„Sand-Flo“ Schweikart: Vom Lauf-Ass zum Schmetterkünstler

Ex-Leichtathlet Florian Schweikart sorgt als Volleyballer für Furore

Haut kräftig zu: Florian Schweikart (blaues Shirt, im Angriff) beim BVV-Masters in Fürth.
Florian Schweikart
In seiner Jugend gehörte Florian Schweikart zu den besten Mittelstrecken-Läufern in Bayern.

Häufig läuft’s ja so: Man betreibt erst einen Mannschaftssport und dann, nach vielen Jahren als Fußballer, Basketballer oder Eishockey-Spieler, kommen die Solo-Projekte. Als Läufer. Radler. Schwimmer. Oder Triathlet. Genau anders herum lief die Karriere von Florian Schweikart aus Günzach. Er begann als Ausdauert-Athlet – und legt nun einen rasanten Aufstieg im Mannschaftssport hin. Bis ins Junioren-Alter gehörte er zu den besten Mittelstreckenläufern in Schwaben. 800 Meter lief er in 1:56 Minuten, 5000 Meter unter 16 Minuten und 10 000 Meter in 33 Minuten. Nun ist der 25-Jährige im Beach-Volleyball spitze. Beim TSV Friedberg spielt er zweite Liga in der Halle – und sorgt auch auf Sand für Furore. Zusammen mit Partner Alexander Hurler, 23, steht er Platz zwei der bayerischen Rangliste. Dabei hat er erst mit 18 Jahren mit Baggern und Pritschen angefangen.  „Von meiner Athletik habe ich von Anfang an profitiert. Körperspannung und Körperbeherrschung sind auch bei Ballsportarten das A und O“, sagt der Lehramtsstudent, der vom Lauf-Ass zum Schmetterkünstler avancierte. Wie ihm das gelang, verriet er allgaeu-ausdauer.de

Nach ihrem Finalsieg jubelten Florian Schweikart (links) und Alexander Hurler mit den Damen-Siegerinnen Sabine Eierle/Ulrike Pfletschinger (TV Planegg-Krailling/TV Altdorf). Foto: BVV
Immer vorn dabei: Schweikart hatte auch als Crossläufer Potenzial.

Kürzlich passierte es ihm mal wieder. Beim BVV-Beach-Masters in Kempten wurde Florian Schweikart von einem ungläubig dreinschauenden Passanten gemustert. Der konnte sich kaum vorstellen, dass der 2-Meter-Mann erfolgreich Bällen hinterherhechtet und die Gegner mit seinem gefürchteten Block zur Verzweiflung bringt. „Dich kenn‘ ich doch“, sagte er zu Schweikart. „Du bist doch mal Läufer gewesen?“ Recht hatte er. In jungen Jahren galt Schweikart als eines der größten Allgäuer Lauftalente. Er wurde über 20 Mal schwäbischer Meister und gehörte dem Bayernkader der Mittelstreckenläufer an. Jeden Tag sah man ihn durch Günzach oder Obergünzburg rennen. „Wenn Leichtathletik, dann in einem Kader“, lautete seine Devise. Und der ließ er Taten folgen. Von 15 bis 19 Jahren gehörte der Läufer des SVO Germaringen der Auswahl an. Doch dann warfen ihn Verletzungen zurück. Zwei Mal erlitt er einen Ermüdungsbruch. Wahrscheinlich trug sein rasches Wachstum Mitschuld an der Misere.  Mit 16 war er bereits 1,96 Meter groß. „Nach dem zweiten Ermüdungsbruch konnte ich mich nicht mehr richtig herankämpfen. Dann hab ich  so langsam umgesattelt auf Volleyball. Anfangs nur zum Spaß. Ich hab erst mit 18 mein erstes Spiel für den TV Kempten 1856 bestritten.“ Anfangs wurde der lange Schlacks von  Gegnern und Mitspielern unterschätzt. Doch sie hatten seinen Ehrgeiz unterschätzt. „Ich bin lernwillig – und ich weiß vom Laufen, was echtes Training bedeutet“, sagt er. Vor allem beim Beach-Volleyball profitiert er von Schnelligkeit und Kondition, die er sich als Leichtathlet erarbeitet hat. „Das Spiel auf Sand strengt unheimlich an. Vor allem, wenn man bei einem Turnier fünf, sechs Mal aufs Feld muss.“ Anders als beim Hallenvolleyball (sechs Spieler) kann man sich beim Beachen auch nicht verstecken. Als Teil eines Duos steht man ständig unter Beschuss. „Du trägst viel mehr Verantwortung und kannst ganz anders Einfluss auf das Spiel nehmen. Das ist genau mein Ding“, sagt das Energie- und Emotionsbündel. Zuletzt hatte er mit Partner Hurler reichlich Grund zum Feiern. Die beiden gewannen in Fürth ihr erstes BVV-Masters der Saison. Im Finale gegen Höfer/Winter (TSV Herrsching) zahlten sich Ausdauer und Siegeswille einmal mehr aus. Nach einer 1:0-Satzführung lagen Schweikart/Hurler im zweiten Satz bereits 3:11 zurück. Das ist in etwa so, als ob ein 5000-Meter-Läufer drei Minuten hinter der Spitzengruppe hinterherhechelt. Doch Schweikart/Hurler drehten mächtig auf und gewannen ein Spannung kaum zu überbietendes Endspiel mit 23:21. „Ein Finale nach einem solchen Rückstand noch zu drehen, ist einfach nur Emotion pur und genial“, jubelt „Sand-Flo“ Schweikart. Jetzt will er mit seinem Partner bei der bayerischen Meisterschaft am 10./11. August nach dem Titel greifen. Im nächsten Jahr wollen die beiden versuchen, in der bundesweiten Serie Fuß zu fassen.

Ein Dauerlauf pro Woche steht für Schweikart übrigens heute noch auf dem Programm.Gut möglich, dass er dabei schon bald von einem ungläubig schauenden Passanten angesprochen wird: „Dich kenn ich doch. Bist Du nicht der Beach-Volleyballer….?“

Ein Gedanke zu „„Sand-Flo“ Schweikart: Vom Lauf-Ass zum Schmetterkünstler“

  1. Mit den Namen `Flo` steht ihm doch alles offen…
    Wunderbar hier auch über die tolle Sportart beachvolleyball zu lesen…
    Tatsächlich ist verbindet die Sportart auf der einen Seite einen schnellen dynamischen Antritt mit filigraner Balltechnik aber eben auch eine große Portion körperlicher und geistiger Ausdauer …weiter so!

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