Gitti beim Eiger Ultra Trail: “Über Wettkämpfe schreiben ist schön, selber mitmachen noch viel schöner”

Gitti Schiebel Bild Veranstalter
Gitti Schiebel gelang ein starkes Comeback Eiger Ultra Trail. Foto: Veranstalter

Egal ob für die Allgäuer Zeitung oder für Allgäu AusdauerGitti Schiebel schreibt ebenso fleißig wie fachkundig – am liebsten natürlich über Ausdauersport. Doch noch schöner als das Schreiben war für sie, nach einer Verletzung endlich selbst wieder an einem Wettkampf teilzunehmen. Und wie! Sie belegte Platz drei beim Panorama Trail im Rahmen des Eiger Ultra Trail.  Im Ziel nach 51 Kilometern war sie einfach nur glücklich – und konnte mit weiteren bärenstarken Allgäuern feiern. Hier geht’s zu ihrem persönlichen Bericht:

Seit Anfang Januar plagen mich Schmerzen in der Achillessehne. Kontinuierliches Training und längere Laufeinheiten in den Bergen waren über viele Monate nicht möglich. Wenn (gefühlt) alle um einen herum ständig auf irgendwelchen tollen Rennen unterwegs sind, macht das die Sache nicht besser. Ich wollte auch wieder einen Wettkampf machen!

Kurzfristig bekam ich einen Startplatz für den Eiger Ultra Trail. Berner Oberland mit Eiger, Mönch und Jungfrau – das klang sehr verlockend. 51 Kilometer und 3100 Höhenmeter mit lausiger Vorbereitung nicht ganz so sehr. Aber gut, zur Not wird halt gewandert.

Die Wetteraussichten waren super, die Anreise unproblematisch, die Jugendherberge mit Blick auf die Eiger-Nordwand vollkommen in Ordnung. Großes Hallo beim Abholen der Startunterlagen. Man kennt sich in der Szene. Die Allgäuer sowieso. Am Abend noch die Wettkampfbesprechung mit wichtigen Informationen für den nächsten Tag.

Die Teilnehmer der 101-km-Distanz mussten um 4.30 Uhr an der Startlinie stehen. Meine Freundin und Zimmerpartnerin Ildikó Wermescher zum Beispiel. Aber auch die Allgäuer Simone Philipp, Matthias Dippacher, Stefan Böck, Jörg Schreiber, Bernd Rettensberger und Jox Lang. Besonders bei Simone und „Dippi“ war ich gespannt, wie ihr Rennen verläuft. 101 Kilometer und 6700 Höhenmeter – was für ein Brett!

Goldene Startnummer Bild Gitti SchiebelUnser Wettkampf ging um 7 Uhr los. Eine humane Zeit. Die Bergkulisse war herrlich. Die ersten Sonnenstrahlen erreichten den Eigergipfel, als ich mich auf den Weg zum Start machte. Ein Traumtag war zu erwarten. Ich war zwar nervös, aber ich freute mich unglaublich hier zu sein. Mit unseren goldenen Startnummern (für „Top-Athleten“) ordneten Regine Schlump aus Immenstadt und ich uns relativ weit vorne im Starterfeld ein. Auch Dodo Philipp war neben uns. Aus Grindelwald raus war es zunächst noch weitgehend flach, aber bald begann der Anstieg Richtung Große Scheidegg. Schmale Pfade, Waldwege, Wiesen – so mag es ein Trailrunner. Das Schild mit Kilometer 5 passierte ich bei etwa 50 Minuten Lauf- bzw. Wanderzeit. Ich versuchte nicht hochzurechnen, wie lang ich unterwegs sein würde, wenn es in diesem Tempo weitergeht. Aber es waren immerhin schon etwa 700 Höhenmeter geschafft.

Bei Kilometer 14 wurde es auf einmal voll auf der Strecke. Wir liefen auf das Feld der 100er-Starter auf. Sie hatten eine extra Schleife gedreht, die nächsten 30 km hatten wir den gleichen Kurs. Und diese Strecke war grandios, da lässt sich einfach nichts anderes sagen. Auf der 51-km-Runde wurde auf der Bergkette nördlich von Grindelwald mit First, Faulhorn und Schynige Platte gelaufen und nach dem Downhill zum tiefsten Punkt in Burglauenen ging es entlang der Schwarzen Lütschine (so heißt der Fluss) zurück in den Startort. Die 100er-Läufer hingen zusätzlich die Bergkette südlich von Grindelwald dran. Über den Gipfel des Männlichen weiter zur Kleinen Scheidegg und unterhalb der Eiger Nordwand wieder Richtung Grindelwald. Kurz vor Schluss nochmal ein kleiner, aber fieser Anstieg auf die Pfingstegg. Fast 100 Kilometer anspruchsvolles alpines Gelände lagen zu diesem Zeitpunkt hinter den Läufern. Kein Wunder, dass Dippi im Ziel sagte, er ist einfach froh, dass er nicht mehr laufen muss. Er wurde übrigens hervorragender Dritter. In 12 Stunden und 22 Minuten. Beeindruckend! Rund zwei Stunden später kam Ildikó ins Ziel. Als zweite Frau! Simone kam ebenfalls gut durch. Sie wurde Sechste.

Mir hat die Hälfte der Strecke definitiv gereicht. Meine Achillessehne hat die ersten beiden Stunden gemuckt, danach hat sich das aber irgendwie eingelaufen und ich hatte fast keine Probleme mehr. Meine Muskulatur war allerdings nicht darauf vorbereitet, 3100 Höhenmeter bergab zu rennen. Ich musste also ganz schön leiden. Ein dritter Platz in der Damenwertung macht sowas aber natürlich erträglicher. Regine Schlump hat das Rennen in 6 Stunden 38 Minuten gewonnen. Eine super Zeit! Dodo wurde Zweiter bei den Männern. Vier Podestplätze für Allgäuer Teilnehmer!

Zwei Tage später tun mir die Haxen immer noch weh. Ich habe das Gefühl, dass ich in meinem Leben nie wieder Sport machen kann. Ich hatte ganz vergessen, wie das ist. Ein schönes Gefühl!

Die Allgäuer Teilnehmer beim Eiger Ultra Trail:

Allgäuer Teilnehmer Bild Arissara Chaipanyamit
Die Allgäuer Starter beim Eiger Ultra. Foto: Arrissa Chaipanyamit

E101 – Der Ultra Trail (101 km/6700 hm)
Siegerehrung M.Dippacher3. Dippacher Mathias 1977 D-Oy-Mittelberg Dynafit 12:22.03,3
14. Böck Stefan 1976 D-Untrasried LAUFSPORT SAUKEL 14:39.38,7
70. Schreiber Jörg 1963 D-Kempten 18:14.00,1
82. Lang Johannes 1971 D-Ottobeuren Team www.sportbuck.com 18:29.43,8
83. Rettensberger Bernd 1970 D-Memmingen Team www.sportbuck.com 18:29.44,1
6. Philipp Simone 1971 D-Weitnau Team Mammut 16:57.43,1

Siegerehrung A.Philipp

E51 – Der Panorama Trail (51 km/3100 hm)
2. Philipp Anton 1969 D-Weitnau Team Mammut 5:45.15,9
1. Schlump Regine 1979 D-Immenstadt Team Salomon 6:38.23,4
3. Schiebel Gitti 1976 D-Rettenberg Patagonia Trailrunning Team 7:02.05,8
E16 – Der Genuss Trail (16 km/960 hm)
158. Michel Daniel 1988 D-Unterthingau LAUFSPORT SAUKEL 2:33.12,4
177. Erhart Martin 1981 D-Untrasried REAW REAW 3:01.44,1
68. Rast Katrin 1979 D-Ottobeuren 2:37.49,2
78. Chaipanyamit Arissara 1976 D-Untrasried Reay Reaw 2:44.36,7

6 Gedanken zu „Gitti beim Eiger Ultra Trail: “Über Wettkämpfe schreiben ist schön, selber mitmachen noch viel schöner”“

  1. Toller Bericht Gitti! Dann kannst du jetzt wieder voll durchstarten und man trifft dich nicht mehr so oft in irgendeinem Zielraum…..
    Das Bild von dir ist wirklich erstklassig! Von Strapazen keine Spur!

    1. Danke Ingrid! Das Drumherum (Landschaft, Ausblicke, Wetter, Strecke, Helfer, Organisation…) entschädigt für die Strapazen. War wirklich ein ganz toller Wettkampf. Kann ich nur empfehlen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.