Heiße Tour: Eric Schuchard meistert 250 Kilometer durch marokkanische Wüste

Eric Schuchard

Eric Schuchard
Einen heißen Extremritt hat Eric Schuchard (46) aus Kaufbeuren gemeistert: Er lief beim Marthon des Sables mit 1300 Teilnehmern fast 250 Kilometer durch die marokkanische Wüste. Unser AZ-Kollege Stephan Schöttl hat den Extremsportler porträtiert und dabei erstaunliches erfahren: Zur Vorbereitung auf den Wüstenlauf wurde auf Schnee trainiert!

 

Text und Fotos von Stephan Schöttl

Passender hätten die Organisatoren die letzten Minuten vor dem Start nicht planen können: Mitten in der Wüste schmetterte „Highway to hell“ aus den Lautsprecherboxen, ein Klassiker der Hardrocker AC/DC. Der Weg zur Hölle also. Für Eric Schuchard war es nicht der Weg zur, sondern vielmehr ein Lauf durch die Hölle. Der Kaufbeurer war einer von über 1300 Teilnehmern beim „Marathon des Sables“. Sieben Tage durch die Sahara, fünf Etappen zwischen 20 und 40 Kilometer, dazu ein Abschnitt mit über 90 Kilometer, der über zwei Tage und eine Nacht geht. Zusammen sind es fast 250 Kilometer. Nicht umsonst gilt der Marathon als einer der härtesten Wettbewerbe der Welt. Bis zu 50 Grad heiß wird es tagsüber im Schatten. Den gibt es allerdings auf der Strecke nicht. Die Extremsportler sind den ganzen Tag über in der prallen Sonne unterwegs. Über Geröll und Dünen. Ständig im schweren Wüstensand.

Schuchard, der als Hobbyläufer gerne seinen Grenzen auslotet, fand sich plötzlich in einer ganz anderen Liga wieder. „Ich wollte schon immer mal einen Ultra-Lauf mitmachen. Marathon war in Marokko fast jeden Tag“, erzählt er. Reichlich trainiert hat der 46-Jährige im Vorfeld. Über ein Jahr lang. Die richtige Vorbereitung, sagt er, sei schließlich ein und alles. Der Kaufbeurer lief in den heimischen Bergen. Er lief zig Kilometer auf Schnee. Bei Wind und Wetter. „Das war komplettes Neuland für mich“, meint er. Neben der sportlichen Herausforderung hatte er auch die logistische zu meistern. Neun Liter Wasser werden von den Organisatoren pro Person und Tag zur Verfügung gestellt, den Rest – also zum Beispiel Lebensmittel, Schlafsack und Kleidung – müssen die Läufer selbst mitnehmen. Und Tag für Tag auch selbst mitschleppen. Mit zehn Kilogramm Gewicht auf dem Rücken hat Schuchard zu Hause trainiert. In der Wüste war schließlich doch alles anders. „Mein Gepäck war eindeutig zu schwer. Denn ich musste ja auch mit der Hitze, dem wenigen Schlaf und der körperlichen Belastung klarkommen“, erklärt er. Doch Not macht erfinderisch. Der Kaufbeurer verschenkte zum Beispiel einige seiner Energieriegel an die marokkanischen Kinder am Streckenrand, um Last aus dem Rucksack zu verlieren.

Am Abend nach der ersten Etappe sei er „total am Ende“ gewesen, erzählt der 46-Jährige. Doch es sollte der einzige Tiefpunkt bleiben. „Ich habe an den weiteren Tagen mein Tempo gefunden, hatte richtig Spaß, super Material und keine Blasen“, meint er weiter.

Schuchard lobt vor allem die Organisation des Laufs. Alle Teilnehmer waren aus Sicherheitsgründen mit GPS-Geräten ausgestattet, Streckenverlauf und Aufenthaltsort waren dadurch rund um die Uhr im Internet mitzuverfolgen. Zudem bekamen die Sportler jeden Morgen E-Mails überreicht. Motivationspost von Familien, Freunden und Arbeitskollegen. „Das hat mich immer wieder neu angetrieben“, sagt Schuchard.

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