Trailrun: Wie eine Sportart zum Renner wurde – und was dieser Mann damit zu tun hat

Rainer Schlump

 

Trailrun ist derzeit ja in aller Munde. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass sich dieser Begriff etablierte? Darüber haben wir vor kurzem für die Allgäuer Zeitung mit Rainer Schlump (62) aus Immenstadt gesprochen. Er ist Sport-Marketingchef beim Sportartikel-Hersteller Salomon und kennt die Szene wie kaum ein anderer. Auch in privater Hinsicht: Seine Tochter Regine zählt zu den Top-Läuferinnen – nicht nur in unserer Region.

Wenn Rainer Schlump (62) aus Immenstadt in den Alpen unterwegs ist, freut er sich an schönen Herbsttagen doppelt: über die Aussicht und über Wanderer und Läufer, die mit Produkten „seines“ Unternehmens die Gipfel erobern. „Ich sehe fast nur noch unsere Schuhe. Das hat sich in den letzten Jahren total verändert“, sagt der Sport-Marketingchef beim Sportartikel-Hersteller Salomon, für den er seit über 30 Jahren arbeitet. Das Zauberwort zu dieser Entwicklung lautet: Trailrun. Eine Sportart, der Salomon quasi den Weg ebnete.

Unter Trailrun versteht man lange Läufe (ab 20 Kilometer) abseits von asphaltierten Straßen. Also auf Schotterpisten, Waldstücken, Wurzelpfaden oder eben im alpinen Gelände. Vor allem in den Alpen hat sich die Disziplin zum Renner entwickelt, wie der Transalpine Run von Oberstdorf nach Sulden mit 500 Teilnehmern kürzlich bewies. Die französischstämmige Firma Salomon ist Pionier, Patron und Profiteur des Trends in einem: „Der Markt war nicht wirklich da“, erzählt Schlump. „Den haben wir mit aufgebaut.“ Einerseits durch die Entwicklung von Schuhen und Kleidung. Andererseits durch das passende Etikett: Vor elf Jahren wurde in der französischen Zentrale beschlossen, mit dem englischen Begriff „Trailrun“ die sportlichen Produkte zu vermarkten.

Der Anglizismus war Teil des Programms. Er klingt mehr nach Abenteuer als die wörtliche Übersetzung: Für einen „Pfadlauf“ hätten sich wohl höchstens Pfadfinder interessiert. „Auf ,Trailrun‘ reagierten dagegen Veranstalter und Sportler sehr positiv“, erzählt Schlump. Frühere Bergläufe sind inzwischen sogar umbenannt worden. Der Widdersteinlauf im Kleinwalsertal heißt seit diesem Jahr beispielsweise Widderstein-Trail und zieht Menschen auch außerhalb der Alpen an. Es ist die Mischung aus Naturerlebnis und sportlicher Grenzerfahrung, die fasziniert. Diesen Eindruck gewinnt Schlump bei den großen Wettkämpfen, bei denen Salomon Hauptsponsor ist: den mehrtägigen Etappenrennen „Transalpine Run“ und „4-Trails“ sowie beim „Zugspitz Ultra-Trail“ über 100 Kilometer.

Oft mischt er sich dabei auf einigen Kilometern unter die Läufer, was seiner Auffassung von Marketing am nächsten kommt: „Wir als Marke leben, leiden – und genießen mit den Sportlern. Es geht um die Emotionen, die man am Ende des Tages hat und mit uns verbindet.“ Diese Emotionen transportieren die weltweit besten Trail-Läufer mit atemraubenden Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken. Top-Sportler wie den Spanier Killian Jornet hat das Unternehmen frühzeitig an sich gebunden. In ihrem Sog interessieren sich auch Breitensportler und Wanderer für Produkte des Unternehmens. „Wir haben damals in eine Nische investiert und das Konzept ging auf. Mittlerweile verkaufen wir weltweit jährlich ein paar Millionen Schuhe. Nun drängen weitere Wettbewerber in den Markt“, sagt Schlump.

Trotz des Erfolges will er kein „höher, schneller und weiter“ um jeden Preis. „Auf Läufe in den Bergen muss man sich gründlich vorbereiten“, sagt Schlump, der aus Erfahrung spricht: Vor 15 Jahren hat er schweren Herzens seine größte Tour abgebrochen. Auf 8000 Metern stufte er das Risiko am Mount Everest (8848 Meter) als zu groß ein. Grund: bedrohliches Wetter.

Ein Gedanke zu „Trailrun: Wie eine Sportart zum Renner wurde – und was dieser Mann damit zu tun hat“

  1. Ich finde es toll, dass Trailrunning so populär wurde – aber Querfeldeinläufe gibt es ja schon immer und es ist leider schade, dass Salomon überall mitmischt und zum Teil abnorme Preise verlangt!! Die Qualität der Hosen ist mehr als schlecht, da reißen ständig die Nähte. Die Schuhe waren zu Beginn noch ganz gut – aber der S-Lab 5 XT Wings war nur nach einem Lauf in den kroatischen Bergen mehr als am Ar*** … hält einfach nichts aus. Selbiges beim Speedcross – keine 200 Km und das Profil ist tot. Inzwischen gibt es bessere Schuhe für’s Trailrunning – ich liebe die Asics-Reihe!!

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