Erst Regenschlacht, dann Sonnenschein: Julia Gajer gewinnt Allgäu-Triathlon

Julia Gajer fuhr auf und davon - angefeuert von den vielen Zuschauern entlang der Strecke. Foto: Hermann Ernst
Julia Gajer fuhr auf und davon – angefeuert von den vielen Zuschauern entlang der Strecke. Foto: Hermann Ernst

Überraschung beim 32. Allgäu-Triathlon in Immenstadt: Mit Julia Gajer aus Ditzingen gewann zum insgesamt vierten Mal eine Frau beim Jagdstart-Rennen über die halbe Ironman-Distanz über 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen. Die deutsche Meisterin über die Langdistanz war mit dem Damenfeld 37 Minuten vor den Männern gestartet – und hielt die Männer auf Distanz! Die 32-Jährige machte ein einsames Rennen, ehe sie nach 4:47:07 Stunden das Ziel erreichte und sich über 4000 Euro Siegprämie freute. „Das war eine phantastische Veranstaltung. Unglaublich, dass ich als erste ins Ziel kam“, sagte die Gewinnerin.

Schnellster Mann war Vize-Europameister Maurice Clavel (AST Süßen, 4:20:48). „Ich habe auf der zweiten Runde den Gashahn aufgedreht“, sagte der 26-Jährige, der den ehemaligen Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan (4:24:48) hinter sich ließ. Dritter wurde Lukas Krämer aus Schongau (4:27.04), der auf den letzten Metern noch Lokalmatador Dominik Berger aus dem Kleinwalsertal von den Podesträngen verdrängte. Die Siege über die olympische Distanz holten sich Ricarda Gümmer (Ulm, 2:38:16) und Nils Daimer (Team Roter Löwe, 2:16:50).

Auch über einige regionale Erfolge freuten sich die Veranstalter um OK-Chef Hannes Blaschke und die 500 Helfer. Aus regionaler Sicht gab es einige bemerkenswerte Erfolge. Die gebürtige Kemptenerin Tamara Hitz (MRRC München, 5:29:10) war zweitschnellste Frau beim Allgäu-Classic vor Alexandra Hagspiel (TV Immenstadt, 5:33:06).

Beim Allgäu-Olymp belegte die gebürtige Marktoberdorferin Laura Zimmermann (SV Würzburg 05, 2:44:53) Patz zwei.

Die 1000 Teilnehmer erlebten ein Wechselbad der Gefühle, das einige vorzeitig beendeten. Bei Regen und einer Außentemperatur von nur neun Grad begann der Wettkampf im 16,6 Grad kalten Alpsee. Es wurde gebibbert und gefroren. Vor allem auch beim anschließenden Radfahren. „Es war schwierig bei diesen Temperaturen“, brachte es Faris Al-Sultan auf den Punkt. Erst auf der Laufstrecke ließ sich die Sonne nach und nach blicken. „Das war fast ein Sonnenbad – und das war auch nötig. Ich habe meine Füße wegen der Kälte nicht mehr gespürt“, beschrieb Siegerin Gajer die Tortur.

Auch der Allgäuer Profi Christian Brader war fix und fertig: „Es war einfach brutal. Ich habe mir überlegt aus dem Rennen auszusteigen. Aber dann habe ich mir auf der Radstrecke ein Regencape geschnappt und doch noch durchgehalten“, sagte der Memminger, der auf Platz elf landete. Während die besten Männer teils mit nur kleinem Abstand unterwegs waren, machte Julia Gajer an der Spitze ein einsames Rennen: „Ich war die ganze Zeit allein unterwegs. Die Männer konnten sich wenigstens gegenseitig puschen“, sagte sie. Auf der zweiten Laufrunde konnte sie immerhin den aufrückenden Maurice Clavel sehen, der sie jedoch nicht mehr einholen konnte. Dafür enteilte er Faris Al-Sultan: „Da ging bei mir nichts mehr“, bekannte der 36-Jährige später.

Dagegen hatte ein weiterer Promi seine helle Freude beim Allgäu-Triathlon: Ex-Radprofi Jan Ullrich heizte im Staffel-Wettbewerb über die Olympische Distanz den gefürchteten Kalvarienberg (16 Prozent Steigung) nach oben. „Es hat Spaß gemacht. Vor allem aber ging es um die gute Sache“, sagte der 40-Jährige. Mit Ski-Ass Frank Wörndl und dem früheren Fußball-Profi Uwe Wegmann sammelte der einstige Tour de France-Sieger Spenden für die Kinderbrücke Allgäu. Auch Ex-Weltmeister Daniel Unger startete in einer Staffel.

Nach einem kühlen Auftakt freuten sich die Finisher umso mehr über eine Zielankunft im Sonnenschein. Damit wurde der Allgäu-Triathlon seinem Motto gerecht. Als „celebration of life“ hatte ihn Hannes Blaschke angekündigt.

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