„Fantastische Alpenüberquerung“

Tour Transalp

Die Tour-Transalp für Rennradler: Das bedeutet sieben Etappen, 902 Kilometer, 19 521 Höhenmeter und  22 Pässe von Imst an den Gardasee. Diese Mammutherausforderung bewältigten Markus Lerf und Melanie Behr vom Radsportclub (RC) Allgäu aus Günzach. In der Vorbereitung hatte das Duo etwa  2800 Trainingskilometern in den Beinen. Wie es ihnen ergangen ist, beschreibt Klaus Görig.


Auf der ersten Etappe von Imst nach Brixen hatten sie die Pässe Kühtai und Brenner zu bewältigen. Nach dem Start schob sich ein dicker Pulk an Radfahrern durch die Straßen, bis nach 18 Kilometern das neutralisierte Fahren für das Rennen freigegeben wurde. Es war mit 157,49 Kilometern die längste Etappe. Nach sechs Stunden und 21 Minuten kommen die Allgäuer an: „Wir freuten uns auf eine Dusche und Pastaparty.“

Am nächsten Morgen lagen bis zum Ziel in St. Vigil 3059 Höhenmeter und 110,84 Kilometer vor ihnen. „Unsere Beine signalisieren, dass sie gestern schon lange unterwegs waren, lassen sich aber auf die zweite Etappe nach anfänglichem Mosern ein. Das Wetter ist toll, wir haben herrliche Sicht auf den drei Pässen Sellajoch, Pordoi und Passo Campolongo.“ Die letzten fünf Kilometer vor dem Ziel ging es bergauf. Markus musste Melanie etwas schieben. „Die Etappe war allein deswegen schon schön, weil die Dolomiten einfach herrlich sind.“

Am dritten Tag stand Sillian auf dem Programm, sowohl von den Höhenmetern als auch von den Kilometern her scheinbar problemlos zu bewältigen. Obwohl die Abfahrten von den vier Pässen (Furkelpass, Lago die Misurina, Passo S. Antonio und Kreuzbergpass) viel Fahrspaß boten, war die Etappe mit den zwei knackigen Anstiegen vor dem Furkelpass und dem Passeo S. Antonio nicht zu unterschätzen.

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Etappe vier führte den Tross von Österreich zurück nach Italien, nach Fiera di Primiero. Herausfordernd war der Passo Giau auf 2237 Metern Höhe. Danach ging es 35 Kilometer bergab, bevor die Teilnehmer 30 Kilometer vor dem Ziel noch einmal 1000 Höhenmeter bewältigen mussten. Lerf war bei dieser Etappe die Kette mehrmals abgesprungen. Den Gedanken abzuspringen, hatte Melanie Behr auch immer wieder.

Über die Hälfte der Tour Transalp war geschafft. „Von einem Mitstreiter aus unserem Startblock, der gelernter Apotheker ist, hat Melanie Gesäßcreme bekommen, weil der Po zu streiken beginnt“, beschreibt Lerf die Strapazen, die die Sportler auf sich nehmen, um einmal die Transalp zu erleben.

Auch der Umfang der fünf Etappe war mit 2617 Höhenmetern und 130,24 Kilometern nach Crespano überschaubar. Eigentlich. Denn auf der Abfahrt vom Passo Croce d’Aune verpassten Lerf und Behr eine Abzweigung und rasten einem vermeintlichen Teilnehmerpulk hinterher. „Zum Glück bemerkte Markus nach wenigen Kilometern, dass wir falsch sind, weil er beim Überholen des Pulks gesehen hat, dass die Fahrer keine Startnummern hatten.“ Besonders an dieser Etappe waren die Serpentinen, die nach dem Passo Boldo ins Tal führen. Ihre Kurven sind untertunnelt und verlangten hohe Konzentration.

Am Ende folgte der Monte Tomba, 20 Kilometer vor dem Ziel. Er ist so steil, dass Melanie Behr ihn nur im Wiegetritt nach oben schaffte. Denn wer dort abstieg, kam nicht mehr aufs Rad. Nach gut sechs Stunden war das Ziel erreicht.

Aber die nächste Herausforderung wartete schon: zwei Pässe, zwei Höllen. Der Monte Grappa und der Cima del Campo wurden auf der sechsten Etappe mit 3248 Höhenmetern und einer Länge von 141,9 Kilometern zum Härtetest. Beide Anstiege sind weit über 20 Kilometer lang. Auch diesmal musste Markus Melanie einige Male schieben. Aufatmen am Etappenziel.

Nur noch 96 Kilometer lagen bis zum Ziel der Transalp vor ihnen. Aber die zogen sich. „Der Schweinehund ist im Gepäck.“ Bereits nach vier Kilometern begann ein knackiger Aufstieg zum Kaiserjägerweg. Oben angekommen, ging es in Wellen bergab, nach nur fünf ebenen Kilometern wieder bergauf über die letzten beiden Pässe, den Passo Bordala und den Santa Barbara.

20 Kilometer vor dem Ziel machte Lerf an einer Engstelle noch Bekanntschaft mit dem Heck eines Teamfahrzeugs. Zum Glück war nicht viel passiert. Denn inzwischen waren schon etliche Radler von Stürzen gezeichnet. Ab Santa Barbara ging es nur noch bergab.

„Nach 43 Stunden finischen wir die Tour Tansalp in Riva del Garda. Gesund und glücklich“, sagten sie und dankten außer „unseren Körpern für die tolle Arbeit“ vielen, die „diese genialen Veranstaltung für uns zu einer fantastischen Alpenüberquerung gemacht haben“.

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