Schnell Anschluss gefunden

Tekle
War schon Junioren-Weltmeister im Berglauf: Yossief Tekle. Foto: Karl Michel

Seit Wochen sorgt der 22-jähriger Yossief Tekle für Aufsehen in der Läuferszene. Im Allgäu gewann er beispielsweise den Nikolauslauf in Erkheim mit einer überragenden Zeit. Auch beim Stadtlauf in Memmingen war er unangefochten die Nummer eins.  Doch wie kommt der Asylbewerber aus Eritrea zur LG Reischenau-Zusamtal? Oliver Reiser, Sportredakteur bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung, stellt den schnellen Mann vor.

Von Oliver Reiser

Dinkelscherben Seit Wochen sorgt Yossief Tekle für Schlagzeilen. Der 22-jährige Asylbewerber aus Eritrea bringt Bewegung in die Läuferszene. Zuletzt gewann er unter anderem die Augsburger Waldlaufserie, wurde Zweiter bei einer internationalen Crosslauf-Veranstaltung in Darmstadt oder dominierte Läufe im Allgäu nach Belieben. Doch wie kommt der Junioren-Weltmeister im Berglauf von 2010 zur LG Reischenau-Zusamtal?

Im Mai dieses Jahres hat Franz Herzgsell einen Anruf erhalten, dass in Zusmarshausen ein junger Mann einquartiert wurde, der über außergewöhnliche Läuferqualitäten verfügt. Schnell stellte sich heraus, dass es sich bei Yossief Tekle um den Junioren-Weltmeister im Berglauf handelt, der aus seiner Heimat geflüchtet war. „Eritrea ist das Nordkorea von Afrika. Er war dort sogar im Gefängnis, weil er Fragen gestellt hatte. Seitdem war er in diesem korrupten Land geächtet. Bei einer Rückkehr würde er sofort wieder im Gefängnis landen“, erzählt Herzgsell. „Die Reise zur Weltmeisterschaft in Slowenien hat er selbst bezahlt. Sein Vater hat dafür einen Ochsen verkauft.“

Schnell hat der Lauftrainer der LG Reischenau-Zusamtal, selbst Senioren-Welt- und Europameister im Langlauf, gehandelt und den Ausnahmesportler unter seine Fittiche genommen. Inzwischen gehört „Josef“ bei den Herzgsells, die selbst drei Kinder haben, zur Familie. Auch wenn er seit September jetzt in einem Asylbewerberheim in Bobingen untergebracht ist. Am Wochenende ist er meist in Anried. „Ein ganz feiner Mensch“, schwärmt Herzgsell, „er räumt auf, macht sein Bett und ist überaus pünktlich und gewissenhaft.“

Der Leichtathletik-Förderverein hat Yossief Tekle, der auch etwas Englisch spricht, einen Deutschkurs bezahlt. Vertieft werden die Kenntnisse im Hause Herzgsell. „Ich habe noch nie einem Ausländer Deutsch beigebracht“, sagt der pensionierte Volksschullehrer Franz Herzgsell, „ich habe erst jetzt gemerkt, wie unlogisch unsere Sprache eigentlich ist.“ Die Übersetzungen haben es in sich, denn auch die Sprache, die in Eritrea gesprochen wird, ist nicht ganz einfach: Tigrinja verfügt über 49 Buchstaben und sieben Vokale.

Yossief Tekle ist auch ein sehr gläubiger Mensch. Nicht nur vor dem Essen, auch vor jedem Lauf betet der orthodoxe Christ. Am Sonntag geht er gemeinsam mit den Herzgsells in die Kirche, als deren Sohn er sich inzwischen betrachtet. „Das kann doch nicht sein. Wir haben doch verschiedene Hautfarben“, hat ihm Herzgsell erklärt. „Aber das Blut ist das Gleiche“, hat Yossief Tekle geantwortet.

Gerne möchte der 22-Jährige, dessen Aufenthaltserlaubnis zunächst einmal bis April 2015 läuft, in Deutschland bleiben. Vielleicht sogar Deutscher werden. Denn nur dann könnte sich vielleicht sogar sein Traum von Olympia erfüllen. Von seinem Heimatland würde er auf keinen Fall nominiert werden.

Das Jahr 2015 will Yossief Tekle mit einem Sieg beim Gersthofer Silvesterlauf krönen. „Dort dürfen wir ohne Erlaubnis hin“, freut sich Franz Herzgsell. Für die Fahrten zu den internationalen Großereignissen ist immer eine Permission des Landratsamtes notwendig. Für die vielen Siege, die Yossief Tekle schon eingelaufen hat, braucht es dagegen keine Erlaubnis.

Ein Gedanke zu „Schnell Anschluss gefunden“

  1. Schöner Artikel, aber warum verdient es einer extra Erwähnung, dass ein 22jaehriger Leistungssportler aufräumt und sein Bett selbst macht?

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