Triathlet Roman „Sixpack“ Deisenhofer greift ab sofort als Profi an!

Roman Deisenhofer
Aufsteiger aus Augschburg: Roman Deisenofer hier beim Zieleinlauf in Königsbrunn hat die Profi-Lizenz gelöst. Foto: Reinhold Radloff

Beim Allgäu-Triathlon 2013 war er bester Schwabe über die Mitteldistanz: Roman Deisenhofer aus Augsburg belegte Platz vier nach 2 Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen in 4:06:03 Stunden. Das neue Jahr beginnt für den 28-Jährigen wie für so viele von uns: mit neuen Vorsätzen. Deisenhofer tritt erstmals als Profi an. Doch wie löst man überhaupt eine Elite-Lizenz? Und was erwartet sich der „Augschburger“ Aufsteiger? Unser Kollege Andreas Kornes ist diesen Fragen für die Augsburger Allgemeine nachgegangen. Er hat der Allgäuer Ausdauersport-Gemeinde  freundlicherweise Text und Foto von Reinhold Radloff zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür und viel Glück an Roman. Wir werden seinen weiteren Weg gespannt verfolgen – und hoffen, dass er uns bald ein paar Tipps in Sachen Sixpack-Training gibt 🙂

Wer in seiner Steuererklärung als Beruf „Fußball-Profi“ angibt, kann sich in der Regel glücklich schätzen. Denn das zu versteuernde Einkommen hat in diesem Fall vermutlich einige Nullen mehr, als das eines Otto-Normal-Verdieners. Anders ist die Situation für Triathlon-Profis. Denn die müssen erst einmal eines: zahlen. 250 Euro um genau zu sein. So viel kostet ein Elite-Pass der Deutschen Triathlon Union (DTU). Dieser ist Voraussetzung für eine Karriere als Profi. Roman Deisenhofer hat so eine Lizenz für das Jahr 2014 bekommen.
Abgesehen vom Gehalt gibt es aber auch noch einige andere Unterschiede zwischen Triathlon und Fußball. Deisenhofer von der TG Viktoria Augsburg (der mit Zweitstartrecht für das ARGI+ Tri-Team Schongau in der 2. Bundesliga startet) wird trotz seines Profistatus auch im kommenden Jahr einem normalen Beruf nachgehen. Der 28-jährige Augsburger ist Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr München. Der Schichtdienst dort ermöglicht ihm ein nahezu professionelles Training. Viermal pro Woche schwimmt Deisenhofer, viermal steht Lauftraining auf dem Plan, mindestens viermal schwingt er sich auf sein Rennrad. Dazu kommt Athletiktraining. „Diese Umfänge könnte ich in einem normalen Bürojob nicht absolvieren“, sagt Deisenhofer.
Mit dem Erwerb der Profi-Lizenz will er seine Karriere zusätzlichen Schub geben. Er hat einige Sponsoren gewonnen, die ihn finanziell oder materiell unterstützen. Trainiert wird Deisenhofer seit Kurzem von Sven Herzog, der auch für die Fitness der Eishockey-Profis der Augsburger Panther zuständig ist. „Er ist ein absoluter Fachmann und ich erhoffe mir, dass ich mit seiner Hilfe noch einmal deutlich zulegen kann.“ Vor allem die Lauftechnik wird über den Winter im Blickpunkt stehen. Dabei geht es um noch mehr Effektivität bei jedem Schritt. „Ziel ist es, möglichst wenig Energie zu verschwenden.“
Das erste Jahr mit Profi-Lizenz ist für Deisenhofer eine Art Versuchsballon. „Ich probier das jetzt aus und muss einfach mal schauen, wie es läuft. In einer Sportart wie Triathlon wird man nicht reich.“ Für den Augsburger geht dennoch ein Traum in Erfüllung. „Ich weiß, dass ich das drauf habe und will es komplett ausreizen.“
In Bayern haben derzeit 21 Triathleten einen Elite-Pass, in Deutschland sind es insgesamt 137. Er ist ein Jahr lang gültig und bringt einige Vorteile mit sich. Zum Beispiel bekommen die Inhaber auch kurzfristig noch Startplätze bei beliebten Wettkämpfen. „Der Ironman in Frankfurt etwa ist immer schon nach wenigen Minuten ausverkauft. Mit einer Lizenz kann ich mich vier Wochen vorher melden, und bekomme noch einen Startplatz“, sagt Deisenhofer. Die Veranstalter halten immer ein Kontingent für Profis frei. „Ich kann also leichter an mehr Rennen teilnehmen. Die Profis bekommen auch bessere Wechselplätze und Startgruppen.“
Am wichtigsten ist aber, dass bei den meisten Wettkämpfen Preisgelder nur an Profis ausgeschüttet werden. Was auf den ersten Blick unfair den Amateuren gegenüber klingt, hat einen guten Grund: Im Gegensatz zu den Amateuren müssen sich die Profis für den Testpool der Nationalen Anti-Dopingagentur (Nada) anmelden – und können im Trainingsalltag jederzeit Besuch von einem Dopingkontrolleur bekommen. „So soll verhindert werden, dass sich jemand in aller Stille hochdopt, irgendwo das Preisgeld abräumt und wieder verschwindet.“
Deisenhofer will nicht so schnell wieder von der Bühne verschwinden. Im zu Ende gehenden Jahr 2013 gewann er den Königsbrunner Triathlon (Olympische Distanz) mit über fünf Minuten Vorsprung. Bei den bayerischen Meisterschaften der Elite in Schongau (Olympische Distanz) kam er als Dritter ins Ziel. 2014 will er sich vor allem an der längeren Ironman-70.3-Strecke versuchen. Dabei werden 1,9 Kilometer geschwommen, 90 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt und ein Halbmarathon (21,1 Kilometer) gelaufen. Aus der Gesamtdistanz von 113 Kilometer leitet sich der Name ab, denn diese Strecke entspricht 70,3 Meilen. Das Fernziel lautet aber Hawaii. Dort findet jedes Jahr der legendäre Ironman statt. Für jeden Triathleten ist es das Höchste, dort zu starten. Dementsprechend hart umkämpft sind die Startplätze. „Langfristig will ich dorthin. Aber es ist ein hartes Stück Arbeit, bis man sich dafür qualifiziert hat“, sagt Deisenhofer.
Denn die Startplätze sind für die Profis noch rarer, als für die Amateure. Nur die weltweit besten 50 Männer und 30 Frauen, die sich mittels eines komplizierten Punktesystems bei Ironman-Wettbewerben qualifizieren müssen, dürfen im Profifeld antreten. Noch ist das für Deisenhofer Zukunftsmusik. 2014 hat er erst einmal Königsbrunn und den Allgäu-Triathlon im Visier. Diesmal aber als Profi.

 

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