Wer sind die wahren Helden?

Michael Munkler
Wann ist ein Held ein Held? AZ-Reporter Michael Munkler macht sich darüber so seine eigenen Gedanken.

Wer das Mountainbike-Extremrennen „Sella Ronda Hero“ finisht, darf sich wohl mit Fug und Recht als Held bezeichnen. Oder etwa doch nicht? Unserem Autor Michael Munkler kamen nach seinem Saisonhighlight jedenfalls Zweifel. Doch lest am besten selbst.

Wahre Helden gesucht: So oder so ähnlich lautete im Juni das Motto in den Dolomiten, genauer gesagt am Sella-Pass. Rund um den gewaltigen Sella-Stock in Südtirol führt das Mountainbikerennen „Sella Ronda Hero“. Von Wolkenstein geht es über zahlreiche Pässe 84 Kilometer um die Sella-Dolomiten herum – sage und schreibe 4300 Höhenmeter bergauf und bergab sind zu bewältigen.
3013 Teilnehmer gehen in verschiedenen Startblocks am 22. Juni an den Start. Die meisten haben die etwas kürzere Distanz über gut 60 Kilometer und über 3000 Höhenmeter gewählt. Wer die völlig verrückte Sache machen will, wählt natürlich die lange Distanz. Und die macht mir zunächst einen Riesenspaß – es geht ja nur ums Ankommen, ums Finishen. Richtig hart wird´s am Nachmittag, als die Gewitter sich oben die Klinke in die Hand zu geben scheinen.
Regen, Hagel und eine verdammte Kälte, als wir spätnachmittags das Mahlknechtjoch überqueren und von zuckenden Blitzen förmlich nach unten gejagt werden.
Es hagelt immer noch und es wird immer kälter. Viele Sportler brechen das Rennen bei strömenden Regen ab. Nach weit über zehn Stunden bin ich schließlich im Ziel. Als einer der letzten – aber ich habe es geschafft. Und bin geschafft: Zuletzt konnte ich nicht einmal mehr die Bremshebel bedienen, so kalt waren die Hände. Ich zittere am ganzen Körper. So sehen Helden aus. Oder?
Einige Wochen später treffe ich Michael Bartz aus dem Oberallgäuer Durach im Supermarkt. Wir kommen ins Gespräch. Über den Zugspitzlauf, bei dem Michael einige Tage zuvor in der sagenhaften Zeit von 1:50:23 gewonnen hat. Dass die Zeitungen darüber berichteten, findet Michael „nicht wichtig“, wie er sagt.
Ich entgegne ihm: „Aber Du hast ein Super-Leistung vollbracht, das verdient doch Anerkennung.“
Michael schüttelt den Kopf und fragt: „Weißt Du, was wahre Helden sind?“
„Nein, wie meinst Du das?“
Michael: „Helden sind beispielsweise Leute, die andere pflegen: Kranke oder alte Angehörige-tagein, tagaus.“
Über die sollte öfters mal berichtet werden, meint er. Über diese wahre Heldinnen und Helden. . .

P.S.: Und wer sind Eure Helden? Schreibt uns in den Kommentaren, wer für Euch diesen Titel wirklich verdient…

3 Gedanken zu „Wer sind die wahren Helden?“

  1. Die Gedanken von Michael Bartz finde ich stark. Dem nehme ich das voll ab. Für mich gehören auch alle Helfer/innen zu den eigentlichen Helden … Zum Glück gibts davon VIELE im Allgäu 🙂 DANKE dafür!!!!

  2. es freut mich sehr, dass auf dieser seite auch raum für solche gedanken ist. bei aller verbissenheit und allem ergeiz im sport, erwarte ich von jedem sportler auch fairness, engagement und verantwortung neben der rennstrecke!

  3. Für mich ist meine Mama meine Heldin – seit vielen Jahren pflegt sie eine alte Frau, die im gleichen Haus wohnt, einfach so, weil sie es gerne macht. Und nebenbei noch Zeit hat, mit mir zu Laufen und wegen mir ihren ersten Halbmarathon gelaufen ist.

    Helden sind für mich auch alle Leute, die in unserer heutigen schnellebigen Zeit den Blick fürs Wesentliche nicht verlieren und nicht nur sich selbst am Nächsten stehen!

    Just my 2 Cents!

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