Erik Hanold und seine Schwimmvision

Erik Hanold
Wasser ist sein Element: Erik Hanold. Fotomontage: Beckmann/Schuhwerk

Jeder, der schon mal das Cambomare in Kempten besucht hat, kennt ihn: Erik Hanold ist der Mann vom Beckenrand. Seit acht Jahren ist  der gebürtige Sachse Trainer beim TV Kempten 1856 und hat dabei erstaunliches auf die Beine gestellt. Doch der 45-Jährige sieht sich noch lange nicht am Ende. Er will Sportklassen an Schulen in Kempten etalblieren. Das Ganze sieht er als Langzeit-Projekt. Die ersten Gespräche laufen bereits. Erik freut sich über jede Idee und Mithilfe. Im Interview umreißt er den aktuellen Stand der Dinge. Die Langfassung des Interviews erschien am 20. September in der AZ.

Was verlangst Du von Talenten?
Hanold: Dass sie selbst denken und Verantwortung übernehmen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Nicht nur im Sport.
 
Du bist seit acht Jahren beim TV Kempten. Worauf bist Du stolz?
Hanold: Darüber denke ich nicht nach. Ich gucke nur nach vorne – und da sehe ich viele Möglichkeiten. Wer zurückschaut, verliert die Ziele vor sich aus den Augen.

Du hast zuletzt immerhin Talente wie Niklas Martin, Lucas Willinsky und Vanessa Geist zur bayerischen Spitze geformt und mit ihnen die Qualifikation zur „Deutschen“ geschafft.
Hanold: Das sehe ich als normale Aufgabe eines Trainers. Ich denke, wir könnten viel mehr erreichen. Denn sie haben ihre Erfolge mit relativ wenig Training erzielt. Wir haben nur sechs Einheiten pro Woche. Klingt viel, ist aber im Vergleich zu den Stützpunkten wenig. Da wird bis zu zwölf Mal geschwommen – immer auf der 50-Meter-Bahn, im Winter in der Halle.

Eine 50-m-Bahn in der Halle wird’s in Kempten wohl nie geben…
Hanold: Uns wäre schon geholfen, wenn Schule und Sport besser verzahnt werden – und bei Top-Sportlern zum Beispiel Rücksicht auf große Wettkämpfe genommen wird.
Sie haben Sportklassen an Kemptener Schulen ins Spiel gebracht…
Hanold: Richtig. Es laufen seit einigen Monaten sehr gute Gespräche mit den Vertretern von Sportamt, Vereinen und Schulen. Wir fangen ganz klein an. Zum Beispiel an einigen Grundschulen. Dort könnte für sportbegeisterte Klassen – vielleicht schon in diesem Schuljahr – eine Stunde mehr Sport von einem Vereinstrainer angeboten werden. Mir geht’s darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Sport positiv gesehen wird. Ich denke, da kann sich in Kempten in den nächsten fünf bis zehn Jahren einiges entwickeln.

Viele Eltern stehen Leistungssport skeptisch gegenüber. Sie befürchten schlechte Schulnoten.
Hanold: Die Kinder können mehr als wir ihnen zutrauen. Leicht ist doch langweilig! Ich bin der Meinung, dass sich Anstrengung immer lohnt. Das Gehirn funktioniert am besten in Bewegung. Ich habe mir früher beim Schwimmen Rechenaufgaben gestellt oder Geschichten ausgedacht. Oder ich habe das Training genutzt, um mental abzuschalten – auch das kann sehr hilfreich sein.

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