Re(h)spekt: Schnelle Alina auf der Überholspur

Alina RehWenn Euch in den nächsten Wochen ein braungelockter Wirbelwind beim Joggen an der Iller überholt, macht auf keinen Fall den Fehler, ihm zu folgen. Der Wirbelwind heißt Alina Reh – und ist eine Klasse für sich. Die 16-Jährige aus Laichingen ist eine, wenn nicht sogar die Hoffnungsträgerin des Deutschen Leichtathletik Verbandes auf der Mittelstrecke. Im August macht die schnelle Schwäbin des TSV Erbach mit ihrer Familie traditionell Urlaub auf einem Campingplatz in Sonthofen. Sie kehrt dorthin zurück, wo alles begann – und sie tankt neue Kraft für große Ziele. Eines davon könnte Olympia heißen.

Dieser Paukenschlag ist vielen Allgäuer Ausdauersportlern noch in Erinnerung: Als neunjähriges Mädchen gewann Alina Reh beim Laufsporttag in Kempten über 5  Kilometer (19:52 Minuten). Nur ein Jahr später kam sie beim Frühlingslauf in Sonthofen über elf Kilometer als erste Frau ins Ziel. Athleten und Veranstalter kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.  “Ich konnte es nicht glauben. Das war sensationell”, sagte der Sonthofer Axel Reusch beispielsweise damals.

Mittlerweile ist Alina voll durchgestartet: Die Gymnasiastin holte heuer bereits drei deutsche Meistertitel. Zuletzt trumpfte sie am Wochenende in Rostock über 3000 Meter der U 18 auf. In neuer persönlicher Bestzeit (9:17,52) siegte sie souverän.  Im Juni hatte sie bereits in Bremen die 5000 Meter der U20 in 16:27,05 Minuten gewonnen. Lust, but not least war sie mit einem Sieg bei der deutschen U18-Meisterschaft im Crosslauf im Schwarzwald in die Saison gestartet.  Auch international ließ sie aufhorchen:
Mit Platz fünf bei der U-18-WM in Donezk (Ukraine) auf ihrer Spezialstrecke über 3000 Meter (9:20,99) hat die Läuferin des TSV Erbach ihre Nominierung eindrucksvoll gerechtfertigt. Dass mit Lilian Rengeruk (8:58,74 Minuten) eine Kenianerin als Schnellste ins Ziel kam, dürfte genausowenig überraschen wie es die Erfolgsbilanz schmälert.

“Laufen ist und bleibt ihre große Leidenschaft. Dafür gibt Alina alles”, sagt ihre sportliche Mutter Silke. Sie hat ihre Tochter vor neun Jahren erstmals mit zu lockeren Trainingsläufen genommen und schnell einen positiven Effekt bemerkt, der auch andere Eltern motivieren  dürfte: “Beim Laufen konnte sich Alina auspowern. Es hat ihr auf Anhieb gefallen und wir konnten sehr gut miteinander reden”, erinnert sich die Mutter.

Schnell war klar: Das Mädchen hat einen zähen Willen – und es liebt die Herausforderung. “Für eine Sprinterin fehlt mir die Schnelligkeit. Deswegen laufe ich lange Strecken. Am liebsten fünf, sechs Kilometer”, verriet sie schon vor fünf Jahren im ersten Interview mit der Allgäuer Zeitung. Daran hat sich nichts geändert. Alina läuft jeden Tag um die zehn Kilometer, wobei die Intensität variiert. So stehen drei Tempo-Einheiten pro Woche auf dem Trainingsplan während der Saison.

Im Urlaub lässt es die Teenagerin beim Joggen am Illerdamm oder auf der Bahn in Sonthofen zwar eher gemütlich angehen. Allen Hobbyläufern dürfte ihr Tempo dennoch minimum zwei Klassen zu hoch sein. Deshalb: Lieber keine Kraft vergeuden, wenn der braungelockte Wirbelwind vorbeizischt, sondern stattdessen auf andere Fortbewegungsmöglichkeiten zurückgreifen. “Ich begleite sie nur noch auf dem Fahrrad”, sagt ihre Mama schmunzelnd.

Die Allgäuer Läufer drücken Alina in jedem Fall weiter die Daumen. So wie der Ex-Kemptener Christophe Chayriguet, mittlerweile Assistenztrainer bei der LG Telefinanz Regensburg, der nach dem Sieg bei der “Deutschen” in Rostock zu ihren Gratulanten zählte, und sich an ihre furiosen Auftritte in Kempten erinnerte, wie beispielsweise zuletzt den dritten Platz über 10 km beim Silvesterlauf 2011. Weitere Glanzstücke sind in Sicht: Im nächsten Jahr will Alina bei den olympischen Jugendspielen in China starten. Nicht ausgeschlossen, dass weitere olympische Einsätze folgen….

Wir meinen schon jetzt: Re(h)spekt!

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