Überraschungsmann Wilhelm Schweiger: „Mit eisernem Willen Hawaii-Traum erfüllt“

Der frühere Eishockey-Spieler Wilhelm Schweiger trumpft mittlerweile im Triathlon auf. Foto: Familie Schweiger
Der frühere Eishockey-Spieler Wilhelm Schweiger trumpft mittlerweile im Triathlon auf. Foto: Familie Schweiger

Wilhelm Schweiger lebt seinen Traum. Für diesen einen Tag. „Es ist ein Lebenstraum für mich, auf Hawaii zu starten. Ich kann es kaum erwarten, die Atmosphäre dort zu erleben“, sagt der 57-Jährige, der gebürtig aus Miesbach stammt und in Blaichach lebt. Am 10. Oktober steigt in Kailua-Kona die Ironman-WM – die älteste und prestigeträchtigste ihrer Art. Und die erste für Schweiger. Umso mehr freut sich der frühere Eishockey-Spieler, der unter anderem beim damaligen Zweitligisten ERC Sonthofen spielte auf seine Mission.

Das Ticket zum „Mythos Kona“ löste der Oberallgäuer heuer bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt im Juli. In 10:45 Stunden belegte Schweiger Rang vier in seiner Altersklasse. Drei Wochen zuvor war er beim Triathlon im Kraichgau noch auf Rang sechs gelandet (4:55).

Vor allem an den kräftezehrenden Wettkampf in der Main-Metropole am ersten Juli-Wochenende erinnert sich der Blaichacher noch allzu gut. „Das war das heißeste Wochenende des Jahres und der absolute Hammer. Beim Radfahren ging es ja noch, aber unter 40 Grad durch die Frankfurter Innenstadt zu laufen, ist schon grenzwertig“, sagt Schweiger. Und doch werden den Ausdauersportler auch auf der Pazifikinsel ähnliche Bedingungen erwarten – dieser Tage steigt das Quecksilber in Kona auf 31 Grad.

„Ich habe zumindest einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, was mich auf Hawaii erwarten kann“, sagt Schweiger. Wichtig sei, bei solchen Verhältnissen viel mehr zu salzen und schon im Vorfeld viel zu trinken. „Jeder, der mit gutem Fitness-Zustand nach Hawaii kommt, hat gute Karten“, glaubt der Triathlet. Auch deshalb überließ er in der Vorbereitung nichts dem Zufall. Den gesamten Winter über hat Schweiger durchtrainiert. Seine Umfänge 2015 beziffert der 57-Jährige auf 9000 Kilometer auf dem Rennrad, 2000 Laufkilometer und 500 Kilometer Schwimmen im Alpsee.

Allein ein Muskelfaserriss in der Wade warf den Blaichacher Anfang August ein wenig aus der Bahn: „Da wusste ich nicht so recht, wie es weitergeht. Aber ich kenne diese Situationen ja schon und weiß damit umzugehen.“ Und das obwohl der ehemalige Eishockey-Crack (siehe Infokasten) erst 2009 über einen Start beim Allgäu-Triathlon seine neue Leidenschaft fand. „Schon bei der Bundeswehr in den 80ern war ich von den Triathleten fasziniert. Während wir Eishockey-Spieler nur drei Stunden trainiert haben, haben die das Dreifache geschuftet. Ich habe damals beschlossen, dass ich das auch mal probiere“, erinnert sich Schweiger.

Seit sechs Jahren nunmehr ist der 57-Jährige mit Leib und Seele passionierter Ausdauersportler. Freilich kommt ihm heute mehr denn je die Erfahrung aus 20 Jahren Eishockey-Sport zugute. „Gerade beim Ironman ist der Kopf das Wichtigste. Wenn Du einen eisernen Willen hast, dann kannst Du auch die größten Extreme überwinden“, glaubt Schweiger. „Man muss den Kopf ausschalten, aber man darf nie vergessen, trotzdem auf den eigenen Körper zu achten.“ Freitagmorgen ist Schweiger zur „Mission Hawaii“ aufgebrochen. Nach seinem Premieren-Schwimmwettbewerb im Pazifik bestreitet der Oberallgäuer in den Tagen vor dem Wettkampf noch einige Radrennen zur Einstimmung auf den großen Tag. Moralische Unterstützung von seiner Frau bekommt Schweiger aber erst am Tag nach der Ironman-WM. „Dann lenkt sie mich vor dem Rennen zumindest nicht ab“, sagt der 57-Jährige mit einem Augenzwinkern. „Wir haben ja noch genug Zeit danach.“ Das Ehepaar hängt nach der WM einen dreiwöchigen Urlaub auf der Insel dran.

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