“Bloß it hudla”

Tipps zum Allgäu-Triathlon von Lokalmatador Lukas Schüßler

ßlerVor dieser Tortur haben die Teilnehmer traditionell Respekt: Die Radstrecke beim 31. Allgäu-Triathlon mit Rennen über Mitteldistanz (2 km Schwimmen, 80 km Radfahren, 20 km Laufen) und olympische Distanz (1,5, 42, 10) gehört zu den schwierigsten in Deutschland. Der Rundkurs im Alpenvorland, den die Starter über die Mitteldistanz zwei Mal durchfahren müssen, wartet mit insgesamt 1200 Höhenmetern auf. Keine Wunder, dass viele der 850 Ausdauersportler dem Start am 20. Juli in Immenstadt mit mulmigen Gefühlen entgegenblicken. Doch das muss nicht sein, meint Lukas Schüßler vom TV Immenstadt. Der 23-jährige Vorjahressieger über die olympische Distanz (2:10:49 Stunden) kennt den Kurs aus dem Effeff. Seine Eltern wohnen direkt an der Strecke! „Mehr als bei anderen Wettkämpfen kommt es auf die richtige Einteilung ein“, macht er Mut. Wir befragten den aufstrebenden Athleten, der für den TV Memmingen in der Regionalliga startet, nach Tipps und Kniffen.

Schwimmen: Der Dreieckskurs am Alpsee bietet ein herrliches Panorama, hat aber durchaus Tücken. Beispielsweise den Wasserstart. Da hauen manche Athleten leider wild um sich. Mein Tipp: Cool bleiben. Stellt Euch vor, ihr legt bäuchlings auf einer Luftmatratze. Arbeitet direkt beim Start vor allem mit den Beinen! Nach den „Auftaktturbulenzen“ wird es bald ruhiger. Das Feld verteilt sich. Doch der See ist nicht zu unterschätzen. Frühnebel oder die kräftige Morgensonne können die Sicht erschweren. Wählt die passende Schwimmbrille! Möglich ist auch, dass der Westwind für Wellen sorgt. Aber die sind machbar: Atmet mit leicht gedrehtem Kopf nach hinten, um kein Wasser zu schlucken. Positiv: Die großen Bojen sind nicht zu übersehen.

Radfahren: Allgäu-TriathlonKaum im Sattel kommt die erste Herausforderung: der Kalvarienberg in der Innenstadt. Freut Euch darauf. Denn die Strapazen bekommt Ihr kaum mit. Die Stimmung mit Hunderten von Zuschauern ist überwältigend. Gänsehaut-Atmosphäre! Genau wie beim neuen „Stimmungsnest“ beim Gasthof Adler in Martinszell. Aber denkt dran: Das deutlich fiesere Stück kommt noch. Und zwar der mächtige Anstieg von Niedersonthofen nach Diepolz. Ich kalkuliere ungefähr eine Viertelstunde dafür ein. Das heißt: Etwa ein Viertel meiner gesamten Radzeit schufte ich an diesem Steilstück. Das ist auch psychisch hart. Denn die Strecke hat hier wenig Kurven. Mein Tipp: Legt im niedrigsten Gang mit hoher Trittfrequenz los. Überdreht auf keinen Fall zu früh. An diesem Knackpunkt gilt bei uns Allgäuern: „Bloß it hudla!“ Auf Hochdeutsch: Ruhe bewahren, Kräfte gut einteilen. Die Strapazen lohnen sich. Der Blick oben auf den Niedersonthofer See ist herrlich – und zum Abschluss der Runde gibt es eine geniale Abfahrt: den Zaumberg. Die kurvenreiche Straße führt Richtung Alpsee. Genuss pur!

Laufen: Nach der Radtortur ist Schluss mit den Höhenmetern. Die meisten werden sich darüber freuen. Die Strecke durch die Innenstadt sowie die Illerauen und Rauenzell ist weitgehend flach. Wer genug Kraft hat, kann hier den Turbo zünden und sich aufs Ziel freuen. Auf mich warten dort übrigens meine Familie und meine Freundin Joanna Meyer, die selbst Triathletin beim Team „Cis Amberg“ ist. Ich kann jedem Triathleten nur empfehlen, seine Leut’ bei diesem Wettkampf dabei zu haben. Das motiviert unheimlich. Motto: Geteilte Tortur, ist halbe Tortur!
Zeitplan Der Allgäu-Triathlon über die Mitteldistanz wird am kommenden Samstag, 20. Juli, um 7.26 Uhr gestartet. Auf den Jagdstart der Frauen folgen die Männer (8 Uhr). Für die Teilnehmer über die olympische Distanz geht es um 8.40 Uhr los. Die ersten Mittelstreckler werden knapp vier Stunden nach dem Start im Ziel im Auwaldstadion erwartet.

Zur Person:095 Senkrechtstarter Lukas Schüßler ist erst sein fünf Jahren Triathlet. Seine Dreikampfkarriere begann beim 2008 mit der Teilnahme am „Mini-Triathlon“ in Immenstadt (heute nicht mehr im Programm). 2009 gewann er diesen Volkstriathlon bereits. Mittlerweile zählt er über die kurzen Strecken zu den stärksten Triathleten im Allgäu. Der angehende Krankenpfleger gewann im Vorjahr in Immenstadt auf der olympischen Distanz und will seinen Erfolg wiederholen.
Sein derzeitiges Trainingspensum (meist mit höherer Intensität) pro Woche: 7 km Schwimmen, 200 km Radfahren, 40 km Laufen. In der Saisonvorbereitung (10/350/50 pro Woche) legte er nach Trainingsplänen von Tobias Baur (RSC Kempten) die Grundlagen für eine bislang starke Saison.