Ja mir san mim Radl da

Radfahrer 1

Radeln im Allgäu ist wunderbar. Kein Wunder, dass sich Rennradler, Mountainbiker und E-Biker auf ihre Ausfahrten freuen.  Zusamen mit Karikaturist Manfred Küchle präsentieren wir fünf Radler-Typen, die einem begegnen können – oder zu denen man manchmal selbst zählt …

Der Technik-Freak: Am Radfahren fasziniert ihn vor allem eines: das Schrauben. Den Radfahrer 1Winter über hat er mit der Lektüre von Bike-Magazinen verbracht, die ihm allesamt (wie schon im Vorjahr) erklärten, wie man ein Rennrad noch leichter und schneller macht. Deshalb investiert der Technik-Freak (mal wieder) ein halbes Vermögen, um im Internet die neuesten Einzelteile zu bestellen. Anschließend verbringt er ein Dutzend Wochenenden damit, den Rahmen aus den USA, den Lenker aus Indien und die Pedale aus der Mongolei maximal windschnittig zu montieren. Zum Training hat er leider keine Zeit. Aber was sind schon ein paar Kilo Übergewicht, wenn das Rad leicht ist wie eine Feder …?

Die Gipfelstürmerin: Kinder und Kaffeekränzchen waren gestern. Die Gipfelstürmerin Radfahrer 2sieht Radfahren als emanzipatorischen Akt in der zweiten Lebenshälfte. Sie tritt in die Pedale, um dem häuslichen Hamsterrad zu entfliehen. Höhepunkt der wiedergewonnenen Freiheit ist eine einwöchige Tour über die Alpen. Zum Beispiel von Oberstdorf an den Gardasee, wo schönes Wetter und charmante Italiener warten. Das Reisegepäck ist zwar limitiert. Aber für eine Flasche Prosecco ist immer Platz, damit die Gipfelstürmerin mit ihrer besten Freundin anstoßen kann: Auf den zurückgebliebenen Liebsten, der sich allein um Haushalt und Garten kümmern darf.

Der Halbprofi: Zur Tour de France hat es für den Halbprofi leider nicht ganz gereicht. Radfahrer 4Aber so grimmig schauen wie Lance Armstrong wird man ja wohl noch dürfen – auf der Hausstrecke zwischen Eggenthal und Eglofs. Es geht schließlich auch ohne Tour de France um sehr, sehr viel! Deshalb hat der Halbprofi auch nie Zeit, um den freundlichen Gruß von Hobbyradlern zu erwidern. Er muss schließlich ganz schnell nach Hause: Um Impressionen von seiner jüngsten „absoluten Mördertour“ durchs Allgäu mit Selfie und Durchschnittstempo im Internet zu posten. Nicht nur Lance Armstrong gehört schließlich zu seinen angeblichen „Freunden“ auf Facebook.

Die Rasselbande: Die Eltern hatten es so gut gemeint. Papi hat extra alle Kinderräder Radfahrer 5auf Hochglanz poliert und Mami die große Brotzeitbox gepackt. Doch der gemeinsame Oster-Radausflug gerät zum Desaster: Der jüngste Spross stürzt bei der ersten Abfahrt am Nachbargrundstück, dem mittleren schwirrt wenig später am Illerradweg eine Hummel ins Auge und die große Tochter bekommt einen Tobsuchtsanfall, weil Papa ihr während der gesamten Radtour verbietet, Whats-App-Nachrichten am Handy zu schreiben. Das einzig Positive: Alle drei Kinder halten endlich mal zusammen – gegen die Eltern, die diese bescheuerte Idee mit der Radtour hatten.

Der E-Biker: Eigentlich wollte er sich ja mit dem Renten-Eintritt endlich einen offenen Radfahrer 3Oldtimer leisten. Doch dann haben weder Geldbeutel noch Gattin mitgespielt. Statt dessen erfüllt nun ein Elektromotor am Dreigangrad den Traum vom schnellen Glück und grenzenloser Freiheit. Auch das Aufsehen ist dem E-Biker garantiert. Vor allem wenn er mit seiner Ledermütze aus Vorkriegsjahren den Turbo am steilsten Hang zündet, an dem sich alle anderen Radler die Zähne ausbeißen. Was den E-Biker zur Nervensäge unter den Zweiradfahrern macht, ist nicht der Elektromotor, sondern sein triumphierendes Grinsen, wenn er als Erster den Gipfel erreicht.

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