Comets-Senkrechtstarter Christian Hafels: “Das wird eine ganze heiße Nummer”

Warm-up vor dem Spitzenspiel: Wir begleiteten den Wide Receiver auf seiner Joggingrunde vor der Hitzeschlacht gegen Frankfurt Universe

Christian Hafels II
Fotos: T.S., Dominik Berchthold

Nein, in der Haut eines Footballers will man an diesem Wochenende nicht stecken. Vor allem nicht in der eines Spielers der Allgäu Comets oder von den Frankfurt Universe. Die beiden Top-Teams der GFL 2 stehen sich am Sonntag (15 Uhr) im wohl heißesten Duell der Saison im Illerstadion gegenüber. Und dann auch in voller Montur bei vorhergesagten tropischen Temperaturen. Wie behält man kühlen Kopf in der Hitzeschlacht? Ich fragte nach bei einem, der es wissen muss: Wide Receiver Christian Hafels zählt zu den Senkrechstartern bei den Comets. Der 21-Jährige glänzt heuer mit bärenstarken Leistungen. Mit neun Touchdowns zählt er zu den Punktelieferanten und hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Comets in sieben Spielen ungeschlagen sind. Dass ihm ein derartiger Lauf gelingen würde, daran hätte Hafels vor einem Jahr nur träumen können. Im Spiel gegen Darmstadt brach er sich vor exakt zwölf Monaten zwei Brustwirbel. Kurz vor dem vorentscheidenden Meisterschafts-Duell joggten wir zum Warm-up eine Runde am Trainingsgelände der Comets am Bachtelweiher.


Christian Hafels entspricht nicht unbedingt dem Klischee eines Footballers. Mit einer Größe von 1,93 Meter überragt er viele seiner Mitspieler, zählt aber mit 90 Kilo eher zu den Leichtgewichten. Was beim gemeinsamen Lauf sofort auffällt: Der Passempfänger mit den langen Beinen hat einen explosiven Antritt. 40 Yards (39 Meter) sprintet er in 4,6 Sekunden. Doch auf Hochfrequenz laufen wir an diesem Sommerabend natürlich nicht. Der drahtige Offensespieler muss sich schließlich schonen für das Spitzenspiel. “Das wird eine ganz harte Nummer”, sagt er vor dem Spiel gegen Frankfurt (sechs Siege, ein Unentschieden, zwei Niederlagen), zu dem 2000 Fans erwartet werden. Den Ausschlag über Sieg oder Niederlage dürfte die Kondition geben. Hohe Temperaturen stellen die Footballer vor besondere Herausforderungen. In ihrer schweren Rüstung staut sich die Hitze. “Stell Dir eine Sauna vor. Dann weißt Du ungefähr Bescheid”, sagt Christian Hafels.

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Nach einer schweren Verletzung ist Christian Hafels wieder voll auf der Höhe und voller Optimismus.

An ihren konditionellen Grundlagen haben die Comets, die im Vorjahr Meister wurden und erst in der Relegation zur ersten Liga von den Munich Cowboys gestoppt wurden, vor der Saison intensiv gearbeitet.  Marvin Burghardt-Nagel von den Leichtathleten des TV Kempten 1856 hat das Team von Headcoach Brian Caler dabei unterstützt. “Das war teils schon ziemlich heftig”, erzählt Christian Hafels über das Training, das vor allem auf Körperspannung (Rücken/Bauch/Rumpf) und Stabilität abzielte.

Für Chris, der mit seinem acht Jahre älteren Bruder Stefan zu den Passempfängern  zählt, war es eine besondere Tortur. Denn er musste sich nach seiner Verletzung den Weg zurück in den Leistungssport hart erarbeiten. “Ich habe nach den Brustwirbel-Brüchen sechs Wochen ein Korsett getragen. Das fühlt sich genauso übel an wie es aussieht”, erinnert er sich schmunzelnd an die harte Zeit in der “Zwangsweste”.

Gejammert hat er nie. Denn es hätte ihn nach einem fatalen Zusammenprall mit einem Gegenspieler (“ihn trifft keine Schuld, er hat nur seinen Job gemacht”) auch schlimmer erwischen können. “Ich habe am Anfang nichts mitbekommen und bin erst langsam zu mir gekommen. Dann fühlte es sich an, als ob mir jemand ein Messer in den Rücken gerammt hätte”, erinnert er sich an die ersten Sekunden nach dem Unfall, den er wie ein Profi wegsteckte. Zusammen mit den Betreuern um Team-Arzt Dr. “Doc” Johannes Huber und seiner Freundin Elem Öntürk (Trainerin der Cheerleaders) arbeitete Chris ausdauernd an seinem Comeback.

Allgäu Comets - Starnberg Argonauts
Sorgt für spektakuläre Momente: Chris Hafels im Höhenflug.

Mitterweile ist klar: Es hat sich ausgezahlt. “Es läuft einfach super”, sagt er strahlend und erhöht das Tempo, als wir um den Bachtelweiher laufen. Das bevorstehende Duell mit den Frankfurtern motiviert ihn bis in die Haarspitzen. “Die haben einige Jungs in ihren Reihen, die ein Spiel auch im Alleingang entscheiden können. Aber solche Fans wie wir haben die in Frankfurt nicht. Unsere Heimspiele sind jedes Mal ein Highlight”, schwärmt der frühere Fußball-Torwart und Ringer beim TSV Kottern, der als Teenager zum Football kam. Der Weg war fast schon vorprogrammiert. Schließlich war sein Vater Herbert selbst Bundesliga-Footballer bei den Comets und seine Mama Heidi als Cheerleader aktiv. “Wir haben schon als Kinder Passspiel im Garten geübt”, erzählt der Maler und Lackierer.

Aufs Feld kommt Christian Hafels immer dann, wenn die Offense am Zug ist. “Das heißt, dass ich einen Spielanteil von etwa 50 bis 60 Prozent habe”, sagt er. In den Pausen wird er am Sonntag jede Menge trinken und mit seinen Defense-Kollegen mitfiebern. In der Hoffnung, dass sie ihrem Job genauso ambitioniert nachgehen wie er selbst.

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Die Joggingrunde reicht ihm nicht: Hafels setzt nach unserm Treffen noch zu ein Bergsprints an.

Übrigens: Als wir die kleine Joggingrunde beenden, hat Chris Hafels dann doch noch nicht genug. Er zieht sich eine etwa acht Kilogramm schwere Weste über – und setzt zu ein paar Hügelsprints an. Keine Frage, der Typ brennt vor Football-Leidenschaft. Und das schon vor der Hitzeschlacht gegen Frankfurt Unisverse…

 

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