In diesem Bad passierte außergewöhnliches…

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Nein, eine Schönheit ist es nicht: Das Hallenbad von Spremberg bei Cottbus versprüht schon eher den Charme von (N)Ostalgie pur. Immerhin: Es hat gut sichtbare Kacheln zum Zählen 🙂 Umso erstaunlicher, was sich hier mit Allgäuer Beteiligung ereignete.

Zum zweiten Mal fand in Spremberg das 48-h-Volksbank-Schwimmen statt. Und mittendrin schwamm ein „Kilometer-Tierchen“ namens Sigrid Thomas. „Ich habe Bahnen gesammelt wie ein Eichhörnchen Nüsse“, sagt die 48-Jährige vom TV Immenstadt. Die Aussage ist keine Übertreibung. Denn die selbst ernannte Sigimaus legte 68,9 Kilometer zurück!

Damit belegte sie Platz drei hinter der dänischen Extremschwimmerin Grith Sigsgaard (100,1 Kilometer) und der Berlinerin Annika Hiller-Lange (70,1 Kilometer). In ihrer Altersklasse holte Sigrid Thomas unangefochten Platz eins – und zwar mit über 28 Kilometern Vorsprung.

Doch wie hält man so lange durch – noch dazu in einer solchen, sagen wir: nicht besonders einladenden, Umgebung?

Langstreckenschwimmen in SprembergSigrid Thomas liefert darauf die passende Antwort: „Da kam einfach mein Ausdauer-Denken-Durchhalten-Kopf raus!“ Mit anderen Worten: Wenn schon, denn schon…

Vorgenommen hatte sie sich 50 Kilometer – und dachte dabei an den Allgäuer Bodensee-Abenteurer Hamza Bakircioglu aus Sonthofen: „Der ist schon über 50 Kilometer in 24 Stunden geschwommen. Wenngleich ich keine Ahnung habe, wie er das macht….“

Zum Vergleich: Nach 24 Stunden hatte die Langstrecken-Spezialistin 33,3 Kilometer abgespult. „A bisserl wenig“, dachte sie sich und ließ am zweiten Tag mehr als doppelt so viele Kilometer folgen!

Für Pausen und kurze Nickerchen zog sie sich ins eigene Auto – ausgestattet mit Matratze, Schlafsack und Decken –  zurück. Zum Proviant gehörten (ohne Anspruch auf die exakte Reihenfolge :)) Weintrauben, Nutellabrötchen, Pellkartoffeln, ein gekochtes Ei, Tomaten, salzige Chashewnüsse sowie Tee und Kaffee. Dank dieser Verpflegung und vor allem dank einer klugen Aufteilung bewies Sigrid Thomas langen Atem.

Im Vergleich zu den Top-Schwimmern sei sie am Anfang zwar regelrecht „dahingetümpelt“. Doch schon bald habe sich gezeigt, „dass die meisten schnellen Schwimmer auch viel öfter Pause machten oder machen mussten.“ Wenngleich das nicht für alle galt. Weltmeisterin Grit Sigsgaard sei beispielsweise absolut faszinierend geschwommen. „Bei diesem Tempo und diesem Stil kam ich mir stellenweise fehl am Platz vor“, bekennt Thomas, die von der Atmosphäre der Veranstaltung noch immer begeistert ist. Über Lautsprecher wurde sie immer wieder als „Sigimaus“ angefeuert – diese ganz persönliche Welle der Begeisterung half ihr, über sich hinaus zu wachsen. Zug für Zug, Meter für Meter, Bahn für Bahn…

Als sie endlich nach sage und schreib 68,9 Kilometern aus dem Becken stieg, wurde sie gefragt, wie sie sich fühlt. Die spontane Antwort: „So alt wie ich bin!“ Den Applaus hatte sie auf ihrer Seite – und auch die staunenden Blicke. Denn ihre Motivation für den extremen Bahnen-Ritt fasst sie in einem Satz zusammen: „Ich wollte mal wieder nur meinen Hunger nach einem neuen Event stillen…“

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