Der Freak vom Beckenrand: Ahoi, ihr Spinner! – Neue Kolumne

Schwimm-Kolumne von Erik Hanold
Seine Welt ist das Schwimmen: Erik Hanold. Foto: T.S.

Wenn’s ums Schwimmen geht, führt kein Weg an ihm vorbei: Erik Hanold, 45, ist der Freak vom Beckenrand. Der gebürtige Ostberliner war früher Trainer am Olympia-Stützpunkt in Hamburg und ist mittlerweile aus dem Cambomare in Kempten nicht mehr wegzudenken. Dort trainiert er die Athleten des TV Kempten 1856, deren beste Schwimmer zu Bayerns Spitze gehören. So ganz nebenbei wirft er auch ein Auge auf Triathleten und Hobby-Schwimmer, die sich durchs Becken wühlen. Was er da so sieht, tut ihm manchmal richtig weh: Hanold ist bekennender Technik-Fan – und obendrein bekannt für klare Ansagen. Ab sofort schreibt der Mann mit dem kahlen Kopf und der klaren Kante als Experte auf allgaeu-ausdauer.de. Im ersten Teil seiner Kolumne macht er allen Ausdauersportlern Mut, die bislang mit dem Wasser hadern: “Schwimmen ist wie fliegen – nur schöner.”

“Ahoi, ihr Spinner!” Mit diesem Gruß, der an Asterix und Obelix erinnert, beginne ich so manche Mail an meine Schwimmkollegen und ab sofort auch meine Kolumne auf diesem Blog.

Das ganze Allgäu ist von Couchpotatoes besetzt? Nein, nicht ganz. Es gibt noch ein paar liebenswerte Spinner, die sich der allgemeinen Trägheit und Ausredenfreue widersetzen! Recht haben sie: Wer einmal richtig eingetaucht ist in die Materie, den lässt das Schwimmen nicht mehr los. Und genau diese Faszination will ich vermitteln.

Ihr könnt Euch gerade “mal so über Wasser halten”? Ihr wollt besser kraulen? Ihr wundert Euch, warum andere viel schneller schwimmen als ihr?

Dann entspannt Euch als Erstes mal!

Wer gut schwimmen will, muss natürlich auch hart trainieren. Aber das Wichtigste ist, ein Gefühl fürs Wasser zu entwickeln. Wenn Euch das gelingt, ist Schwimmen kein Kraftakt mehr, keine nervtötende Pflichtübung vor Radfahren und Laufen, sondern dann ist es: Gleiten. Entspannung. Freiheit. Fliegen. Nur schöner. Das ist kein Scherz.

Ihr könnt mich jetzt für verrückt halten, aber bereits als Jugendlicher sind gerade beim Langstreckenschwimmen unter meinem geistigen Auge Städte und ganze Landschaften entstanden, bei denen ich bei jedem Hinüberschwimmen ein neues Detail entdeckte.
Was für ein unglaublich geniales Gefühl!

Naja, wir sind damals ja auch ordentliche Programme geschwommen. Zwei Mal am Tag vier bis fünf Kilometer waren normal. Oder – einer meiner Favoriten – 3000 Meter Brust am Stück. Hat mir besser gefallen, als einfach nur 100 Meter zu bolzen. Warum? Weil ich schon damals den besonderen Zustand geliebt habe, den lange Strecken mit sich bringen. Heute nennt man so etwas in Neudeutsch “Flow”. Ich fands einfach nur geil …

Ihr könnt Schwimmen mit Musik vergleichen. Egal ob Rock’n’Roll oder Klassik – ihr benötigt den richtigen Rhythmus und natürlich die richtige Technik. Um diese zu erlernen und zu automatisieren, braucht es neben Fleiß und Hingabe vor allem jedoch eines: Geduld und Gelassenheit.

Auch wenn Triathleten dies eventuell nicht gerne hören: Nehmt Euch Zeit.

Gleitet. Fühlt. Probiert. Genießt.

Kleine Fortschritte sind die Grundlage auf dem Weg zu großen Zielen. Verinnerlicht die Worte des Schriftstellers George Borrows: “Das Schwimmen ist eine edle Übung, sie sollte nicht dazu dienen, den Geist oder den Körper zu quälen.”

Obwohl gerade erst erwähnt, wiederhole ich es noch einmal eindrücklich: Nehmt Euch zum Lernen Zeit.

Gleitet. Fühlt. Probiert. Genießt.

Wenn ihr diesen Ratschlag beherzigt, seid ihr bereits auf dem Weg zu neuen Ufern. Dort werdet Ihr den Spaß am Schwimmen entdecken. Die Freude am Spiel mit einem wunderbaren Element. Ich freue mich darauf, Euch auf diesem Weg zu helfen. Es gibt nichts Schöneres als Schwimmen!

Euer Freak vom Beckenrand
Erik

P.S.: Du hast eine Frage an unseren Kolumnisten? Schreib’ Sie einfach in die Kommentare. Vielleicht beantwortet er sie in seiner nächsten Kolumne.

7 Gedanken zu „Der Freak vom Beckenrand: Ahoi, ihr Spinner! – Neue Kolumne“

  1. Der richtige “Flow” fehlt mir noch beim Schwimmen – wann kann man denn bei Dir eine Lektion buchen, damit der “Kampf” mit dem Wasser leichter wird?!?
    Grüße aus Kaufbeuren

  2. Genau das empfinde ich auch, wenn ich schwimme. Bei mir ist es so, schwimmen geht immer. Kann ich mal nicht mehr laufen oder radeln, weil alles weh tut, dann geh ich ins Wasser und gleite und entspanne und fast fliege ich sogar :-). Trotzdem würde auch gerne beim nächsten Schwimmseminar mittmachen. Anne-Sophie, wenn du mich bitte eintragen würdest. Vielleicht hat mich der Tobi auch schon aufgenommen, da ich ja beim ersten Mal im Urlaub war. Viele Grüße Fritzi

  3. Wenn Du -Dirk – mir mit Flossen aushilfst, komme ich vielleicht mal wieder 🙂 Ansonsten nervt die Schulter leider immer noch. Vermisse den Flow!

  4. Hi Eric, das mit dem Flow hast Du richtig gut beschrieben. Wer das mal auf den langen Strecken erlebt hat, ob im Wasser, auf dem Rad oder beim Laufen, wird zum Endorphin-Junkie und hört erst dann auf, wenn irgendwelche Gelenke wirklich nicht mehr mitmachen. Ich bin auch so einer geworden. Bis bald wieder im Becken.
    Klaus Ro

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.