„Mein erster Triathlon – ohne (technisch) richtig schwimmen zu können“

Elisabeth AngererElisabeth Angerer hat es geschafft! Als starke Marathonläuferin in ihrer Altersklasse ist sie bereits bekannt. Doch in Immenstadt wagte sie sich auf neues Terrain: Nachdem sie auf Allgäu Ausdauer einen Startplatz für den Allgäu-Triathlon gewonnen hatte, kämpfte sie sich auf der Sprint-Distanz ins Ziel. Ein echtes Abenteuer, wie sie in ihrem Bericht schreibt!


Das erste Mal Triathlon – und ohne (technisch) richtig schwimmen zu können

Am Samstag habe ich mir die Startnummer B702 – Sprintdistanz – einschließlich dem Starterbeutel in Immenstadt abgeholt. Natürlich habe ich den Inhalt vor Ort durchgesehen und mir einen Überblick über die mehrfachen Ausdrucke der Startnummer gemacht – war für mich in dieser Form ja auch NEU.
Danach zur Wettkampfbesprechung um 18:30 Uhr im Schlossinnenhof. Um dem Regen zu entgehen drängten sich die Sportler auf engstem Raum und verfolgten mit Interesse die lockeren Interviews (vor allem Thomas Hellriegel), unterhaltsamen Rückblicke und die Wettkampfbesprechung. Kurzweilig und stimmungsvoll.

Bei leichtem Nieselregen habe ich am Sonntag um 10:00 Uhr mein super gewartetes Rennrad aus dem Kofferraum geladen und bin damit zum Check-In. Dort angekommen staunte ich über die unzähligen windschnittigen Zeitfahrräder. Nur gut, dass mein Rennrad gegenüber den Triathlonrädern sehr filigran ist, ansonsten hätte ich es nicht an dem dafür vorgesehenen Platz abstellen können. Triathleten neigen offenbar dazu sich etwas breiter zu machen. Zum Glück weiß ich um die Qualität meines Red Bull-Renners und bin deshalb nicht schon vor Ehrfurcht erstarrt.

Vom Check-In zum Wasser um die Wassertemperatur zu erkunden. Ich habe schon beim Hinweg gesehen, dass überwiegend der Neoprenanzug zum Einsatz kam. Aber der Alpsee war noch genau so warm wie der Grüntensee, in dem ich in den vergangenen beiden Wochen mindestens 5 Mal beim Schwimmen war – nach gefühlt 30ig-jähriger Schwimmabstinenz davor. Deshalb ließ ich den Neopren-Shorty in der Tasche. Wenn ich schon schwimmen musste/ sollte/ wollte, dann richtig.

Der Schwimmstart war pünktlich um 11:00 Uhr. Dank Faris Ratschlägen habe ich mich entsprechend meiner Schwimmqualitäten ganz weit hinten eingereiht und bin so der Hektik am Start aus dem Weg gegangen. Fürsorglich hat mich eine junge Wasserwachtlerin auf der gesamten Schwimmstrecke auf ihrem Brett begleitet, unterbrochen nur von kurzen „Hilfsaktionen“ von ihr, bei denen sie zu „Um-Hilfe-Winkenden“ hinpaddeln musste um ihnen am Brett eine kurze Pause zu ermöglichen. Nach einem Dankeschön an und einer Verabschiedung von der Wasserwachtlerin habe ich so ziemlich als Letzte den Schwimmausstieg nach 500 m schwimmend erreicht. Erleichtert es geschafft zu haben und frohgelaunt ging es durch das Zuschauerspalier zu meinem Radstandplatz. Die Radklammotten, Socken, MTB-Schuhe und Startnummer anziehen, den Rest wieder in den blauen Beutel, meinen Carbonrenner vom Ständer und zu Fuß bis über die Wechselzonenlinie, immer im Gespräch mit den Helfern, die mir alles Mögliche erklärten und mich nach allem Möglichen fragten. Das hat natürlich alles sehr lange gedauert (auch bei der Wechselzeit bin ich so ziemlich die Langsamste gewesen) und meine Gelassenheit hat bestimmt einige Zuschauer verwundert.

Bei der Einfahrt in die Staatsstraße nach Immenstadt wurde ich freundlich vom Fahrer des Schlussmotorrads begrüßt. Er hat mir seine Begleitung für die folgenden 27 km der Radstrecke angekündigt. Der Polizist auf dem Motorrad war wohl der Meinung, dass ich Letzte bleiben würde, aber bereits bei der Anfahrt zum Kalvarienberg musste ich auf die weitere Unterhaltung mit ihm verzichten. Die Radstrecke war schon eher nach meinem Geschmack. Sie wies eine für das Allgäu typischen Streckenführung auf mit überwiegend Nebenstraßen, passablem Asphalt und vor allem einem abwechslungsreichen Profil mit insgesamt ca. 500 Höhenmetern. Die Stimmung am Streckenrand war trotz des immer wieder einsetzenden Regens richtig toll. Unzählige Fans und Anwohner haben vermutlich Stunden am Streckenrand gestanden und auch noch die letzten Fahrer, so wie mich, angefeuert. Was mich aber doch sehr verwundert hat, waren die schiebenden Fahrer/innen in den Anstiegen, oftmals mit den windschnittigen Zeitfahrmaschinen und Rennradschuhen. Ich kannte ja das Höhenprofil und Dank meiner Übersetzung, einschließlich eines „Oma-Ritzels“, hat die Radstrecke viel Spaß gemacht. Im Rennverlauf ist zudem der Asphalt bereits etwas abgetrocknet und so war auch die Abfahrt nach Bühl kein Problem. Der schmale Weg zur Wechselzone war etwas unangenehm, da entgegenkommende Läufer auf die Radstrecke ausgewichen sind. Aber hier spielt vermutlich der sportliche Ehrgeiz eine Rolle und man wird unachtsam.

Einzig die Steckenausschilderung war nicht so richtig gut. Bei Radmarathons gibt es frühzeitige Wegweiser bei Abbiegungen und Hinweise bei Gefahrenstellen. Ohne ab und zu nach dem Weg zu fragen wäre ich wohl ein paar zusätzliche Kilometer gefahren. Da habe ich natürlich auch selber Schuld, denn ich hätte die Radstrecke auch im Vorfeld einmal abfahren können.

Wieder in der Wechselzone angekommen, war mein Radabstellplatz diesmal etwas großzügiger bemessen. Wie bereits beim 1. Wechsel: überschüssige Radklamotten ablegen, trockene Socken und Laufschuhe an, alles ordentlich in den blauen Beutel und nach Rücksprache mit den Helfern ging es los. Die Wechselzeit von mir war wieder so ziemlich die langsamste. Auch auf der Laufstrecke waren unglaublich viele Zuschauer am Streckenrand. Die Laufstrecke war aber eher fad. Die Straße entlang bis zum Wendepunkt und zurück. Zum Glück haben sie den Kuhsteig mit reingenommen – ein Dank dafür an den Veranstalter. Davon, dass hier eine der schönsten Gegenden Deutschlands ist, war nichts zu spüren. Selbst der eigentlich nahe Alpsee hat sich die meiste Zeit vor den Läufern versteckt – auf der Uferpromenade gab es dann endlich wieder den Blick auf den See. Läuferisch habe ich nicht mehr richtig auf das Gas gedrückt. Den Ehrgeiz hatte ich schon eingepackt nachdem ich die Schwimmstrecke überstanden hatte. Und außerdem musste ich mich schließlich 6 km lang auf meinen Zieleinlauf vorbereiten.

Gedanken und Empfindungen im Ziel: ein stimmungsvoller Einlauf durch den Zielbogen und das Gefühl von Freude über meine eigene Leistung. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das einmal mitmachen durfte. Ich weiß aber auch, dass Triathlon nicht unbedingt mein Sport ist und eine Veranstaltung wie in Immenstadt nicht unbedingt mein Sportevent ist, auf das ich mich mit großer Freude vorbereiten möchte. Ich genieße zwar die sportliche Herausforderung, aber noch mehr die Freude und den Spaß, die ich beim Wettkampf empfinde. Beim Triathlon war um mich herum ständig eine große Hektik und das ist nicht so mein Ding.

Insgesamt ist der Allgäu-Triathlon eine sehr gelungene Veranstaltung mit einer guten Organisation und mit einem über die Jahre eingespielten Team. Für alle Beteiligte, ob Zuschauer oder Athleten, ist der Allgäu-Triathlon durch die sehr „kompakte Streckenwahl“ unglaublich unterhaltsam. Gratulation – Ihr habt den Triathlon-Kult-Status verdient.

Ohne euch beide von allgaeu-ausdauer.de und allgäu-triathlon gmbh hätte ich niemals eine Triathlonteilnahme als Einzelstarterin in Erwägung gezogen.
Danke, Danke.

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