Alpentraum-Finisherin Barbara: „Eine geniale Tour“

Endura Alpentraum

Vor Kurzem haben wir in der AZ über ein besonderes Sportgespann berichtet: Barbara Philipp und ihre Tochter Katharina sowie deren Freund Manfred Bechteler haben schon etliche Wettkämpfe erfolgreich bestritten. Barbara und Katharina, die wir bei einem unserer Schwimmseminare kennenlernten, haben beispielsweise die zehn Kilometer beim Rottachseeschwimmen gemeistert. Jetzt wartete eine neue Herausforderung: Barbara und Manfred traten beim ENDURA Alpen-Traum über die Langdistanz von Sonthofen nach Sulden an. 252 Kilometer und  6078 Höhenmeter standen auf dem Programm. Barbara (48) beschreibt, wie sie diese extreme Herausforderung gemeistert hat.

Zur Strecke allgemein: Nur rund zehn Kilometer nach dem Start in Sonthofen im Allgäu führt die Strecke gleich bergauf – auf den Oberjochpass (1155 Meter). Von dort verläuft die Route weiter auf einem Hochplateau, dem Tannheimer Tal, ehe eine kurze Abfahrt vom Gaichtpass die Teilnehmer ins Lechtal bringt. Nach einer kurzen Flachpassage am Lech entlang wird es erstmals richtig steil. Rampen mit bis zu 15 Prozent Steigung müssen bei der Auffahrt zum Hahntennjoch (1903 Meter) bewältigt werden. Nach einer rasenden Abfahrt ins Inntal kann kurz „Luft geholt“ werden, ehe mit der Pillerhöhe (1559 Meter) und Reschenpass (1507 Meter) die nächsten moderaten Anstiege erklommen werden müssen. Nach knapp 200 Kilometern folgt der Höhepunkt des Events: der Anstieg zum Stilfser Joch (2757 Meter), einem der höchsten Pässe Europas, in dessen Verlauf der Umbrail bezwungen werden muss. Nach der Abfahrt ins Vinschgau beginnt das Finale: der Schlussanstieg ins Ziel nach Sulden am Ortler (1900 Meter).

Mein persönliches Feedback:  Start um 6:30 in Sonthofen, es regnet in Strömen! Meine Freundin und Sportkollegin Bernie steht im Regen im Oberjoch und schickt uns mit den besten Wünschen los! Bis zum Haldensee ein recht verhaltenes Rennen. Es regnet von oben und irgendwie auch von unten – und der Vordermann spritzt Dir  Wasser ins Gesicht und auf Brille. Höchste Konzentration ist gefragt.

Einen Blick auf den Tacho gibt es nicht, seh sowieso nichts! Mein Mann hat mir extra noch eine Marschtabelle ausgerechnet, wann ich wo sein muss, damit ich um 15:30 Uhr das Zeitlimit in Latsch noch erreiche, um meinen Traum, einmal den Umbrail zu fahren, verwirklichen kann!  Kurze Pause bei der ersten Verpflegung (Elmen Abzw. Hahnetennjoch). Die Zeit stimmt! Schnell Getränke aufgefüllt, ein Marmeladenbrot gegessen und rauf geht´s in der Hoffnung, dass nun endlich die Zehen wieder spürbar werden!  Weit gefehlt: Auf der Abfahrt nach Imst nur gefroren und gebibbert vor Kälte…

Dann die zweite Verpflegung in Imst! Das Wetter – trocken! Die Regenhose bleibt aber noch an! Wieder Flaschen aufgefüllt, tolle Stimmung! Zeitplan passt. Also weiter. Ab Landeck nun tolles Wetter, Regenhose und Jacke aus und rauf auf die Pillerhöhe. Inzwischen wurde ich mit meinem Triathlon-Rennrad mehrfach bemerkt. Irgendwann hab ich einen weiteren Exoten bemerkt  – einen Mountainbike-Fahrer! Jipii, ich bin nicht alleine! In Nauders wird mir klar, dass ich Latsch im gegebenen Zeitfenster erreichen werde. Wenn ich das schaffe, schaffe ich auch den Rest. Eine Dreier-Gruppe Jungs nimmt mich von Nauders bis zur Kontrollstelle Laatsch im Schlepptau!

DANKE, Jungs!

Inzwischen haben schon viele an den Verpflegungsstationen auf die mit dem Triathlon-Rad gewartet :-). Dann um 15 Uhr ENDLICH Latsch. Kurzer Freudenschrei und mit neuer Motivation gehts an die restlichen 60 km und die verbleibenden 2400 Höhenmeter. Egal, wie lange ich brauche!  Nach 11 Std. denke ich mir, so Barbara, jetzt hast Du Deine Ironman-Zeit überschritten und bist noch immer bei Deiner Lieblingsbeschäftigung, Deinem Sport! Ich freue mich, endlich den legendären Umbrail zu fahren und bin noch glücklicher, als ich die 48 Kehren nach Gomagoi vor meinen Augen sehe! Was für ein Ausblick, ein Traumwetter, eine wahnsinnige Idee und eine gigantische Leistung.

Ich kann das Ziel schon förmlich spüren, auch wenn die letzten 600 Höhenmeter nach Sulden WIRKLICH hart sind! Und dann: Ich habs geschafft! Wir haben es geschafft! Alle nehmen mich im Ziel glücklich in die Arme und ich kann es immer noch nicht glauben ……….252 km und 6078 Höhenmeter! 13:05 Std. !
Was für ein schöner Saisonsabschluß!  Das galt für Manfred: Er belegte in  11:20:28 Stunden Platz 64 bei den Männern.

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