„Der Great Wall Marathon verlangt einem alles ab“

Great Wall Marathon

Monatelang hatten sie die Mauer im Kopf – jetzt haben sie die wohl massivste Herausforderung im Laufsport bezwungen!  Thomas Reichl (34) und Kerstin Petsch (31) aus Obergünzburg jubeln über ihre Zielankunft beim „17. Great Wall Marathon“ in China. Bei dem spektakulären Wettbewerb über 42,195 Kilometer stürmten 800 Teilnehmer einem spektakulären Hindernis entgegen – und zwar nicht weniger als 5164 Stufen auf der chinesischen Mauer. Teile der Strecke führten auf dem größten Bauwerk der Welt.

„Es war ein Mega-Erlebnis. Super schön, aber auch extrem anstrengend“, sagen die Triathleten des RC Allgäu, die starke Ergebnisse erzielten. Reichl belegte den 18. Platz in 4:25:28 Stunden. Beim Sieg des Chinesen Jashon Shen (3:30:39) war der Industrie-Elektroniker zweitbester Deutscher. Für seine Freundin Kerstin Petsch hätte es beinahe sogar fürs Podest gereicht: Die Lehrerin erreichte auf Platz fünf als beste Deutsche das Ziel in 4:36:27 Stunden. Sie war damit fast 20 Minuten schneller als der prominenteste Teilnehmer: Pippa Middleton, Schwester der britischen Herzogin Kate, belegte Rang 13. „Ich bin relativ locker los. Als es dann aber bei Kilometer 34 zum zweiten Mal auf die Mauer ging, habe ich richtig Gas gegeben und nur noch überholt“, schildert sie ihren „Stufenplan“ zum Erfolg. Trotz der hohen Temperaturen von 30 Grad hatte Petsch genug Kraft, um das Rennen sicher zu beenden. Reichl dagegen musste mehr kämpfen, als ihm lieb war.

Der frühere Fußball-Torhüter vom TSV Obergünzburg machte vor allem im Mittelabschnitt ordentlich Dampf und lag längere Zeit sogar an sechster Position. Doch beim zweiten Teilstück auf der Mauer musste er dem hohen Tempo Tribut zollen: „Ich bekam irre Krämpfe – hatte aber noch 2500 Stufen vor mir“, schildert er den bedrohlichen Moment. Reichl konnte die Beine kaum noch heben, kämpfte sich trotz der Schmerzen jedoch bis ins Ziel. „Ich war nur glücklich, als ich angekommen bin“, sagt er.

Die Mauer begeisterte das Lauf-Duo genauso wie die Landschaft und die Menschen. Viele Kilometer führten auf Landstraßen und durch Bergdörfer. „Auf der Strecke klatschten Kinder mit uns ab, Polizisten jubelten einem zu und wir schlängelten uns durch den Verkehr durch, weil die Straße nicht abgesperrt war“, erzählen die beiden.

Für sie war der Great Wall Marathon genau jene „einmalige Herausforderung“, die sie sich versprochen hatten. Die gemeinsamen Sonderschichten zahlten sich ebenfalls aus. In das Training hatten sie in den vergangenen Monaten wöchentliche Treppenläufe und Intervalle am Berg eingebaut.

Trotz der so geholten „Mauer-Power“ blieben die üblichen Begleitererscheinungen nicht aus: „Tags darauf schmerzten die Beine extrem“, sagt Reichl, der mit seiner Freundin anschließend weitere Urlaubstage im Reich der Mitte verbrachte.

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