Leserfrage: Wie trainiert man eigentlich Berglauf? Helmut Schießl antwortet

Nicolas Kampka
Nicolas Kampka aus Aalen will wissen, wie man sich auf einen Berglauf vorbereitet.

Unser Leser Nicolas Kampka aus Aalen ist begeisterter Läufer und will sich künftig auch als Bergläufer versuchen. Noch ist er in diesem Bereich ein “absolutes Greenhorn”, wie er uns schreibt. Doch er hat ein ambitioniertes Ziel. Sein Traum ist die Teilnahme am legendären Zugspitzlauf. Doch der 26-jährige Informatiker will nichts überstürzen und keine Gefahren eingehen. Deshalb wandte er sich an Allgäu Ausdauer und fragt: Wie trainiere ich am besten für den Berglauf – gerade auch jetzt im Winter? Wir gaben die Fragen an einen weiter, der es nun wirklich wissen muss: den früheren Berglauf-Weltmeister Helmut, 42, aus Buchenberg. Doch lest am besten selbst, was “Fuzzy” einem Einsteiger empfiehlt.

 

Was kann ich als Neuling speziell im Winter trainieren, um mich auf die Bergsaison einzustimmen?
Helmut Schießl: Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, nicht nur zu laufen. Die Beinmuskulatur und die allgemeine Fitness kann man im Winter sehr gut mit Ski-Langlauf und bei Skitouren trainieren. In diesem Winter mit wenig Schnee kann man natürlich auch Radfahren, also vor allem mit dem Mountainbike, ins Training einbauen.

Wieviel Zeit pro Woche sollte man ungefähr investieren?
Schießl: Das hängt ganz davon ab, wie viel Zeit man zur Verfügung hat. Ich denke, zehn Stunden sind eine gute Basis. Wie man sich das Ganze aufteilt, sollte jeder selbst entscheiden. Zu viel Druck braucht es vor allem als Einsteiger nicht. Schau einfach, wie es Dir zeitlich in den Kram passt, wie Du das Training verträgst und wie es Dir Spaß macht.

Vor meiner Haustür in Aalen habe ich zwei Berge zum Training zur Verfügung jedoch mit maximal 300 Höhenmetern. Reicht das aus?

Schießl: 300 Höhenmeter sind doch schon was! Das kann man zum Beispiel 3-5 Intervalle laufen: Du springst zügig bergauf und joggst locker wieder hinunter. Wichtig ist, dass Du Dich aufs Bergauf-Laufen gewöhnst. Die meisten Bergläufe in Deutschland sind ohne Abstieg. Die allgemeinen Grundlagen kannst Du bei langen Läufen im Flachen (eineinhalb bis drei Stunden) trainieren. Oder eben mit Ski-Langlauf, Radfahren und Skitouren, wie oben erwähnt. Klar: Im Frühjahr und Sommer würde ich den ein oder anderen Lauf am Wochenende im Allgäu einplanen. Aber den Großteil des Trainings kannst Du zu Hause durchziehen, wenn Du dort alle Hügel abgrast.

Wo sind die schönsten Touren im Allgäu?
Schießl: Eines von meinen Lieblingszielen ist die Nagelfluhkette. Du kannst in Immenstadt starten und von dort auf den Mittaggipfel. Je nach Leistungsstand lassen sich von dort weitere Gipfel, wie Steineberg und Stuiben, in eine Tour einplanen. Die Wege sind gut ausgeschildert. Schön ist auch ein Start in Schattwald und von dort auf den Ponten.

Was ist bei der Ausrüstung für einen Berglauf im Sommer zu beachten?
Schießl: Trailschuhe sind natürlich sehr wichtig. Darüber hinaus empfehle ich Dir ein Handy, ein Erste-Hilfe-Set und eine gute Karte  (z.B. eine Kompasskarte) in einen kleinen Rucksack zu packen. Darin verstaust Du auch eine Wasserflasche, Riegel, Windjacke und Ersatz-T-Shirt. Zieh am besten in einer Gruppe los – mit Leuten, die sich vor Ort auskennen.

Gibt es einen Berglauf, den Du im Allgäu empfehlen kannst?
Schießl: Bei uns gibt es einige sehr schöne Läufe. Ich persönlich mag den Nebelhorn-Lauf sehr gerne. Vielleicht setzt Du Dir den für diese Saison als Highlight – wenn die Vorbereitung gut läuft. In einem der darauffolgenden Jahre kannst Du es an der Zugspitze versuchen. Erfahrung ist im Berglauf sehr wichtig. Man wächst mit den Aufgaben. Ich wünsche Dir viel Erfolg!

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