Gebirgsmarathon Immenstadt: Ein Trailrun erster Stunde?

Willi Hiemer
Genießt Kultstatus bei den Allgäuer Läufern: Willi Hiemer. Foto: Gitti Schiebel

Von Gitti Schiebel

Willi Hiemer (75) ist ein Trendsetter. Lange bevor der Begriff „Trailrun“ in aller Munde war, kam er auf die Idee, einen Laufwettkampf zu veranstalten der genau das beinhaltet, was (heutige) „Trailrunner“ erwarten: eine tolle Landschaft, anspruchsvolle Wege, ein herausforderndes Streckenprofil.

Bei der Premierenveranstaltung des Immenstädter Gebirgsmarathons vor 25 Jahren starteten etwa zehn Teilnehmer von Immenstadt bis zum Hochgrat, um am nächsten Tag über das Ehrenschwanger Tal zurück zum Ziel am Naturfreundehaus am Gschwender Horn zu laufen. Die Idee dazu hatten Willi und sein Freund Hans-Peter Refle (langjähriger Veranstalter des Illermarathons) bei einem gemeinsamen Trainingslauf. Aus dem zweitägigen Wettkampf wurde eine Tagesveranstaltung, aus den anfangs zehn Teilnehmern wurden in der Spitze 153 Finisher (2008).

Spätestens wenn Willi Hiemer in aller Herrgottsfrüh mit seinem legendären Megaphon die ankommenden Autos in die Parkplätze einweist, kann es bis zum Start nicht mehr lange dauern. Die Tage zuvor hat er schon die Streckenmarkierung angebracht. Mehr als 4-5 Hinweisschilder auf der gesamten Länge sind allerdings nicht zu erwarten. Im Grunde ist der Verlauf ja auch ziemlich einfach. Wenn man mal am Grat der Nagelfluhkette angekommen ist, geht es auf diesem weiter bis zur Gipfelstation der Hochgratbahn und auf dem gleichen Weg wieder zurück. Das Ziel ist seit einigen Jahren auf dem Mittaggipfel. Selbstverständlich lässt es sich Willi nicht nehmen, dort oben jeden einzelnen Läufer mit einer Ansage durchs Megaphon zu begrüßen.

Auf das Konto von Willi gehen mehrere Allgäuer Laufveranstaltungen. Oder wie er sagt: „Ich bin der, der im Allgäu die Läufe erfunden hat.“ Er initiierte neben dem Gebirgsmarathon auch den Niedersonthofener Seelauf (1989!), den Naturfreundehauslauf, den Frühjahrsberglauf auf den Mittag und die mittlerweile nicht mehr bestehenden Läufe wie den zum Berggasthof Almagmach oder auch einen Berglauf in Obermaiselstein.

Willi Hiemer war selbst natürlich auch ein begeisterter und erfolgreicher Läufer. Seine Halbmarathon-Bestzeit liegt bei 1:11 Std., beim Marathon war er „nicht ganz so gut“, aber immerhin steht eine 2:48 Std. An Klassikern wie dem 100er in Biel oder dem Rennsteiglauf hat er auch teilgenommen. Willi war ein Trainingstier und hat immer andere motiviert. Bei gemeinsamen Trainingsläufen wurde die Strecke vom Gebirgsmarathon gern auch mal bis zum Hochhädrich verlängert. Mittlerweile ist Willi 75 Jahre und hat eine künstliche Hüfte. Laufen kann er schon lange nicht mehr, aber als Betreuer war er auch die letzten Jahre noch aktiv dabei. Beim traditionellen Karfreitagslauf (dem „Long Jog“ von Oberstdorf nach Kempten) war er über viele Jahre mobile Verpflegungsstation und hat die Läufer mit Getränken versorgt und den Gepäcktransport übernommen.

Die Organisation des Gebirgsmarathons liegt heute weitgehend in den Händen von Willis Neffen Oliver Hiemer. Ihn hatte Willi übrigens zum Laufen gebracht und auch trainiert. Olis Erfolge können sich ebenfalls sehen lassen: Auf der nicht besonders schnellen Strecke des Illermarathons liegt seine Bestzeit bei 2:42 Std. Die Zukunft des Gebirgsmarathons scheint organisatorisch somit gesichert. Die Teilnehmerzahlen sind dank des aktuellen Trends „Trailrunning“ sowieso ansteigend.

Mit den großen Trailrunning-Events ist die Veranstaltung aber nicht vergleichbar. Wer so etwas sucht, ist fehl am Platz. Es gibt keine Pflichtausrüstung, kein Finishershirt und keinen Liveticker. Das macht aber nichts: „Es ist immer noch der Immenstädter Gebirgsmarathon und kein Trailrun“, so Manuel Heller, Sieger der Ausgabe 2013 und 2014.

Für Willi ist das alles ohnehin nicht wichtig. Er wollte sicher keinen Trend setzen, sondern einfach seine Begeisterung teilen und einen schönen Lauf von Läufern für Läufer durchführen. Und das ist ihm gelungen, soviel steht fest.

2 Gedanken zu „Gebirgsmarathon Immenstadt: Ein Trailrun erster Stunde?“

  1. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Der Gebirgsmarathon ist einfach immer wieder ein klasse Event, bei dem man gerne teilnimmt 🙂

  2. Ganz toller Bericht und Respekt an den Willi für sein „Durchhaltevermögen“ als Organisator. So ein Lauf darf einfach nicht sterben . . .

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