Genießen + Laufen = Laufgenuss

Anne-Sophie genoss den Halbmarathon in Kempten. Foto: Ralf Lienert, weitere Fotos: Matthias Becker, T.S.
Anne-Sophie genoss den Halbmarathon in Kempten. Foto: Ralf Lienert, weitere Fotos: Matthias Becker, T.S.

Bevor Ihr diesen Text lest, schicke ich ein Geständnis voraus: Ich bin alles andere als eine Trainingsweltmeisterin. Gerade im Frühling fällt es mir manchmal schwer, mich zwischen Liegestuhl und Laufschuhen zu entscheiden. Ein Sonnenbad wäre auch am Sonntag schön gewesen, aber dann bin ich doch beim Halbmarathon angetreten. Und habe es keine Minute bereut! Es war einmal mehr ein grandioses Erlebnis – und wenn ich diesen Text schreibe, dann garantiert nicht für die Profis (die lesen lieber die Tipps unseres Allgäuer Starläufers Kevin Key), sondern für die vielen Hobby-Finisher beim „Abt Laufsporttag“ – oder solche die es werden wollen. Glaubt mir, es lohnt sich –  auch bei mäßigem Trainingseinsatz von 2 bis 3 mal in der Woche.
Meine Gründe dafür lest Ihr hier:

Der Teamgedanke: Wie eingangs schon erwähnt: sich alleine aufzuraffen, fällt einem nicht immer leicht, wenn die Tourenski schon wieder im Keller verschwunden sind. Aber was kann man dagegen tun? Mein Tipp: Am besten eine Trainingsgruppe suchen. Zum Beispiel die Dienstagsgruppe von Joachim Saukel. Mir hat es auf jeden Fall etwas gebracht. Erstens wegen der netten Leute, zweitens wegen der Motivation. Würde man ansonsten auf den Gedanken kommen, sich auf das Tempotraining auf der Bahn zu freuen…? Eben. Im Team geht’s leichter. Man findet schnell ein paar Läufer, die ähnlich schnell oder langsam sind. Was mich besonders gefreut hat: Selbst die Schnelleren in der Gruppe bauen einen immer wieder auf – also zumindest die, die ich kennengelernt habe….

Halbmarathon KemptenDas Wettkampf-Gefühl: Mit Verbissenheit kann man mich ja bekanntlich jagen. Aber wenn man zusammen mit Hunderten von Läufern in der Startreihe steht, packt einen doch irgendwie der Ehrgeiz. Weltmeister werden wir alle nicht mehr, aber sich zumindest kurz wie ein WM-Teilnehmer zu fühlen, hat durchaus seinen Reiz. Vor allem, wenn man noch einen persönlichen (Tempo)-Hasen dabei hat. Ich habe mich bei Ballon-Läufer Flo Eberle eingeklinkt, der die 1:45 Gruppe führte. Seine Kochkünste habe ich im Rahmen der Serie „Cook and Run“ schon zu schätzen gelernt. Jetzt habe ich ihn auch als Motivationskünstler erlebt und kann nur sagen: Danke, Flo! Er hatte für jeden in unserer Combo den passenden Spruch parat.

Halbmarathon KemptenDie Tortur: Anstrengend war es, aber der Gedanke an den Liegestuhl kam mir nie. Die Anfeuerungen der Zuschauer (meinen die wirklich mich?!) spornten mich wie jeden anderen Läufer an. Außerdem hat ein Gel nach der zweiten Runde (Danke fürs Anreichen Tobi) noch zusätzliche Kräfte mobilisiert. Das klappte schon besser als bei meinem Kemptener Debut vor zwei Jahren. Zum Thema Ernährung möchte ich ohnehin mal was loswerden:  Bei mir gab’s zum Frühstück diesmal Landjäger und Leberkäs. So viel Spaß das Laufen auch macht: ich esse nun einmal gerne, was mir schmeckt. Und der Gedanke an eine saftiges Steak half mir dann auch, möglichst schnell weiterzulaufen…

Die zweite Hälfte: Juhu, da geht noch was! Auf der dritten Runde scheucht mich Flo auf und davon. „Na gut, wenn er meint“, denke ich anfangs. Doch je näher das Ziel rückt, desto größer werden meine Freude und mein Tatendrang. Auf den letzten Metern mache ich es einfach wie in unserem Tempotraining – und gebe noch mal alles. Dass Sieger Azouzi da schon weit über eine halbe Stunde im Ziel ist – who cares? Es ist trotzdem ein tolles Gefühl, als mich Organisator Joachim Saukel beim Zieleinlauf abklatscht. Erst Recht beim Blick auf die Uhr. Ich freue mich über meine 1:42 Stunden und besorge mir ein Mineralwasser. Das anschließende Feier-Radler auf dem Rathausplatz habe ich mir verdient, befinde ich .

Der Ausklang:  Zuhause lodert der Grill., die die Steaks warten schon. Kann es ein schöneres Ende nach einem wunderbaren Frühlingslauf geben? Und jetzt erzählt mir bitte nichts von Hirsebällchen und Trainingsplänen 🙂 Laufen und Genießen müssen sich nicht ausschließen. Im Gegenteil: Wer beide Disziplinen beherrscht, erlebt den wahren Laufgenuss. Probiert es am besten selbst – es sei denn, Ihr seid, was 99 Prozent aller Teilnehmer nicht sind: Profis….
Ich hoffe, wir sehen uns spätestens im nächsten Jahr!

9 Gedanken zu „Genießen + Laufen = Laufgenuss“

  1. Liebe Ann-Sofie, danke für diesen Beitrag. Du sprichst mir und meinem Mann (beide sind wir Hobbyläufer, aber das schon seit Jahren…. ) voll aus dem Herzen. Geniess den Frühling weiterhin 🙂 Grüssle R.G.

  2. Jetzt ist mir beim 2. lesen noch was aufgefallen. Du schreibst von 2-3 mal Training i.d. Woche. Mich würde interessieren wie intensiv war das? LG noch mal 🙂

  3. Ja Ann-Sohpie deinen Worten kann ich mich nur anschliessen! Wir brauchen ja schließlich auch die Zeit, unsere herrliche Allgäuer Heimat zu geniessen – und wer kann das schon behaupten, wenn er voller Ehrgeiz verbissen einer Zeit hinterherjagt? 😉

  4. Liebe Anne-Sophie, noch einmal ein großes Kompliment zu Deinem Halbmarathon – du hast echt Talent…
    Uns hat es auch Spaß gemacht und wir haben uns sehr gefreut, dass du am Dienstag bei uns mittrainiert hast. Am 28. April beginnt übrigens die Vorbereitung auf den AÜW Iller Marathon! Wir sehen uns also dann um 18:30 Uhr bei uns 😉

    Herzliche Grüße, Joachim

    PS.: Wer ist eigentlich das Running Girl?

    1. Hallo Herr Saukel,
      ich würde sehr gerne auch mal zu einem Training kommen!! Wo ist denn da dienstags immer Treffpunkt??? Muss ich da in einem Verein Mitglied werden, um da mitzumachen???

      Grüße aus Dietmannsried

      Andrea

      1. Hallo Andrea, wir treffen uns immer Dienstags um 18:30 Uhr bei uns (Laufsport Saukel) in der Kronenstraße. Mitglied in einem Verein muss man nicht sein. Die einzige Voraussetzung ist es Inhaber der Laufsport Saukel Kundenkarte zu sein.

        Viele Grüße und bis Dienstag 😉
        Joachim

  5. Super geschrieben Anne-Sophie!!! Und mit 2-3 mal die Woche Training so eine super Zeit zu Laufen – da hast du mehr als Talent!!! Läufst du den Iller Marathon auch mit??
    Grüße aus Dietmannsried

    Andrea

  6. Ein toller Einblick in den Lauf. So viel Disziplin muss man erst einmal haben. Am Ende des Tages ist glücklich das man sich zusammengerissen hat und es durchgezogen hat
    Danke für den inspirierenden Einblick 🙂

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