Wenn Bauchplatscher gefährlich werden

Dass irgendetwas anders ist an diesem Mai-Tag, dafür genügt ein morgendlicher Blick aus dem Fenster: Die Nachbarin holt ihre Zeitung aus dem Briefkasten – eingehüllt in Schal und Daunenjacke. Der Blick aufs Thermometer gibt ihr Recht: 4 Grad Celsius. Mitten im Frühling! Was tun bei diesem Sauwetter? Etwa trainieren? Draußen?! Vielleicht sollte man…. Um das Leben voll auszukosten, muss man auch mal etwas wagen. Hat der Höhlenforscher Emilio Comici mal geschrieben. Recht hat er. Dann also los. Ab ins Freibad.

Dort ist ebenfalls alles anders. Zum ersten Mal grüßt der Alt-Deutsch-Rücken-Veteran mit seiner Noppen-Bademütze, mit dem ich mir normalerweise ab 7 Uhr Scharmützel um die Außenbahn liefere. (Selbst wenn er zu spät kommt und andere schon eifrig auf “seiner” Bahn schwimmen, nimmt er sie für in Beschlag als ob sie sein Privateigentum wäre. Widerstand zweckslos. Er kann rabiat werden wie ein Schäferhund, dem man den Knochen wegnehmen will).

Heute jedoch, an diesem eiskalten Tag, ist er erstaunlich freundlich: “Da sollte doch genug Platz für alle sein”, sagt er zu mir und deutet auf das leere Becken, über dem der Dampf in die kalte Luft aufsteigt. Noch ehe ich antworten kann, stürzt er sich mit einem Bauchplatscher ins Becken und beginnt seine Bahnen zu drehen. Natürlich auf der Außenbahn. Eine Brust. Eine Alt-Deutsch-Rücken. Immer im Wechsel. Wie an  jedem Freibad-Tag.  Mit eiserner Disziplin. Egal ob Sommer, Frühling oder, wie heute, Winter-Frühling. Irgendwie schon ein cooler Hund, denke ich mir.

Hoffe nur, dass er seine Bauchplatscher wohl dosiert. Der Wetterbericht sagt noch kältere Temperaturen fürs Wochenende voraus. Am Ende gibt’s gar noch mal Schnee und Eis. Fürs Pool-Springen wird’s langsam gefährlich:

http://www.youtube.com/watch?v=l1r-05b6urg