Ihn bremst so schnell nichts: Stefan Rothmeier auf dem Weg nach Roth

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Steuert die Challenge in Roth an: Stefan Rothmeier aus Kaufbeuren. Foto: T.S.

Bei unserem zweiten Schwimmseminar hat uns ein Teilnehmer beeindruckt: Stefan Rothmeier hat sich nach einer schwerem gesundheitlichen Schicksalsschlag zurückgekämpft. Der Ausdauersport gibt dem Kaufbeurer Halt. In diesem Jahr wagt der 49-Jährige, was Ärzte ihm noch vor ein paar Jahren nie zugetraut hätten: Er will am 20. Juli 2014 bei der legendären Challenge in Roth über die Ironman-Distanz starten. Seine Ehefrau Anke, die bei den Olympischen Spielen 1996 Staffel-Silber im Schwimmen holte, unterstützt ihn dabei. Wir drücken die Daumen!  Für die AZ Kaufbeuren habe ich einen Artikel über Stefan geschrieben. Ihr könnt ihn hier nachlesen:

Stefan Rothmeier blickt nur nach vorn. Beim Schwimmen, Radfahren und Laufen – genauso wie im Leben. Rothmeier will nach Roth. Bei der legendären Challenge über die Ironmandistanz will der 49-jährige aus Kaufbeuren am 20. Juli beweisen, dass man mit Willen und Optimismus über sich hinauswachsen kann. Dafür trainiert der Triathlet beinahe täglich. Dabei hatten ihm vor sieben Jahren Ärzte prophezeit, dass er keinen Ausdauersport mehr betreiben könne. Eine ebenso seltene wie rätselhafte Auto-Immunrankheit bedrohte sein Leben und machte den lebenslustigen Betriebswirt für dreieinhalb Monate zu einem Pflegefall.
„Das kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich bekam Fieber und Schüttelfrost und dachte anfangs an eine normale Grippe. Doch das war es leider nicht“, erzählt der gebürtige Augsburger, bei dem die Mediziner schließlich einen „systemischen Lupus erythematodes“ diagnostizierten. Bei dieser seltenen Krankheit ist das körpereigene Immunsystem fehlreguliert: Es richtet sich nicht nur gegen Bakterien und Viren, sondern auch gegen gesunde körpereigene Zellen. Inmitten dieser Leidenszeit, in der Rothmeier mit Cortison und einer Immuntherapie letztlich erfolgreich behandelt wurde, half ihm der Gedanke an sportliche Ziele. „Ich bin ein Sturkopf. Mich bremst so schnell nichts – und vom Jammern halte ich ohnehin nichts“, sagt der Kaufbeurer, der durch die Krankheit auf dem linken Auge blind ist. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich nach und nach Herausforderungen im Ausdauersport zu stellen.

Der frühere Promotion-Manager bei einer Sportartikelfirma kam beim Training in der geliebten Natur des Allgäus wieder zu Kräften. Von kleineren Volksläufen, über Marathon bis hin zur Triathlon-Mittelstrecke. In diesem Jahr soll die Krönung folgen: die Ironman-Distanz in Roth über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Eine Zeit unter 13 Stunden peilt der gebürtige Augsburger an. Kurioserweise macht ihm bislang vor allem das Kraulen zu schaffen.

Kurios deshalb, weil zum Rothmeier’schen Familienbesitz eine olympische Schwimmmedaille gehört! Ehefrau Anke holte 1996 (damals unter ihrem Geburtsnamen Scholz) Silber mit der 4×200-Meter-Staffel um Franziska Almsick. Zudem wurde sie Vierte über 200 Meter Rücken. Bei den olympischen Spielen 1996 in Sydney wollte die gebürtige Berlinerin noch einmal nach Edelmetall greifen. Doch wegen einer starken Erkältung musste sie kurzfristig alle Starts absagen. Das Schickal meinte es dennoch gut mit ihr. Denn in Australien lernte sie ihren späteren Mann kennen. Nach einigen gemeinsamen Jahren in Berlin zog das Paar vor über zehn Jahren ins Allgäu. Eine Region, die Stefan Rothmeier seit seiner Kindheit ans Herz gewachsen ist.

Anke Rothmeier absolvierte (als Jahrgangsbeste) eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet heute am BKH. Den Leistungssport vermisst sie kein bisschen. Kein Wunder, dass sie über die ambitionierten Vorhaben ihres gerade wiedergenesenen Mannes anfangs nur den Kopf schüttelte: „Jetzt dreht er völlig durch“, sagte sie mit einem Schmunzeln, wohlwissend, dass er sich nicht abbringen lassen würde. „Meine Frau unterstützt mich super. Das ist jetzt schon Gold wert“, erzählt Rothmeier. Nur mit Schwimm-Ratschlägen hält sich Anke auf Wunsch ihres Gatten vollauf zurück. „Von einer neutralen Person fällt es einem doch leichter, sich korrigieren zu lassen, als vom eigenen Partner“, erzählte Stefan Rothmeier vergangene Woche, als er mit neun weiteren Triathleten am zweiten Schwimmseminar von www.allgaeu-ausdauer.de im Cambomare in Kempten teilnahm.

Rothmeier, Roth
Sportliches Paar: Stefan und Anke Rothmeier.

Angeleitet von Trainer Erik Hanold holte er sich wichtige Tipps für die Vorbereitung auf Roth. „Erik hatte viel zu tun – so viel wie ich falsch mache“, gestand Rothmeier. Doch das war leicht übertrieben. Viel mehr erhielt er reichlich Zuspruch von allen Beteiligten für sein Projekt „Roth 2014“. An den Schwimmzeiten von seiner Ehefrau muss sich der Hobbysportler, der in diesem Jahr 50 wird, ohnehin nicht messen lassen. Für ihn zählt nur eines: das nächste Ziel erreichen!

P.S.: Stefan hat einen eigenen Blog: www.stefanrothmeier.blogsport.eu

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