Startplatzgewinnerin Susanne Maier: Mit einem Lächeln ins Ziel!

Susanne MaierSuper, Susanne! Unsere Startplatzgewinnerin Susanne Maier hat beim Allgäu Panorama Marathon ihre Premiere über die XXL-Distanz von 69 Kilometern genisht.  Hier ist ihr Bericht: 

Ich sitze vor dem Wonnemar. Vor mir steht ein kühles Weizen und ein Steinmännle – beide grinsen mich an. Ich hab es tatsächlich geschafft: 69 km und knapp 3.000 hm. Das Steinmännle ist die Finisher-Trophäe. Meine längste Laufdistanz waren bisher 53 km. Deshalb bin ich schon etwas nervös vor dem Start….

Es ist noch stockfinster, als wir um 5:30 Uhr am Allgäu Outlet ankommen. Ich sehe viele Läufer mit kleinen Rucksäcken und Stirnlampen und denke mir: „Seltsam, von Lampen hat keiner was gesagt. Braucht man die?“ Nach dem Dixi-Klo-Besuch weiß ich es: ja.

Pünktlich zum Start um 6 Uhr wird es hell. Die Atmosphäre ist irgendwie anders, als man es sonst von Läufen kennt: viel ruhiger und alle wirken sehr konzentriert. Oder vielleicht sind sie auch einfach nur müde, so wie ich.
Die Müdigkeit legt sich schnell. Nach ca. 2,5 km kommt der erste Anstieg und die meisten um mich herum schalten auf „Gehen“ um. Da ich keine Ahnung habe, wie man sich eine Strecke von 70 km sinnvoll einteilt, tu ich es auch. Ich komme ins Gespräch mit einem anderen Läufer, der bereits zum dritten Mal dabei ist. Er rät mir die Kräfte gut einzuteilen, denn der letzte Anstieg zum Sonnenkopf sei gnadenlos (diese Warnung sollte ich übrigens noch mehrmals im Laufe des Rennens hören).

Die ersten Sonnenstrahlen erwärmen uns und es geht vorbei am Allgäuer Berghof, an der Weltcuphütte, dann über den Weiherkopf bis schließlich nach Grasgehren. Dort gibt es die erste „Vollverpflegung“ im wahrsten Sinne des Wortes: Getränke, Butterbrote und Kuchen – was will man mehr? Dazu noch viele Fans, die uns lautstark anfeuern.

Ich spür zwar die Beine schon etwas, aber ansonsten fühl ich mich gut. Ab jetzt möchte ich den Lauf genießen und nicht dauernd dran denken, was noch kommt. Durch den Wald geht es bergab nach Rohrmoos und es macht Spaß, richtig Gas zu geben. Bald ist die nächste Verpflegungsstation erreicht, der Gasthof Hörnlepass im Kleinwalsertal. Die Hälfte der Strecke hab ich jetzt hinter mir.

Weiter geht es nach Unterwestegg, dort über die Straße und hinauf zum Söllereck, dann vorbei am Freibergsee und kurz darauf bin ich schon in Oberstdorf. Die Erdinger-Arena bei KM 49 ist mein erstes „Etappenziel“. Wer hier das Rennen beenden will oder beenden muss, bekommt eine APM-Medaille und wird in eine Sonderwertung aufgenommen.

Ich bediene mich am Buffet und denke überhaupt nicht ans Aufhören. Mir geht es gut und außerdem will ich jetzt endlich wissen, was es mit dem Sonnenkopf auf sich hat. Zwei Kilometer später trifft es mich dann wie ein Schlag. Die Beine wollen absolut nicht mehr und ich kann nur noch gehen, obwohl die Steigung eigentlich recht moderat ist. Hilft nichts, jetzt muss ich durch. Ich treffe Leidensgenossen und werde noch einmal vor dem brutalen Anstieg zum Sonnenkopf gewarnt, der jetzt unmittelbar vor uns liegt. Ich fülle meine Trinkflaschen auf und es geht steil bergauf. So steil, dass an Laufen sowieso nicht mehr zu denken ist. Ich finde meinen Rhythmus und bin ziemlich verwundert, als es nach 20 oder 30 Minuten schon vorbei ist und ich am Gipfel des Sonnenkopfs, dem Dach des Ultra-Trails, stehe. Von dort sind es noch knapp zehn KM bis zum Ziel, das man bereits sehen kann.

Es geht nur noch bergab. Dennoch ist noch einmal höchste Konzentration gefragt. Die Stufen zu Beginn sind nicht ohne und um ein Haar wäre ich gestürzt. Aber schon bald wird es leichter. Wiesenpfade, Forstwege und Straßen wechseln sich ab. Genau mein Terrain, ich vergesse alle Schmerzen und sause mit einem Lächeln im Gesicht hinunter ins Ziel.

Mit einer Zeit von 9 Stunden und 7 Minuten lande ich schließlich auf Platz 9 in der Damenwertung und bin überglücklich. Ich glaube, ich habe das Rennen ganz gut eingeteilt (dafür vielen Dank an alle „Warner“). Vielen Dank auch an all die freundlichen Helfer am Streckenrand und vielen Dank an euch für den Startplatz! Ich freu mich schon aufs nächste Jahr!

(P.S.: Morgen lest ihr den Rennbericht von Marathonsieger Steffen Wittmann).

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