Ab wann macht ein “Hunderter” Sinn? Wir fragten nach…

Extremlauf, 24-Stunden-LaufSie ist gewissermaßen die First Lady der regionalen Ultraläufer: Antje Schuhaj vom TV Jahn Kempten hält  seit fünf Jahren die unangefochtene Allgäuer Frauen-Bestzeit im 100-Kilometer-Lauf  in 8:28:58 Stunden. Wie denkt die 45-Jährige über die Frage, ab wann es sinnvoll ist, sich auf Strecken jenseits des Marathons zu begeben? allgaeu-ausdauer.de hakte nach.

Das Marathon-Debüt von Mirco Berner bewegt die Allgäuer Läuferszene. Ein 19-Jähriger, der nach einem halben Jahr Training eine 2:47 hinlegt – das ist der “absolute Hammer”. Findet auch Antje Schuhaj. Die Begeisterung über die Leistung des Senkrechtstarters ist das eine. Für Diskussion auf unserm Blog sorgte seine Ankündigung, einen 100-Kilometer-Lauf in Angriff nehmen zu wollen. Respekt vor so viel Tatendrang. Einerseits. Doch macht ein solches Vorhaben – ganz allgemein –  in jungen Jahren Sinn? Da haben sich bereits einige Skeptiker zu Wort gemeldet. Doch was denkt eigentlich jemand darüber, der selbst schon acht Mal 100 Kilometer gelaufen ist und dabei u.a. den Ultra-Traillauf an der Zugspitze gemeistert hat? Wir fragten nach bei Antje Schuhaj.

Keine Frage: Dass U20-Läufer einen “Hunderter” finishen können, hält Antje Schuhaj “auf jeden Fall” für möglich. “Ich sehe nur die Gefahr, dass sich junge Läufer auf dieser Distanz abschießen – und dann nie wieder kommen”, sagt die erfahrene Läuferin.

Sie selbst hat ihren ersten 100-Kilometer-Lauf nach fünf Jahren Training als 38-Jährige im Jahr 2006 in 9:11 Stunden in Hanau bewältigt. “Man kann das nie verallgemeinern: Aber ich habe diese mehrjährige Vorbereitungszeit gebraucht, um meinen Körper auf die extreme Belastung einzustellen”, sagt sie. Diese Zeit sollte sich jeder Läufer nehmen.

Bedauerlich findet sie hingegen, welche Blüten der Zeitgeist mittlerweile im Ultra- und im Trail-Run-Bereich treibt. “Ich habe es schon ein paar Mal erlebt, dass junge Leute sich da regelrecht verheizt haben. Die sind mächtig stolz, dass sie von der Industrie ausgetattet und hofiert werden. Aber ich frage mich: zu welchem Preis? Das höchste Gut eines Läufers ist doch, dauerhaft seinem Sport nachzugehen.”

Ihr Tipp für alle Athleten, die sich an die extremen Distanzen wagen: “Macht es mit Köpfchen. Und plant auf jeden Fall genug Regenerationszeit ein: Nach einem 100-Kilometer-Lauf nehme ich mir vier Wochen Pause. Dann gibt’s höchstens lockeres Radeln, Saunen, Schwimmen und gemütliches Joggen”, sagt Schuhaj, die seit über 10 Jahren im Langstreckenlauf “noch nie richtig verletzt war.” Und diesen Zustand auch allen anderen Läufern wünscht.

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