Auch nicht die Chance, einen beachtlichen Rekord aufzustellen. “Hawaii ist das Größte. Allein der Mythos treibt mich an. Mehr brauche ich nicht als Motivation”, sagt Reusch. Dafür reibt sich der 48-Jährige auf, treibt seinen Körper bis ans Leistungsmaximum. Etwas mehr als zwei Monate bleiben dem Burgberger noch bis zum Tag X: Am 8. Oktober startet Axel Reusch zum achten Mal beim Ironman auf Hawaii. Damit könnte er alleiniger Allgäuer Rekordhalter für Starts beim ältesten und berühmtesten Triathlon der Welt werden. Bisher teilt sich Reusch diese Marke mit dem Kemptener Uli Blockus, Christian Brader aus Memmingen und dem Walser Triathlon-Urgestein Helmut Berger, die allesamt auf sieben Starts zurückblicken.

“Ein solcher Rekord ist ganz nett, aber nichts, das mir die Grundmotivation gibt. Denn der Ironman ist ohnehin das Größte. Das größte Ziel, das es für mich geben kann”, sagt Reusch und fügt an: “Deshalb dreht sich nicht mein ganzes Leben um Hawaii, aber es begleitet mich. Ich habe den Ironman immer irgendwie im Kopf.” Und so gelingt es ihm auch heuer, hofft der Oberallgäuer, sich auf den Punkt in Schuss zu bringen für 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radeln und den Marathon von 42,195 Kilometern. So, wie er es schon für die Premiere 1992 versucht hatte, für die weiteren Starts ´94, ´95, ´96, ´97 und bei seinem schnellsten Ironman ´99 (siehe kleines Bild). Danach legte der gebürtige Bonner eine achtjährige Pause ein, ehe er sich 2007 noch einmal an den “Mythos im Pazifik” traute. “Danach war ich gesättigt. 2011 habe ich es noch einmal versucht, bin hauchdünn gescheitert und war dann beleidigt. Ich hatte genug fürs Erste”, gesteht Reusch. Nun kommt nach neun Jahren Pause Start Nummer acht. Die Qualifikation hierfür meisterte der Ausdauersportler im vergangenen September mit dem herausragenden elften Gesamtrang beim Ironman in Lake Tahoe in den USA.

Foto: Dominik Berchtold
Foto: Dominik Berchtold

“Ich freue ich einfach richtig auf die Herausforderung. Aber ich weiß auch nicht genau, warum es nicht irgendwann reicht”, versucht Reusch den Reiz am Triathlon-Sport mit 48 Jahren zu erklären: “Es befriedigt auf eine sportliche Art und Weise, immer wieder ans Limit zu gehen. Und zu sehen, wie sehr man als alter Hund noch mithalten kann.” Denn 24 Jahre nach seinem Debüt hat sich allerhand geändert: die Konkurrenz, der Sport, der zunehmend zum Massenphänomen geworden ist – und Reusch’ Körper. Und doch kitzelt es ihn, aus diesem immer wieder für die Höhepunkte alles herauszuholen – wohlwissend, dass hernach das Formloch kommen kann. “Training für den Ironman kann man nicht auf Schmalspur machen. Das geht nur ganz oder gar nicht”, sagt Reusch.

Allerdings haben sich die Prioritäten über die Jahre auch beim 24-maligen Teilnehmer am Allgäu-Triathlon verschoben. “Ich trainiere heute sehr polarisiert. Zwischen den Highlights sind es fünf bis acht Stunden wöchentlich, um fit zu bleiben”, sagt Reusch. In der heißen Phase kommen in idealen Wochen so bis zu 23 Stunden zustande – wenn es das Privatleben und sein “Laufladen” in Sonthofen es zulassen, versteht sich. Und so hangelt sich Reusch von Höhepunkt zu Höhepunkt im Oberallgäuer Sportkalender, bis sein persönlicher Glanzpunkt ansteht. Diese enormen Schwankungen im Training sind mitunter aber auch deshalb möglich, weil Reusch – von Verletzungen größtenteils verschont geblieben – über die vergangenen 30 Jahre lernte, sein Maximum auszuloten.

Am 29. September fliegt der Ausnahme-Athlet auf die Inselgruppe im Pazifischen Ozean. In der “Woche der Akklimatisierung” will er vor Ort, wenn überhaupt, dann nur schwimmen, “um das Flair zu genießen. Druck mache ich mir nicht mehr. Ich bin für das Erlebnis dort, nicht für ein Ziel. Alles über 11:00 Stunden ist nicht gut – 9:59 und darunter wäre grandios”, sagt Reusch, der das “Kapitel Kona” heuer, zwölf Tage vor seinem 49. Geburtstag, nicht abgeschlossen sieht. “Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ich in meinem Leben zehn Starts schaffe”, sagt Reusch und ergänzt ungefragt: “Aber nach Oktober habe ich darauf sicher keine Lust. Ich freue mich irgendwann auch mal, nur zum Spaß eine Bergwanderung zu machen. Das darf nicht verloren gehen.”

 

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