High Noon für Heidrun

Heidrun Besler, Herbstlauf KLeinwalsertal

 

 

 

Es könnte ihr großer Tag werden. Heidrun Besler vom Ausdauer Team  Oberallgäu will beim Frankfurt Marathon am Wochenende noch einmal alle Kräfte bündeln und unter drei Stunden laufen. Mit 58 Jahren! “Ich hoffe, dass ich mich das Rennen diesmal besser einteile”, sagt Heidrun im Gespräch mit Allgäu Ausdauer. Die Fischingerin will den deutschen Altersklassen-Rekord unterbieten – und aus ihren Fehlern beim Einstein Marathon in Ulm lernen.      

Eines steht schon vor dem Frankfurt Marathon fest: Heidrun Besler gehört zu den erstaunlichsten Ausdauersportlerinnen im Allgäu und darüber hinaus. Die Servicekraft in einem Hotel in Fischen hat erst mit 50 Jahren mit dem Laufen begonnen und sich seitdem schier unglaublich gesteigert. Kaum auszudenken, wie ihre Karriere wohl verlaufen wäre, wenn sie bereits in jungen Jahren Ausdauersport betrieben hätte….

Vor wenigen Wochen knackte sie beim Einstein Marathon in Ulm den Rekord in ihrer Altersklasse. In 3:00:43 Stunden über 42,195 Kilometer war sie 13 Sekunden schneller als die bisherige Rekordinhaberin in der AK 55, Hildegard Pfeiffer von der LG Riedstadt, die die Bestmarke 1999 in Berlin aufgestellt hatte. Noch steht zwar deren Bestzeit in der Statistik des Deutschen Leichtathletik Verbandes, doch es ist nur eine Frage der Zeit bis Heidrun Beslers Ulm-Ergebnis dort als Nummer eins gelistet wird.

Oder aber sie unterbietet am Wochenende die Bestzeit in der Altersklasse erneut!

“Mein Traum ist es, unter drei Stunden zu bleiben. Aber ich weiß, dass dazu natürlich alles passen muss. Das kann man nicht planen”, sagt Heidrun. In jedem Fall will sie ihr Rennen besser einteilen als in Ulm. Dort sei sie zu ungestüm losgerannt. “Meine Zeit zur Hälfte des Rennens betrug 1:24 Stunden! Zwei Minuten schneller, als ich jemals einen Halbmarathon gelaufen bin. Und das im Marathon! Da habe ich mich völlig überschätzt und bin in der zweiten Rennhälfte ab Kilometer 32 richtig eingebrochen”, erzählt sie ohne Umschweife. Diesmal soll es besser werden. Ihr Förderer Axel Reusch hat sie eigens mit einer Uhr samt großer Zifferanzeige ausgestattet. Somit kann die Brillenträgerin, die im Rennen aber auf die Sehhilfe verzichtet, ihr Tempo besser kontrollieren.

“Heidrun ist wirklich ein Phänomen. Ich denke, sie hat ihren Zenit noch nicht erreicht. Denn sie läuft ja erst seit ein paar Jahren”, sagt Axel Reusch. Ihn beeindruckt nicht nur das Tempo, sondern auch Heidruns Fähigkeit, sich schnell zu regenerieren. Auch wenn sie auf klassisches Trainingspläne verzichtet, steckt sie voller Tatendrang und auch voller Ehrgeiz, wenngleich sie diesen nicht nach außen trägt und die Ellenbogen ausfährt, wie übermotivierte andere AK-Athleten das ja gelegentlich gerne mal tun…

Besonders motivierte sie heuer, dass sie nach mehreren Monaten mit Problemen mit der Bandscheibe wieder mit dem Laufen und dem Wettkampfsport anfangen konnte.  “Zum Glück habe ich mich davon wieder erholt. Ich genieße das Laufen noch mehr und spüre: Jetzt ist meine Zeit. Wer weiß schon, was in zwei Jahren ist”, sagt Heidrun Besler vor ihrem ganz persönlichen Showdown 2014 in Frankfurt.

Wir drücken die Daumen!