Interview mit dem Allgäuer Top-Profi: Christian Brader über den Mythos Hawaii

Derzeit in toller Form: Christian Brader. Das Foto von Andreas Klose hat uns der Triathlon-Profi freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Derzeit in toller Form: Christian Brader. Das Foto von Andreas Klose hat uns der Triathlon-Profi freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Das kleine Foto stammt von Harald Eggebrecht von tri2b.com 

Christian Brader

Er kann Hawaii schon fast seine zweite Heimat nennen: Triathlon-Profi Christian Brader (35) aus Memmingen startete schon sieben Mal bei der Ironman-Weltmeisterschaft. Diesmal jedoch ist er nicht am Start. Im Interview mit Allgäu Ausdauer schildert er die Hintergründe und nennt neue Ziele.

Allgäu-Ausdauer: Christian, Du bist nach insgesamt sieben Teilnahmen diesmal nicht auf Hawaii am Start. Wie verfolgst Du das Rennen?
Christian Brader: Ich werde das Rennen zusammen mit meiner Freundin und ein paar Triathlon-Kollegen verfolgen. Wir treffen uns zum gemütlichen Abendessen, dann wird am PC und später dann im Fernsehen alles verfolgt. Ob ich bis zum Schluss durchhalte, steht noch in den Sternen…

Was macht für Dich den Mythos Hawaii aus?
Christian: Hier hat alles angefangen. Es war eine Schnapsidee ein paar Verrückter, die etwas eigentlich Unmögliches vorhatten. 3,8 km im offenen Pazifik Schwimmen, 180 km Rad zu fahren und zum Abschluss einen Marathon laufen. Dies bei extremer Hitze und an einem einzigen Tag. Grade diese Kombination macht es für mich zu einem Mythos: dass es bei härtesten äusseren Bedingungen stattfindet, dass die Streckenlängen unmenschlich erscheinen, dass es aus eine Bierwette entstanden ist, denn mal ehrlich, im nüchternen Zustand wäre wohl niemand auf diese absurde Idee gekommen, und dass man es dann nicht nur versucht zu bewältigen, sondern dabei noch so schnell wie möglich unterwegs sein will! Zudem trifft hier die Weltspitze aller Klassen auf einander. Dabei spielt es am Ende keine Rolle ob man Amateur oder Top-Profi ist. Man hat meist nicht mit seinen Gegnern zu kämpfen, sondern mit sich selbst und den äusseren Bedingungen.

Dennoch hast Du Deine Wettkämpfe heuer bewusst nicht auf eine Hawaii-Quali ausgerichtet. Was war der Grund dafür?
Christian: Nach sieben ganz erfolgreichen Teilnahmen, wollte ich von der kräfteraubenden Qualifikation für Hawaii mal eine Auszeit nehmen. Mittlerweile sind die Qualifikationskriterien extrem verschärft. Man ist fast dazu gezwungen, das ganze Jahr auf dem ganzen Globus unterwegs zu sein, um die nötigen Punkte zu sammeln. Für Kurzdistanz-Athleten mag das kein Problem darstellen, für Langdistanzler jedoch ist auf lange Sicht ein K.O.-Kriterium. Zudem ist es eine enorme finanzielle Belastung, da die Preisgelder auch bei erfolgreiche Punktejagd immer unterirdisch sind. Daher hab ich mich ganz bewusst für die Challenge Roth (ehemaliger Ironman Europe), mit das wichtigste Rennen neben Hawaii und Frankfurt, entschieden. Dieses stand schon lange auf meinem Wunschzettel, ich konnte aber aufgrund der Hawaii-Quali nie starten, da es hier ja keine Kona-Punkte gibt.

Zuletzt sind Dir starke Ergebnisse, u.a. in Frankreich und auf Mallorca, gelungen. Holst Du bereits Punkte für Hawaii 2016?
Christian: Das stimmt, das waren schon Rennen für die Quali 2016. Nach dem Start in Roth, hab ich mir das so auch gezielt vorgenommen, Konzentration auf die Rennen im Herbst und frühe Punkte für 2016 holen. Das ist mir mit einem dritten und einem siebten Platz bisher ganz gut gelungen. Am Ziel mit der Quali 2016 bin ich allerdings noch lange nicht.

Eine Frage an den Allgäuer Christian Brader: Axel Reusch aus Sonthofen ist 2016 schon fix qualifiziert und steuert seine achte Hawaii-Teilnahme an. Das wäre Rekord im Allgäu. Ist das eine Zusatz-Motivation für Dich: Du könntest schließlich auch die achte Teilnahme schaffen…?
Christian: Axel ist natürlich ein Triathlon-Urgestein, dem ich den Allgäuer Rekord auch gerne gönne!!! Die Anzahl der Hawaii-Teilnahmen interessiert mich aber eher wenig. Mir geht es nur um gute Leistungen. Ich versuche immer, so fit wie möglich am Start zu stehen, um in jedem Rennen meine Bestleistung abzurufen. Das geht natürlich nicht immer, aber es ist mein Ziel. Ich glaube, dass es Axel ebenso sieht.

Viel Glück für die weiteren Quali-Stationen und vielen Dank für das Interview!

P.S.: Über die Favoriten am 10. Oktober rätseln derzeit viele. Die Redaktion von Tri2b um Harald Eggebrecht hat sich schon mal festgelegt: Sie präsentiert ihren Top-Ten-Tip für das Männer-Rennen. Schaut mal rein…

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