Erst Wut, dann Gänsehaut: Capellaro bei der Kraichgau Challenge

Thomas Capellaro, Triathlon, TV Memmingen,
Genoss den Zieleinlauf: Thomas Capellaro vertrat das Allgäu bei der Kraichgau Challenge erfolgreich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein starker Einstand über die klassische Mitteldistanz gelang Thomas Capellaro, der für den TV Memmingen auch in der zweiten Triathlon-Bundesliga startet, bei der Kraichgau Challenge. Für Allgäu Ausdauer beschreibt er sein packendes Rennen.

Es sollte ein langer Tag werden im sonst eher beschaulichen Bad-Schönborn.
Das wusste ich bereits vor meinem Start. Noch nie hatte ich mich an die klassische Mitteldistanz gewagt. In Zahlen: 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren mit ca. 1000 Höhenmetern und dann noch eine schönen Halbmarathon (21,1 Kilometer) oben drauf.

Die Vorbereitung lief alles andere als optimal. Im Training musste ich das Laufen auf das minimalste begrenzen. Denn seit Februar schleppte ich eine hartnäckige Adduktorenzerrung mit mir herum.

Pünktlich um 9:05 Uhr wurde meine Startgruppe, 5 Minuten nach den Profis, auf die 1,9 Kilometer lange Schwimmstrecke im Hardtsee geschickt. Mein Ziel war eine Zeit um die 30 Minuten. Das sollte laut Trainingsstand doch drin sein?!

Die ersten 200-300 Meter kam es dann zum üblichen Gerangel und Geprügel und der ein oder andere Fuß oder Arm musste hier schon in Kauf genommen werden. Danach hatte sich die Gruppe bereits ihrem Leistungsstand etsprechend sortiert. Ich konnte mich in einer der vorderen Gruppen behaupten und schwamm im Wasserschatten einiger Mitstreiter bis zur ersten Wendeboje. Von hier weg hatte ich meinen Rhythmus gefunden und konnte Platz um Platz gutmachen. Auf dem Weg Richtung Schwimmausstieg konnte ich bestimmt nochmals 5-10 Plätze gutmachen und verließ nach 27:35 Minuten das Wasser. Ich konnte es beim Blick auf die Uhr erst gar nicht glauben.

Schnell schnappte ich mir meinen Wechselbeutel und streifte meinen Neoprenanzug ab.
Ab in Richtung Radständer. Bei ca. 2500 Teilnehmern ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Aber ich hatte mir am Vortag beim Check-In bereits den Platz gut eingeprägt. Ohne Probleme konnte ich meine 90 Kilometer lange Fahrt antreten. Ich hatte mir diesmal vorgenommen, auf dem Rad etwas ruhiger zu beginnen, da die Strecke erst ab Kilometer 15 so richtig wellig werden sollte. Also: Ein wenig Kräfte sparen. Genau diese Taktik sollte sich dann auch auszahlen. Denn ab hier konnte ich Platz um Platz gut machen, bereits bei Kilometer 20 fuhr ich zu den ersten Profi-Damen auf und kämpfte mich Anstieg um Anstieg hinauf. In jeder Ortschaft, die durchfahren wurde, herrschte Partystimmung pur. Das puschte nochmals zusätzlich.

Auch mein neues Zeitfahrrad lief heute optimal. Bei Kilometer 60 ca. fuhr ich erneut auf einen Mitstreiter auf, ich wollte sofort zum Überholmanöver ansetzten, allerdings herschte hier Gegenverkehr von Mitstreitern, die in einer späteren Startgruppe einsortiert waren. Es ging recht eng zu und so musste ich abbremsen und mich hinter meinem Vordermann einsortieren. Tja und wie es der Zufall so will, war der nächste Kampfrichter nicht weit, und zeigte mir ohne lange zu überlegen eine Zeitstrafe an. Okay, lange zu diskutieren bringt hier nichts, also weiter auf den Wettkampf konzentrieren. Mit mächtig Wut im Bauch pedalierte ich die nächsten 10 Kilometer Richtung “Schindelberg” dem letzten Anstieg, und auf dieser Anhöhe bei KM 80 stand ich dann auch meine 4 minütige Zeitstrafe in der “Penalty-Box” ab. Konkurent um Konkurent die ich zuvor eingesammelt hatte zogen wieder vorbei! Auf dem Weg in die zweite Wechselzone bereitete ich mich dann schon geistig auf den abschließenden Halbmarathon vor.

Mittlerweile hatte es 25-30 Grad im Schatten, das sollte die 3 Runden `a 7 Kilometer auch nicht unbedingt angenehmer machen. Die ersten Meter in den Laufschuhen fühlten sich wie immer etwas holprig an, aber das ist ja nichts Neues. Aufgrund der Hitze und dem fehlenden Laufumfang hatte ich eine Menge Respekt vor diesem Lauf. Bis Kilometer 14 konnte ich ein gutes Tempo halten und abermals Plätze gutmachen. Die letzte Schleife durch den Ort wurde dann aber regelrecht zum Kampf. Der Schritt wurde schwerer und schwerer. Ich musste nochmal einiges an Tempo herausnehmen, schließlich wollte ich die super Stimmung im Zielbereich noch genießen! Die letzten Meter auf dem roten Teppich ins Ziel hier war die Stimmung einfach gigantisch! Dafür lebt man als Triathlet. Pure Gänsehaut!

Am Ende wurde ich Gesamt 26. und in der Altersklasse 5. Bei knapp 2000 Einzelstartern bin ich mehr als zufrieden. Zumal die Veranstaltung auch die deutsche Meisterschaft über die Mitteldistanz war. Auch wenn es ohne diese unnötige Zeitstrafe vieleicht sogar für einen Platz unter die Top 20 gereicht hätte und in der AK unter die TOP 3.

Aber “hätte, wenn und aber” zählen im Sport bekanntlich nicht.

Auf jedenfall ein Grund im nächsten Jahr wiederzukommen.

2 Gedanken zu „Erst Wut, dann Gänsehaut: Capellaro bei der Kraichgau Challenge“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.