Neuling Mirco lehrt Routiniers das Fürchten

Laufen, Mirco Berner
Erstaunliches Europacup-Debüt: MIrco Berner (links) wurde Zweiter beim Ultra-Traillauf Petit Ballon. Nur Sieger Samir Baala war Schneller. Rechts Adrian Brennwald.

Der Junge kann sich eigentlich nur selber stoppen! Der 19-jährige Mirco Berner vom TV Jahn Kempten hat die Experten im Vorjahr verblüfft, als er in München seinen ersten Marathon in 2:47 Stunden lief. Jetzt hat er erneut bei einer Premiere für Furore gesorgt: Beim Europacup im Ultra-Traillauf belegte er am Petit Ballon in Frankreich über 50 Kilometer (1900 Höhenmeter) den zweiten Platz in 3:50 Stunden. Beinahe hätte es sogar für die Sensation gereicht.

Mittlerweile kann sich Mirco über seinen zweiten Platz freuen. Doch unmittelbar nach seiner Zielankunft „überwog die Enttäuschung“, wie er uns erzählt. Doch der Reihe nach: Trotz zweiwöchiger Verletzungspause startete der Kemptener furios und übernahm nach zwei Kilometern die Führung. Mit der Konkurrenz im Rücken unterlief ihm auf der landschaftlich reizvollen Strecke zum Petit Ballon (1272 Meter) und zurück ein folgenschwerer Fehler, der ihm sicher kein zweites Mal passiert.

Er ließ gegen Ende des Rennens zwei Getränkestationen (15 und 4 Kilometer vor dem Ziel) aus, um die sich zahlreiche Läufer aus dem Halbdistanz-Wettbewerb scharten. „Ich wollte auf keinen Fall zu viel Zeit verlieren. Deshalb bin ich weiter gelaufen. Der Vorsprung betrug etwa eine Minute“, erinnert sich Berner. Bei überraschend warmen Temperaturen zahlte der Novize  Lehrgeld für die verpassten Boxen-Stopps.

Denn als ihn etwa einen halben Kilometer vor dem Ziel der frühere französische Marathonmeister Samir Baala (Bestzeit 2:17) attackierte, ging ihm buchstäblich der Saft aus. Baala gewann in 3:49:38 Stunden vor Berner (3:50:18) und dem Schweizer Adrian Brennwald (3:50:46).

Nichtsdestotrotz ein bemerkenswertes Debüt für Berner, der 20 Jahre jünger als der Sieger ist, und beispielsweise auch den amtierenden Europacupsieger Carsten Stegner (6.) hinter sich ließ.

Nach dem erfolgreichen Auftakt strotzt der Fachoberschüler nur so voller Tatendrang. Beim Halbmarathon (21,1 Kilometer) in Kempten peilt er am 6. April eine Zeit um die 1:14 Stunden an – und er hat noch lange nicht genug. Wenn alles glatt läuft, will er heuer unter anderem im Juni beim Salomon Zugspitz Trail (100 Kilometer) starten. Auch der Ultra-Marathon am 24. August in Sonthofen steht auf dem Programm. Darüber hinaus reizt ihn ein Start beim Transalpin Run (30. August bis 6. September) von Ruhpolding nach Sexten/Italien. Und natürlich hat er auch den Europacup im Ultratrail mit insgesamt sieben Wettbewerben weiter im Blick. Bei zwei weiteren Rennen der Serie will er über die Ultra-Distanz angreifen: dem Rennsteiglauf (17. Mai) und beim Schwäbisch Alb Marathon (25. Oktober).

Wir drücken Mirco die Daumen, hoffen aber gleichzeitig, dass er sich mit diesem Mammut-Programm nicht übernimmt…

Dass nicht immer alles bestens laufen kann, mussten am Petit Ballon zwei seiner Teamkollegen erfahren, die in den letzten zwei Jahren Altersklassen-Siege erkämpften: Bernhard Munz, der sich verlief, wurde im Gesamtklassement 77 in 5:00 Stunden; Jörg Schreiber, der nach einem Sturz mit Krämpfen zu kämpfen hatte, wurde 107. in 5:09 Stunden.

P.S.: Vielen Dank an Jörg, der uns mit Infos fütterte. Seine Einschätzung: „Wenn Mirco so weitermacht, können wir noch einiges von ihm erwarten. Dass er nach der Verletzung so gut läuft, hätte ich nicht gedacht – auch wenn nach dem München Marathon schon klar war, dass er ein Ausnahmetalent ist…“

 

 

 

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