Ohne Erholung keine Erfolgserlebnisse

Florian PorzigAuch Hobbysportler rätseln oft darüber, warum trotz intensiven Trainings und konsequenter Vorbereitung im Wettkampf die Kräfte schwinden und auch die Wochen danach der Leistungseinbruch anhält. Über diese Thematik ging es unter anderem in einer Veranstaltung im Rahmen des 8. Interdisziplinären Workshops für Sportmediziner in Oberstdorf. Über Ursachen des Leistungsknicks sprachen wir mit Dr. Florian Porzig, Sportmediziner aus Fischen und Teamarzt der nordischen Kombinierer – und obendrein selbst erfolgreicher Läufer.

Was definiert man als Leistungsknick eines Sportlern?

Porzig: Wenn ein Sportler die für ihn normale Leistung aus zunächst nicht erkennbaren Gründen über einen längeren Zeitraum nicht abrufen kann.

Welche häufigen Ursachen gibt es für den Leistungsknick?

Porzig: Hierzu zählen vor allem akute oder chronische Infekte. Auch Erkrankungen des Herzmuskels wie Herzmuskelentzündungen und Herzrhythmusstörungen müssen ausgeschlossen werden. Eine nicht seltene Ursache beim Sportler ist auch ein unerkanntes Belastungsasthma. Vor allem in Ausdauersportarten beobachten oft wir einen Eisenmangel, der eine Leistungsminderung generieren kann. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion muss ausgeschlossen werden. In der Mehrzahl der Fälle jedoch kann eine klare schulmedizinische Diagnose als Ursache für die Leistungsminderung nicht gestellt werden.

Was ist dann der Grund für einen Leistungsabfall?

Porzig: In diesen Fällen muss auch an eine übersteigerte Erwartungshaltung des Sportlers an sich selbst, des sportlichen Umfeldes an den Athleten oder einfach Trainingsmangel als Ursache für den sportlichen Misserfolg gedacht werden. Als Ausschlussdiagnose sollte immer auch an psychische Ursachen oder an die Möglichkeit eines Übertrainingssyndroms gedacht werden, dessen Diagnosenstellung auch für den erfahrenen Sportmediziner nicht immer einfach ist. Bei jugendlichen Sportlern sehen wir nicht selten eine pubertätsbedingte Leistungsminderung.

Kann ich trotzdem weiter sporteln?

Porzig: Wenn der Leistungsknick über einen längeren Zeitraum besteht, sollte in jedem Fall ein Arzt oder Sportmediziner aufgesucht werden, um eine körperliche oder organische Ursache des Leistungsknicks auszuschließen.

Wie kann ich unterscheiden, ob es sich um einen Leistungsknick oder eine vorübergehende Schwächephase handelt?

Porzig: Eine vorübergehende Schwächephase kann ein einmaliger misslungener Wettkampf sein, bei dem auch einmal eine schlechte Tagesform ausschlaggebend sein kann. Kann ich jedoch wiederholt meine gewohnten Trainings- und Wettkampfleistungen nicht abrufen oder handelt es sich um eine überproportionale Leistungsminderung, sollte der Sache auf den Grund gegangen werden.

Was kann ich in der Trainingsphase gegen den Leistungsknick machen?

Porzig: Erst wenn ich tatsächlich eine körperliche oder krankhafte Ursache des Leistungsknicks ausgeschlossen habe und ein Übertrainingssyndrom als Ursache wahrscheinlich ist, ist die einzige sinnvolle Maßnahme eine Reduktion des Trainingspensums und der Faktor Zeit. Eine Maßnahme, die gerade ambitionierten Hobbyathleten große Probleme bereitet. Viele Hobbysportler machen den Fehler und trainieren immer noch nach dem Motto: Viel hilft viel.

Wie muss ich ein Training beim Laufen, Langlauf oder Radeln aufbauen, damit ein Leistungsknick erst gar nicht entsteht?

Porzig: Wir als Sportmediziner, aber auch die Trainer und Übungsleiter in den Vereinen müssen weiter auf ein Bewusstsein hinarbeiten, dass die Regeneration ein ganz wichtiger Bestandteil des Trainings ist. Wenn ich meinem Körper während eines regelmäßigen Trainings keine regelmäßigen Pausen und dadurch Zeit zur Regeneration gebe, trainiere ich mich langsam aber stetig in den Keller, und meine Leistung wird immer schlechter statt besser. Manche ambitionierte Hobbysportler muss man hierzu aber regelrecht „festketten“ oder im übertragenen Sinne „eingipsen“, damit sie ihr Pensum reduzieren.

Die Fragen stellte Werner Kempf

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