Bodensee erweist sich als Biest: Hamza muss Längsquerung abbrechen

Hamza 1Die Allgäuer Ausdauersportler drückten ihm  fest die Daumen! Doch es hat nicht gereicht. Extremschwimmer Hamza Bakircioglu (43) aus Sonthofen musste am Dienstag seinen dritten Versuch abbrechen, den Bodensee der Länge nach über 64 Kilometer von Bodmann nach Bregenz zu durchqueren.  Im Interview mit der Allgäuer Zeitung  spricht er über den Grund für das Aus nach 51 Kilometern und 26:33 Stunden im Wasser und über seine Päne für die Zukunft. Der erneute Rückschlag  hat  seine stets positive Einstellung nicht geändert.

„Ich habe alles gegeben. Auch im Vorfeld“, sagte Hamza, der am Bodensee erneut Kämpferqualitäten zeigte – und deshalb zufrieden mit seiner Leistung ist. Dass es nicht bis zum Ziel reichte, hatte einen anderen Grund: stechende Schmerzen in der linken Schulter, die letztlich zur Aufgabe führten.

Die starke Strömung machte ihm speziell in der Nacht von Montag auf Dienstag  zu schaffen.   „Ich musste Vollgas geben, um weiterzukommen. Das hat der Schulter nicht gut getan.“

Damit hält die Pechsträhne des Industriemeisters, der normalerweise Kilometer wie eine Maschine abspult, am Bodensee an. Bei seinen Versuchen 2013 und 2014 war er vom Wetter (Gewitter bzw. Sturm) ausgebremst worden. Im Vorjahr trennten ihn nur vier Kilometer von der Erfüllung seines Traumes.

Ein erfolgreicher Test über 42 Kilometer  im „schwäbischen Meer“ hatte zuletzt die Hoffnung genährt, dass es diesmal klappt.

Aufmunterung erhält er von seinen Fans. Sie schreiben auf Facebook beispielsweise: „Hamza, für uns bist Du Sieger der Herzen!“

Ob Hamza im nächsten Jahr erneut einen Versuch startet? „Wenn die Schulter mitmacht, werde ich es noch einmal probieren“, kündigt er an. Mehr darüber lest ihr in der Freitagsausgabe der Allgäuer Zeitung.

Und hier noch  Auszüge aus dem Rennbericht des Veranstalters der Bodenseequerung, Oliver Halder, die die Schwierigkeiten bei diesem Versuch aufzeigen:

„Die Wetterprognose war perfekt, der See ruhig und das Begleitboot bestens geeignet. Die Crew wurde gebrieft und das Vorhaben wurde unter besten Voraussetzungen um 13:55 Uhr in Bodman am Strandbad gestartet. Die ersten sechs Kilometer war alles in bester Ordnung und der für einen Schwimmer wichtige Kurs, nämlich möglichst der Kürzeste wurde durch den Skipper, Matthias Müller, navigiert. Leichte Wellenbildung suggerierte ein optisch schnelles vorankommen. Der Blick auf das GPS verriet aber, dass Hamzas Tempo stark zurückging. Was war passiert? Leistungseinbruch? Nein, Gegenströmung! Für alle, die bislang in einem Bagger-/Badesee, oder Freibad geschwommen sind: Das gibt’s da nicht. Im Bodensee jedoch sieht es ganz anders aus. Mit einer geschätzten Gegenströmung, die frontal kam und ca. 1,2 – 1,6 km/h ausmachte, musste über sechs Stunden gekämpft werden. Bei gleichbleibender Zugzahl handelt es sich hier um ca. 9 Kilometer Distanz ohne Vortrieb. Mit diesen knapp 10 Kilometern mehr in den Armen (ohne weitere Gegenströmungen, die jedoch temporär auftraten) ist auch die Leistungskurve entsprechend zurückversetzt worden und rächte sich dann auf den letzten Kilometern. Bereits ab Kilometer 35 klagte Hamza zunehmends über Schmerzen in seiner linken Schulter, welche zwar bekannt sind, im Verhältnis auf die Gesamtstrecke aber viel zu früh eingetreten sind. Hinzu kam, dass die Durchschnittliche Geschwindigkeit mitunter dadurch wieder unter die 2 km/h-Grenze fiel, was bei Hochrechnungen auf das Ziel die zweite Nacht bedeutete. Auch die sehr hohen Wassertemperaturen in Schwimmtiefe, die teilweise über 29°C kletterten, wirkten sich auf die Schulter und die Leistungsfähigkeit sehr nachteilig aus. Hamzas Optik, sowie die damit einhergehenden Gefahren und Risiken für seine Gesundheit, im Verhältnis auf die noch zu schwimmende Strecke, veranlassten uns im allseitigen Einvernehmen zum Abbruch des Schwimmens um 16:38 Uhr bei Kilometer 51 auf Höhe von Kressbronn. Wir waren zu diesem Zeitpunkt genau 26 Stunden und 33 Minuten unterwegs. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 1,9 km/h. Stellt man Hamzas normale Prognose von 2,5 km/h ins Verhältnis, käme man auf ca. 66 Kilometer, die er hier schon zurückgelegt haben müsste. Weitere sieben Stunden im Minimum wären jedoch erforderlich gewesen, um in den Zielbereich von Bregenz zu schwimmen. Mit seinen Schmerzen nicht realisierbar. Eine erneut großartige Leistung, die Hamza bei der Bodenseequerung erbracht hat.“

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