Eiskaltes Abenteuer: Lukas Rinner und Jerome Blösser bei der Amundsen Expedition

Fotos: Lukas Rinner
Fotos: Lukas Rinner

Allein auf weiter Flur. In eiskalter Landschaft. Die Ski an den Füßen. Den Schlitten im Schlepptau.  Lukas Rinner aus dem Kleinwalsertal hat mit Partner Jerome Blösser aus Berlin einen extrem Wettbewerb bestritten: Die Amundsen Expedition in Norwegen.

Für Allgäuer sah es ziemlich ungewöhnlich aus, als Lukas Rinner Anfang des Winters mit seinem Training begann. Der 23-jährige Ausdauersportler aus dem Kleinwalsertal schnallte sich die Ski an – und zog eine Kunststoffwanne, festgemacht mit Seil und Gurt an der Hüfte, gefüllt mit Sandsäcken durch die Gegend. Zum Beispiel im Gebiet um den Ifen. Ein wenig erinnerte der Skilehrer dabei an eine Walser Ausgabe des norwegischen Südpol-Entdeckers Roald Amundsen. Der Vergleich ist kein Zufall: Denn die Konditionseinheiten benötigte Rinner, um auf den Spuren des großen Abenteurers zu wandeln.

Norwegen

 

Mit Partner Jerome Blösser, einem Berliner Expeditionsunternehmer, meisterte er eines der extremsten Rennen für Skitourengeher der Welt. Die „Expedition Amundsen“ führt auf 100 Kilometern mit 3500 Höhenmetern durch die Hardangervidda, die größte Hochebene Europas, im Süden Norwegens. Einer seiner Sponsoren brachte Rinner auf die Idee teilzunehmen – und der Walser ist heilfroh darüber. „Es war eine unglaubliche Erfahrung. Das Feld hat sich schnell verlaufen und schon bald waren wir mutterseelenallein. Schnee und Eis bis zum Horizont“, erzählt Rinner, der mit Blösser für das Team Haglöfs startete. „In dieser Landschaft kommt man sich schon sehr klein vor – und fühlt sich irgendwann wie in Trance.“ Eine ähnliche Faszination müssen vor 120 Jahren auch zwei andere Abenteurer verspürt haben. Amundsen und sein Bruder durchquerten 1896 die Eislandschaft.

Später soll Amundsen erzählt haben, dass die Expedition nicht weniger gefährlich gewesen sei wie die zum Südpol oder zum Nordpol. Eine Legende wie geschaffen für einen Wettbewerb für Extremsportler. Zumal sich an den Bedingungen nichts geändert hat: Noch heute ist die in einem Nationalpark gelegene Route ein Ritt durch unberührte Natur. Mitten hinein ins Herz einer sagenhaften Eiswüste, die die 245 Teilnehmer mit fauchendem Wind und Temperaturen von bis zu minus 28 Grad empfing.

Norwegen 5

Mit dabei haben die Teilnehmer an der „Expedition Amundsen“ nur das notwendigste Gepäck in einem Schlitten, den sie Schritt für Schritt hinter sich herziehen. Zur Orientierung dienten den Wagemutigen nicht nur Karten und Kompass wie seinerzeit Amundsen, sondern auch moderne GPS-Systeme. Auch ein Notfall-Piepser, mit dem im Falle eines Unglücks direkter Kontakt zu den Organisatoren möglich war, gehörte zur Ausrüstung,

Rinner und Blösser mussten ihn freilich nicht bedienen. Sie bahnten sich Schritt für Schritt ihren Weg und gelangten sicher zu den insgesamt drei Kontrollpunkten. An diesen „Haltestellen“ wurden die Abenteurer auch vor sich selbst geschützt: Jeder Starter musste insgesamt acht Stunden pausieren. „Dort angekommen, bauten wir schnell das Zelt auf, damit wir vor dem eisigen Sturm geschützt waren. Dann versorgten wir uns mit unserem Proviant und versuchten, die Augen für ein, zwei Stunden zu schließen“, erzählt Rinner, der schon viele Extremwettkämpfe als Läufer oder Skibergsteiger bestritten hat.

Lukas Krinner

Um den über 40 Kilogramm schweren Schlitten samt Gepäck zu ziehen, hatte er sich unter anderem mit speziellen Stabilisationsübungen für die Becken- und Rumpfmuskulatur vorbereitet. Auf den letzten 20 Kilometern hatte er noch genug Kraftreserven, um seinem erschöpften Partner ein Teil des Gepäcks abzunehmen. Nach 31:24 Stunden (inklusive der Pausen) erreichten die beiden jubelnd das Ziel im Dorf Maurset, wo sie mit viel Applaus empfangen wurden. Das Gespann Rinner/Blösser war auf Rang 17 zugleich bestes ausländisches Team hinter den Norwegern. Und darüber hinaus das erste Finisher-Duo aus Österreich und Deutschland überhaupt.

„Es war ein sehr emotionaler Moment“, sagt Rinner, der nach dem Ritt durch die Eiswüste schnell wieder auftaute. Bei einer heißen Suppe am Lagerfeuer lauschte er den Geschichten der anderen Teilnehmer. Und schmiedete schon wieder Pläne: „Ich werde das Rennen noch einmal bestreiten und mich dann der Herausforderung alleine stellen.“

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