Stephan Isik hält Wort: Starkes Marathon-Debüt in New York

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Alle Achtung! Allgäu-Runner Stephan Isik hat Wort gehalten. Der 24-Jährige hatte im Gespräch mit Allgäu Ausdauer angekündigt, bei seinem Marathon-Debüt in New York unter drei Stunden laufen zu wollen. Das ist dem früheren Fußballer – trotz der schwierigen Bedingungen (wir berichteten) – gelungen. Und zwar deutlich: In 2:56:12 Stunden setzte er gleich bei seiner Premiere über 42,195 Kilometer ein echtes Ausrufezeichen. Die emotionalen Eindrücke, die er in NY gewinnen konnte, werden ihn sicherlich heute beschäftigen, wenn er die Rückreise nach Memmingen antritt. Doch lest seinen bewegenden Bericht am besten selbst.

Warm up: Keine Frage: New York ist eine Wucht. Es gibt für mich persönlich zwar schönere Städte 🙂  Aber die Leute sind sympathisch und weltoffen. Und der Marathon war Hammer! Ein einmaliges Erlebnis.  Ich muss zugeben, ich war extrem nervös. Schon um 4 Uhr morgens war ich am Renntag wach…

Gestartet bin ich in der 2. Wave um 10.05 Uhr bei kühlen und teils krassen Bedingungen.  Vor allem anfangs war es extrem windig und kalt, grad weil man in Brooklyn, Queens und der Bronx in der Nähe des Wassers lief. Da hatte es zwischen  4-6 Grad. Viele im Ziel meinten, es war ihr wohl härtester Marathon. Ich kann es nicht so recht beurteilen: Es war ja mein erster….

Was echt schwer für mich war, waren die letzten drei Tage vor dem Rennen: Ich nahm mir vor, nichts zu machen. Einfach NICHT joggen (ich hab da schon gezittert :-); ist ganz schön seltsam vor so einem Rennen. Andererseits: Anhand eines Schrittzählers stellten wir fest, dass ich beim Sightseeing à la Läufer pro Tag 12-15 km zurücklegte. Das war also auch immerhin etwas…

Zum Rennen:  Es ging alles so zügig. Aber ich konnte vor dem Start irgendwie nichts genießen: die Masse von Läufern, die Angst irgendwie zu versagen, überall die Musik, der Lärm – das ist schon ziemlich viel auf einmal.  Hier in New York wird der Marathon als Show zelebriert: Überall Musik, DJs, das Fernsehen… Eher Medien-Spektakel als wirklich das sportliche. Dazu die ganzen Banner der Sponsoren, also echt übel (USA eben :).

Marathon 1. Teil: Die ersten 10 Kilometer (bzw 6.55 Miles) gingen total schnell rum.  Vom Start in Staten Island hab ich nicht viel gesehen, zu viele Läufer und Zuschauer. Aber es lief gut. Auch im zweiten Viertel entlang der verschiedenen Districts bis Meile 13 war ich gut unterwegs und konnte meinen anvisierten Schnitt halten. Die Strecke war echt heavy. Viel auf und ab, Wechsel des Untergrunds, uneben, Löcher… Aber das verdrängt man:).

Marathon 2. Teil: Im zweiten Rennabschnitt kam dieses Runner’s High in mir auf und es lief einfach klasse… Ich weiß es nicht mehr so ganz genau: Aber bei Meile 19.5 (3/4 des Marathons) war ich bei ca. 2 Stunden und 8 Minuten und somit total im Plan. Und das letzte Viertel in Manhattan entlang von Upper east Site ist flach und im Stadtzentrum! Da waren die ganzen Zuschauer, was natürlich abartig war. Dieser Mix mit der Musik, den Läufern und alles Drumherum: Einfach nur  wow… Allein das mitzunehmen, war es mir wert:). Wobei ich zugeben muss, dass auf den letzten 7-8 Kilometern, als ich nochmal Gas geben wollte, der Mann mit dem Hammer kam… Und das ausgerechnet im Central Park (recht uneben) bei all den Zuschauern. Da habe ich natürlich gemerkt, dass mir die Erfahrung fehlt… Dass die Oberschenkel komplett übersäuern und man am Ende ist, ist klar. Aber dann kommt das Entscheidende: Da steuert der Kopf, der Wille. Die letzten 5,6 km im Park waren wohl das Geilste, was ich bisher gelaufen bin…

Ernährung: Ich hatte während des Laufs nichts festes zu mir genommen, da ich mich mit diesen Gels, Riegeln, etc nicht auskenne. Ich wusste nicht, wie mein Körper reagiert, daher hab ich mir dieses Gel, was ich vorher geübt habe, ins Wasser getan. Das war ein echter Power-Schub. (Ich muss dazu sagen, die Verpflegung allgemein war sehr gut. Bei einem erneuten Marathon werde ich da wohl öfter zugreifen. Beim ersten Mal fehlte einfach die Erfahrung…:)

Zieleinlauf: Nichtsdestotrotz hab ich alles gegeben, bin körperlich ans Maximum gegangen und hab mich bis ins Ziel zerfetzt:).  Getragen von dieser unglaublichen Kulisse war ich sowas von erleichtert, als ich die Linie überquerte. Unglaublich,  vom Feeling her… Das muss man erlebt haben!  Fremde Leute umarmen sich, kommen auf einen zu, schreien ihre Freude raus, die Menschen klatschen einen ab, bespritzen dich mit Wasser. Gänsehaut pur!  Nach dem Lauf kamen in dem speziellen Family-Réunion-Bereich lauter Leute und sagten nur „Good Job“. Das sagt hier  jeder zu jedem:). Am Ende hatte ich mein Ziel, unter drei Stunden zu bleiben, in 2:56:12 Stunden deutlich erreicht.  Ich bin noch immer einfach nur happy, obwohl ich in der starken zweiten Wave einer der langsameren war 🙂

Mein Fazit: Ganz, ganz viel macht diese Stadt aus. Die Strecke selbst ist echt krass, extrem tricky, wie die Amis sagen, aber diese Flut an Menschen, alles Drum-Herum, das peitscht dich. Nur eines habe ich bedauert: Als gläubiger orthodoxer Christ wollte ich eigentlich mit einer aramäischen und einer deutschen Flagge oder einer entsprechenden Botschaft auf dem T-Shirt ins Ziel laufen, doch solche Botschaften sind dort verboten. Ich hätte diese Chance gerne genutzt, um vor Millionen von Menschen zu zeigen, dass die Verfolgung von Christen das Allerletzte ist. Egal, wo auf der Welt. Das Laufen und das Spektakel ist das eine. Aber gerade wir Läufer dürfen deshalb nicht vergessen, was anderswo passiert.

Fade out:  Die Tage nach dem Marathon habe ich deshalb umso mehr als wunderbar empfunden. Im „melting pott“ New York habe ich mich rundum wohl gefühlt. Beim Besuch eines NBA-Spiels der Knicks oder in den Szene-Vierteln Soho und Meatpacking District hab ich echt lässige Leute kennengelernt. New York ist wirklich die Stadt, die immer wach ist und einen immer wach hält 🙂 Wenngleich mit aufgefallen ist, dass New York vom Lebensstandard her eine arme Stadt ist (das habe ich auch  in etlichen Gesprächen mit jungen Leuten erfahren). Und dass hier sehr oft der Schein trügt…

Nach diesen vielfältigen und spannenden Einblicken und Erfahrungen freue ich mich jetzt umso mehr auf meine Rückkehr nach Deutschland zu meiner Familie und meinen Freunden.

Keep on running! Euer Stephan Isik

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