Ex-Kettenraucher macht auf Mitteldistanz Dampf

Johann Hiltensperger
Greift über die Mitteldistanz an: Johann Hiltensperger. Foto: Hermann Ernst

Bei aller Neutralität: Einem Sportler drücke ich beim Allgäu-Triathlon am Samstag besonders die Daumen. Johann Hiltensperger war jahrzehntelang Kettenraucher, ehe er mit viel Willenskraft den Umstieg packte: auf Frischluft, Bewegung und Wettkampfsport!  “Ich bin fit und freue mich auf Samstag – auch wenn es  heiß werden könnte”, sagt der Waltenhofener, der auf allgaeu-ausdauer.de einen Startplatz gewann. Lest mal, wie der 58-Jährige  seinem Leben durch Sport eine schier unglaubliche Wende gab.


Waltenhofen Das Glück ist mit den Tüchtigen. Sagt das Sprichwort. Und es gibt Fälle, in denen es tatsächlich zutrifft. Einer davon ist Johann Hiltensperger aus Waltenhofen. Der 58-Jährige zählt zu den Glücklichen, die bei einer Verlosung einen Startplatz für den Allgäu-Triathlon am Samstag gewonnen haben – und es gibt wohl kaum jemanden, der ihn sich mehr verdient hätte. Denn Hiltensperger hat durch den Sport sein Leben völlig umgekrempelt. Bis vor acht Jahren rauchte er bis zu 60 Zigaretten am Tag! “Ich habe zwei bis drei Schachteln Roth-Händle ohne Filter gequalmt”, gesteht der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes.

Mittlerweile ist er zum “militanten Nichtraucher” mutiert und hat sich dank zähen Trainings eine bärenstarke Kondition erarbeitet. “Ich hoffe, dass sich andere Raucher an mir ein Beispiel nehmen. Man kann es schaffen, wenn man wirklich will”, sagt Hiltensperger.

Zum Wendepunkt wurde ein Kur-Aufenthalt in Bad Dürrheim. Wegen Blutdruckproblemen ließ sich der Betriebsleiter bei einem regionalen Verkehrsverbund dort behandeln. “Nach einer stressigen Phase rund um die Nordische Ski-WM 2005 in Oberstdorf habe ich eine Auszeit gebraucht”, erzählt Hiltensperger. Während der Kur kam es zu einer schicksalhaften Fügung, an die sich der Oberallgäuer noch genau erinnert. “Ich wollte mir an einem Freitagnachmittag Zigaretten kaufen. Doch nirgendwo konnte ich eine Schachtel von meiner Marke auftreiben. Da beschloss ich: So das war’s. Ab jetzt wird nicht mehr geraucht.” Nach 33 Jahren als starker Raucher machte er von heute auf morgen Schluss mit dem Laster! Und das Erstaunliche: “Es war überhaupt kein Problem.”

Noch am selben Tag drehte er eine kleine Rad-Runde und spürte: Bewegung tut gut. Zumal Hiltensperger beruflich vor allem am PC zu tun hat. In den darauffolgenden Wochen brach er gemeinsam mit seiner Ehefrau regelmäßig zu Walking-Runden auf. “Zunächst ging es darum, überhaupt mal wieder Luft zu bekommen”, erinnert er sich. Befreit von der Nikotinsucht, stieg schon bald das Vertrauen in die eigenen Kräfte. Nach zwei Jahren walken, begann er zu joggen. Durch die steigenden Umfänge verlor Hiltensperger überflüssige Kilos. Bei einer Körpergröße von 1, 75 Meter speckte er 20 Kilos ab – von 92 auf 72 Kilogramm. Der Ehrgeiz war geweckt, es nun auch mit Wettkämpfe zu probieren. Nach und nach steigerte er sein Pensum, bis er 2009 seinen ersten Marathon in Füssen bestritt. Der Ü50-Novize lief auf Anhieb 3:40 Stunden! Inzwischen hat er fünf Läufe über 42,195 Kilometer absolviert und seine Bestzeit 2011 in Berlin auf 3:11 geschraubt.

Da Hiltensperger als Jugendlicher gerne radelte, war es fast schon logisch, dass es ihn als mittlerweile erfolgreichen Hobby-Läufer irgendwann zum Triathlon ziehen würde. Lediglich das Schwimmen machte ihm Sorge. Doch das lernte er Zug um Zug beim TV Immenstadt. “Anfang konnte ich gerade mal 50 Meter kraulen. Jetzt schaffe ich zwei, drei Kilometer”, erinnert er sich.

Seine Premiere beim Allgäu-Triathlon meisterte er 2010 über 2 Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen in 5:25:35 Stunden. “Die Radstrecke ist heftig. Aber das reizt mich. Ich hoffe, dass ich diesmal noch einen Tick schneller bin als vor drei Jahren. Das ist schon eine super Sache”, freut sich Hiltensperger über seinen Startplatz, den er auf der Internetseite allgaeu-ausdauer.de gewonnen hat. Manchmal ist das Glück eben mit den Tüchtigen.

2 Gedanken zu „Ex-Kettenraucher macht auf Mitteldistanz Dampf“

  1. Beeindruckende Leistung. Motivation den eigenen Schweinehund zu besiegen! Rauchen und Radeln haben doch mehr gemeinsam als ich dachte: beides beginnt mit “r”, “drehen”, “zug um zug”, beides hat mit Teer zu tun…
    Bitte weiter solch motivierende Beiträge, damit ich auch meinen Schweinehund ein ums andere mal besiege!

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