Immer auf Zack

Antje.Weinreich
Antje Weinreich und ihr Ehemann, Pfarrer Martin Weinreich, aus Kempten sind ein eingespieltes Team. Als begeisterte Ausdauersportler packen sie gemeinsam im Haushalt an, um sich gegenseitig Zeit fürs Training zu ermöglichen. Foto: Martina Diemand

Antje Weinreich hat insgesamt schon fünf Mal erfolgreich am Allgäu-Triathlon in Immenstadt teilgenommen und dabei ihr Können auf der Mittelstrecke genauso gezeigt wie auf der Olympischen Distanz. Was viele gar nicht wissen: Hinter der schnellen Dame vom RSC Kempten steckt auch ein schneller Mann: Pfarrer Martin Weinreich ist begeisterter Läufer. Gemeinsam bringt das Ehepaar Haushalt, Kinder, Beruf und Sport unter einen Hut. Vielleicht ja ein lehrreiches Beispiel, so kurz vor Weihnachten…

Langschläfern dürfte das lieb gewonnene Ritual von Antje Weinreich vermutlich einen Schauer über den Rücken jagen. Die 44-jährige Triathletin vom RSC Auto Brosch Kempten steht immer mittwochs freiwillig um 4.35 Uhr auf, um eine knappe Stunde später das Schwimmtraining ihres Vereins im Cambomare zu besuchen. Für die berufstätige Mutter von drei Kindern ist das keine Qual, sondern ein Stück Lebensqualität: „Ich trinke eine Tasse Kaffee, genieße die morgendliche Ruhe zuhause – und freue mich einfach. Denn diese Zeit gehört ausnahmsweise mal nur mir“, sagt die bayerische Altersklassen-Meisterin über die Mitteldistanz (2 km Schwimmen, 80 km Radfahren 20 km Laufen).

Im Alltag als Heilpädagogin und Mama der drei Buben Tom (10), Robin (7) und Johannes (5) ist sie vorwiegend für andere da. Beim Sport kann sie völlig abschalten – und macht sich zugleich fit für das ganz alltägliche Programm. Bis zu sechs Mal die Woche schwimmt, radelt und läuft sie. „Ich bin durch den Sport auf jeden Fall belastbarer als ich das ohne wäre“, sagt sie. Wie wichtig Sport als Ausgleich ist, weiß auch ihr Ehemann: Pfarrer Martin Weinreich (46) von der evangelischen Christuskirche in Sankt Mang ist selbst begeisterter Läufer. Er hält den familieninternen Marathon-Rekord: In einer tollen Zeit von 2:59:18 Minuten kam er vor drei Jahren in München nach 42,195 Kilometern ins Ziel. „Ich brauche fürs Training ein Ziel vor Augen“, erklärt er sein Faible für Wettkämpfe schmunzelnd. Dennoch steht der Spaß im Vordergrund – und nicht die Verbissenheit. So verbinden die Weinreichs ihr Training schon mal mit einem Ausflug mit den drei Buben, die teils mitlaufen oder radeln. „Pause gemacht wird dann am Spielplatz oder an der Eisdiele“, erzählt Antje Weinreich.

Vor sechs Jahren ist die Familie aus beruflichen Gründen von Wunsiedel (Oberfranken) nach Kempten gezogen – und fühlt sich hier pudelwohl. „In anderen Städten wird man schon mal für einen Exoten gehalten, wenn man mit einem Babyjogger unterwegs ist“, erzählt Antje Weinreich und fügt hinzu: „Im Allgäu dagegen steht der Ausdauersport ganz hoch im Kurs. Jeder kennt hier doch mindestens einen Triathleten.“ Diese Entwicklung hat auch damit zu tun, dass der älteste deutsche Ausdauerdreikampf 1983 zum ersten Mal in Immenstadt stattfand. Antje Weinreich ist großer Fan des Allgäu-Triathlon, an dem sie schon fünf Mal teilgenommen hat. Ihr bislang längstes Rennen hatte sie allerdings vor zwei Jahren in Roth, wo sie die legendäre Ironman-Distanz (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen) in 11:01 Stunden meisterte. Ihre Familie hielt ihr für das Training den Rücken frei – genauso wie das Ehepaar Weinreich alle Hebel in Bewegung setzt, damit die Kinder zum Fußballtraining beim TSV Kottern oder zum Turnen kommen. „Sport ist unglaublich wichtig“, sagt Antje Weinreich, die von ihrer Arbeit her auch Kinder kennt, die kaum noch zwischen Computer-Welt und Realität unterscheiden können.  Ganz anders ist das bei den Weinreichs. Die Jungs sind allesamt voll auf Zack und obendrein stolz auf ihre Eltern.

(Die ganze Geschichte erschien in der Allgäuer Zeitung)

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