Richard Ringer: Aufstieg der Renn-Rakete

Richard Ringer
Nicht zu stoppen: Richard Ringer hat eine Top-Saison hinter sich. Foto: privat

Die Schlagzeile brachte es auf den Punkt: Als “Renn-Rakete” wurde Richard Ringer von der Allgäuer Zeitung bezeichnet, als er 2010 den Silvesterlauf in Kempten mit neuer Rekordzeit gewann. Und tatsächlich: Die “Renn-Rakete” steigt seither immer weiter auf am Leichtathletik-Firmament. In dieser Saison wurde der  25-Jährige vom VfB LC Friedrichshafen Team-Europameister über 3000 Meter und EM-Vierter über 5000 Meter. Zudem ist er amtierender deutscher Meister über 5000 und 10 000 Meter. Allgäu Ausdauer hat mit ihm über Tempohärte, Training und Ziele gesprochen.

Richard Ringer
2010 gewann Ringer den Silvesterlauf in Kempten. Foto: Hermann Ernst

Rückblende: Beim Silvesterlauf 2010 in Kempten staunten viele erfahrene Läufer, als ein junger Blondschopf namens Richard Ringer an ihnen vorbeisauste. In 31:18 Minuten lief der damals 21-Jährige eine neue und seither gültige Rekordzeit bei dem Traditionslauf mit 1000 Teilnehmern an der Iller. “Da kann ich mich noch gut daran erinnern. Das ist ein schöner Lauf mit drei Runden und ausreichend Platz zum Überholen”, blickt Ringer mit einem Schmunzeln zurück.

Mittlerweile hat der studierte Betriebswirt, der in Teilzeit arbeitet, längst auch auf der großen Leichtathletik-Bühne für Furore gesorgt. 2014 war sein bislang erfolgreichstes Jahr.

Er wurde nicht nur Team-Europameister über 3000 Meter, sondern glänzte bei der Europameisterschaft in Zürich bei seinem EM-Debüt über 5000 m mit einem ausgezeichneten vierten Platz – und war dabei schneller als der EM-Zweite von 2012, Arne Gabius (33), der Siebter wurde. Seine persönliche Bestzeit über diese Distanz schraubte Ringer wenig später in Berlin auf 13:25.24 Minuten, was Altmeister Dieter Baumann in der Zeitschrift Runner’s World als “sensationelle” Zeit bezeichnet. Auch über 10 000 Meter stellte Ringer heuer mit seinem Sieg bei der deutschen Meisterschaft eine neue persönliche Bestzeit auf: 28:28.96 Minuten!

Richard RingerSpeziell über 5000 m gilt Ringer natürlich als heißer Kandidat für die Teilnahme an der WM 2015 in Peking. “Ich denke, die Quali-Zeit wird  im Bereich von 13:15 bis 13:18 liegen. Das kann ich schaffen”, sagt Ringer, der sich zudem Hoffnungen auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro macht. Vorausgesetzt, seine Formkurve zeigt weiter nach oben und er verletzt sich nicht.

Sein Trainingspensum umfasst derzeit 100 bis 170 Kilometer pro Woche. Im Herbst läuft der Bahnspezialist schon mal im Park, beispielsweise 4×3 Kilometer mit hohem Tempo, oder er absolviert lange Läufe bis zu 25 Kilometer. Viel hält er von Crossläufen, bei denen er auch wettkampfmäßig in Europa zu den besten gehört. “Crosslaufen ist sehr gut für die Kraftverhältnisse in den Beinen und Oberschenkeln”, sagt er über die Läufe auf unebenem Untergrund.

Als Alternative zum Laufen baut er in seine zehn Einheiten pro Woche auch ein bis zwei Einheiten Schwimmen ein. “Das hilft bei der Regeneration und stärkt den Körper insgesamt”, sagt Ringer, der seinen starken Antritt selbstverständlich auch bei Intervall-Einheiten schult. Dann läuft er beispielsweise 25 Mal 400 Meter in jeweils 1:06 Minute! Dazwischen gönnt ihm Erfolgstrainer Eckhardt Sperlich nur  40 Sekunden Pause, ehe die nächste Runde gestartet wird.

Ringer ist vor elf Jahren zur Leichtathletik gekommen und hat sich Schritt für Schritt an die Umfänge und das Tempo gewöhnt. Sein großes Ziel ist eine Medaille bei der Europameisterschaft 2016 in Amsterdam über 5000 m. Auf dieser Strecke sieht er derzeit die größten Chancen, um sich international durchzusetzen.

Doch vielleicht lockt ihn eines Tages auch der Marathon. Was bei diesem Wechsel herauskommen kann, hat Arne Gabius vor Kurzem in Frankurt bewiesen. Gleich bei seinem ersten Marathon lief der frühere 5000-m-Spitzenmann in 2:09:32 Stunden die viertschnellste Zeit in der ewigen DLV-Bestenliste über 42,195 Kilometer.

Ob solche Glanzleistungen auf den prestigeträchtigen langen Strecken auch von Richard Ringer dereinst erzielt werden? Die Chancen stehen gut. Seine Halbmarathon-Zeit hat er jedenfalls schon mal hochgerechnet. “Wenn ich ein paar Monate darauf trainieren würde, müsste ich so bei 1:03 Stunden rauskommen.”

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