Heiß, Heißer, Ironman Malaysia

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„Man stelle sich vor, in einer Dampfsauna 9 Stunden lang ein intensives Ausdauertraining zu absolvieren!“ Christian Brader beim Ironman MalaysiaKlingt unmöglich? So beschreibt der Memminger Profi-Triathlet Christian Brader (35) seine Teilnahme am Ironman Malaysia auf Langkawi.  Petra Janeckova hat ihn für Allgäu Ausdauer exklusiv begleitet – und uns einen tollen Bericht samt Fotos geschickt. Vielen Dank dafür 🙂

Um sich an diese extremen klimatischen Bedingungen auf der Tropeninsel zu gewöhnen, reiste Brader knapp zwei Wochen vor dem Ironman-Wettkampf nach Malaysia. Vorort stellte er fest, dass auf der Insel alles anders ist, als man es erwarten würde. Langkawi ist wenig touristisch erschlossen und ursprünglich geblieben. Die wenigen Ausnahmen bilden ein paar Urlaubs-Resorts. Saubere geordnete Supermärkte, westliche Lebensmittel oder beispielweise ein öffentliches Schwimmbad sucht man auf Langkawi vergeblich. Ein Abenteuer, nicht nur für einen Triathleten…

Das Wetter hatte es wirklich in sich: Bis zum letzten Tag vor dem Rennen konnte sich der erfahrene Ironman-Profi in diesem tropischen Klima mit Temperaturen um 35 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit einen Langdistanz-Wettkampf nicht wirklich vorstellen. Selbst kurze und lockere Trainingseinheiten brachten einen an die körperliche Grenze. Der einzige Trost: Alle werden am Renntag mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Die Hitze wird für alle der größte Gegner sein.

Christian Brader beim Ironman Malaysia

Am Samstagmorgen startete der Ironman mit dem Sonnenaufgang um 7:10 Ortszeit am malerischen Strand Pantai Kok. Der Blick auf die Startliste, auf derer zahlreiche Ironmansieger zu finden waren, versprach ein hochkarätiges und spannendes Rennen. 38 männliche und 28 weibliche Triathlon-Profis stürzten sich ins 30 Grad warme Wasser, in welchem sie die 3,8 km-Schwimmstrecke in zwei Runden absolvierten. Brader erreichte nach 59 min die erste Wechselzone. „Das Wasser war mit einfach zu heiss! Schon nach 1 km musste ich das Tempo drosseln, um nicht als aufgeplatzte Weisswurst in die Wechselzone angeschwemmt zu werden“, beschreibt Brader den Verlauf der ersten Disziplin.

Der Memminger begab sich somit als 26. auf die, mit 1700 Höhenmetern gespickte, anspruchsvolle Radstrecke. Nicht nur die steilen Ansteige und der Verkehr stellten eine Herausforderung auf dem 180km langen Kurs dar, sondern auch die freilaufenden Hunde, Kühe und insbesondere die zahlreichen Affen erforderten größte Konzentration.

Gleich am ersten Anstieg musste Brader feststellen, dass die Hitze auch der Technik zu schaffen machte, denn seine elektronische Schaltung streikte. Glücklicherweise traf es nur den Schalthebel für die vorderen Kettenblätter, was zur Folge hatte, dass Brader alle Anstiege auf dem grossen Kettenblatt mit höchstem Kraftaufwand hochdrücken musste. Die Beine des Memmingers waren allerdings in guter Verfassung, so konnte er die selbe Pace, wie die siebenköpfige Spitzengruppe fahren und somit den Rückstand konstant bei 10 Minuten halten. Dies brachte ihn nach der Raddisziplin auf den 14. Zwischenrang.

Mit einem Durchschnitt von 37,5 km/h bog er nach 4:50h in die klimatisierte Wechselzone, die sich in einer der Flughafenhallen befand, ein. Für einen kurzen Moment genossen hier die Athleten eine kurze Hitzepause, bevor es auf die, aufgrund der extremen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, wohl härteste Marathonstrecke im Ironman-Zirkus ging.

Die ersten 500 Meter verliefen noch im inneren der riesigen Halle, bevor man dann die ersten Schritte nach draussen setzte. „Es fühlte sich an wie vom Kühlschrank in den vorgeheizten Backofen geschoben zu werden“, versuchte Brader die Situationen nach dem zweiten Wechsel zu beschreiben.

„Die ersten 10 Kilometer waren extrem schwierig einzuschätzen, da die Laufbeine noch sehr frisch, aber der Köper schon seit längerer Zeit im „roten Bereich“ war. Lief man mal einen Kilometer nur einen Tick zu schnell, konnte es passieren, dass man sich statt im Ziel in einem Krankenwagen wieder fand. Die Hitze war in jedem Moment so unerträglich, dass man sich nie vorstellen konnte, noch einen weiteren Kilometer, geschweige denn den ganzen Marathon, zu laufen.“

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Brader nutzte jede Verpflegungsstation (alle zwei Kilometer), um die Körpertemperatur ein wenig herunter zu kühlen. Dies kostete ihn zwar wertvolle Minuten, dennoch konnte er sich stetig nach vorne arbeiten. Der Abstand zur Spitze blieb lange konstant bei 10 Minuten und es schien noch einiges möglich zu sein. Gegen Ende spürte er jedoch, dass sein Körper der Hitze für eine entscheidende Aufholjagd noch nicht gewachsen war. „Bis zum siebten Platz konnte ich stetig Boden gut machen, dann schalteten die Systeme nur noch auf Überlebensmodus. Um weiter nach vorne zu laufen, muss ich bei solchen Bedingungen wohl mehr, als nur zwei Wochen Akklimatisierung einplanen. Sehr schade, denn mit meiner normalen Marathonleistung wäre ein Podiumsplatz sicherlich machbar gewesen.“

Brader lief den Marathon in 3:13 und beendete das Rennen somit in 9:08 h auf dem 7. Gesamtrang.

Der Allgäuer schließt eine erneute Teilnahme im nächsten Jahr nicht aus: „Das Rennen ist allemal eine Reise wert, da es nicht wie jedes andere Ironman-Rennen ist und die Insel mit ihren Bedingungen ein Abenteuer darstellt.“

Am Besten der Hitze trotzen und somit das Rennen für sich entscheiden konnte Braders guter Freund und ehemaliger Teamkollege Mike Aigroz aus der Schweiz, der mit 37 Jahren seinen ersten Ironman gewinnen konnte. Zweiter wurde der Schwede Frederik Croneborg vor dem Briten Harry Wiltshire.

Christian Brader beim Ironman Malaysia

 

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