Radsport: Matthias Ebert meistert Höllenritt in der Schweiz

IMG_0095allgaeu-ausdauer.de-Leser Manuel Wirth hat uns auf eine buchstäblich extreme Geschichte gebracht. Sein Kumpel Matthias Ebert aus Kempten hat bei der „TorTour“ in der Schweiz einen wahren Höllenritt hingelegt. Er radelte 1038 Kilometer und 14500 Höhenmeter am Stück. Die Stunden vor dem Start des Rennens mit 600 Teilnehmern waren auch nicht gerade lustig: Sein Hotel brannte. Doch lest am besten selbst.

Von Ronald Maior

„Am Ende des Tages sitzt du eben doch alleine auf dem Ding.“ Was Matthias Ebert eigentlich meint, sind zwei Tage, und das „Ding“ ist sein Rennrad. Auf diesem umrundete der Kemptener bei der „TorTour“ die Schweiz.Matthias Ebert

Beim schwersten Radrennen der Schweiz erwartete die 600 Teilnehmer die Distanz von 1038 Kilometern bei 14500 Höhenmetern. Fünf Alpenpässe galt es zu erklimmen. Das entspricht der Besteigung des Mont Blanc – drei Mal, wohlgemerkt. 25 Solofahrer, darunter eine Frau, gingen auf die Tortur mit Ziel in Schaffhausen. Nach 46:24:49 Stunden (22,36 Kilometer pro Stunde) erreichte Ebert als Zehnter das Ziel. Sieger und Titelverteidiger, der Schweizer Dani Wyss, brauchte 38:42:24. Für den 33-jährigen Ebert verliefen schon die Stunden vor dem Rennen alles andere als nach Plan.IMG_0057

Nach dem Prolog am Donnerstag, bei dem die Startliste für das Rennen ermittelt wurde, riss ein Brand in der Unterkunft den Ausdauersportler aus dem Schlaf: „Um 21 Uhr schreckte ich hoch, als es im Hotel brannte und das Gebäude evakuiert wurden“, schildert Ebert: „An Schlaf war nicht mehr zu denken.“ Drei Stunden später saß er bereits auf dem Drahtesel. In der Nacht erfolgte der Start um 0 Uhr. IMG_0143

Als Vorbereitung diente Ebert das „Race across the alps“, bei dem er Rang 19 belegte. 13600 Höhenmeter verteilt auf 540 Kilometer seien „eine angemessene Vorbereitung“ gewesen, sagt Ebert im Nachhinein. Ansonsten gelte es „viele Berge zu erklimmen. Radeln, radeln, radeln. Mehr kann man nicht machen.“

Extremsituationen lassen sich im Vorfeld freilich kaum simulieren. Insbesondere mit der Müdigkeit habe er zu kämpfen gehabt. „Schon nach fünf Stunden hatte ich Probleme.“ Über zehn Mal habe ihn der Sekundenschlaf ereilt. Trinkpausen und „sich die Füße vertreten“ hätten Abhilfe geschaffen. Nach einer Pause um 5.30 Uhr, auf Höhe der Stadt Chur, ereilte ihn nach rund 500 Kilometern das erste Tief auf Höhe des Sustenpasses um 21.30; beinahe 23 Stunden saß Ebert da schon auf seiner Rennmaschine: „Da war ich wirklich schon am Ende und wollte nur noch aussteigen.“IMG_0180

„Eine Viertelstunde Schlaf, dann konnte es weitergehen“

Auf dem Pass nieselte es und es war kalt. In dieser Phase spiele das Team eine große Rolle, so Ebert, der während der 46-stündigen Fahrt seine Route selbst navigierte. Fünf Mann stark war die Crew, die Ebert im Begleitfahrzeug Beistand leistete, vorwiegend Leute aus dem Freundeskreis. „Es ist wichtig, dass die Menschen dich gut kennen. Sie haben mich angespornt. Direkt am Gipfel vom Sustenpass hatte ich eine Viertelstunde Schlaf, danach war ich bereit für den Rest.“ Auch der Ausfall des Geräts zur Zeitmessung auf der Höhe von Moudon konnte ihn nicht stoppen. „Der Kopf ist das größte Problem. Wenn man an das Ziel denkt, ist die Sache gelaufen.“ Es gelte in kurzen Etappen zu denken und sich kleine Ziele zu setzen: „Jeder Berg, jede Kurve und jeder Meter muss das Ziel sein. Sonst drehst du durch.“ Vom Genfer See ging es am Neuchatel See vorbei zurück Richtung des Zielortes in Schaffhausen. „Die Wand“ wird dieser Abschnitt von Profiradfahrern ehrfürchtig genannt, mit Steigungen von 20 Prozent. „Da kam ich gut hoch. Mit der Hitze kam ich zurecht. Ich hatte das Ziel vor Augen.“ Um 22.26 Uhr war es so weit. IMG_0233

„Unbeschreiblich“ habe er sich bei der Zieldurchfahrt gefühlt: „Es hat gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich tatsächlich 1000 Kilometer geradelt bin.“ In den Folgetagen schenkte der Kemptener den geschundenen Beinen viel Ruhe. Vor allem die Oberschenkel schmerzten. „Alles, was mit dem Rad in Berührung kommen kann, hat gebrannt.“ Für ihn geht es jetzt in den Urlaub. „Nach der Tortur ist es Zeit, dem Körper Gutes zu tun.“

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