“Das Allgäu hat riesiges Potenzial”

Hannes Blaschke gehört zu den Triathlon-Pionieren im Allgäu. Jetzt steigt er beim Allgäu-Triathlon als Organisator ein.
Hannes Blaschke gehört zu den Triathlon-Pionieren im Allgäu. Jetzt steigt er beim Allgäu-Triathlon als Organisator ein.

Hannes Blaschke über seine Visionen für den Allgäu-Triathlon

Neue Aufgabe, neue Visionen: Hannes Blaschke, 52, steigt als Mit-Organisator beim traditionsreichen Allgäu-Triathlon in Immenstadt ein. Für den früheren Top-Sportler, der 1985 Platz vier bei der Ironman-WM auf Hawaii belegte, und heutigen Reiseveranstalter schließt sich damit der Kreis. Vor 30 Jahren meisterte er beim 1. Allgäu-Triathlon seinen ersten Ausdauer-Dreikampf – und bekam wenig später von Erfinder German Altenried einen Tipp, der sein Leben veränderte. Von Tobias Schuhwerk

Immenstadt. Die Lage ist nicht nur idyllisch, sondern perfekt. Hannes Blaschke wohnt direkt am Alpsee in Immenstadt-Bühl – genau dort, wo im Sommer der Startschuss für das Schwimmen beim Allgäu-Triathlon über die Mitteldistanz fällt. Verschlafen kann er seine Premiere schon mal nicht. Und das ist verdammt wichtig. Denn Blaschke ist bei der 31. Auflage am Samstag, 20. Juli 2013, erstmals als Mit-Veranstalter im Einsatz. Pionier German Altenried, 75, hat sich im Januar aus der Spitze des Organisationskomitees zurückgezogen. Die Nachfolge übergab er seiner Tochter Petra, seinem Sohn Stefan sowie Hannes Blaschke samt Team. Dieser fiebert dem großen Knall schon jetzt entgegen. “Es ensteht eine unglaubliche Energie vor dem Start. Das begeistert mich jedesmal”, schwärmt er und strahlt mit der Sonne, die durch die Terassentür seiner Wohnküche fällt, um die Wette. Schon nach wenigen Sätzen wird klar: Blaschke, das ist ansteckende  Begeisterung. Hier spricht ein Hannesdampf in allen Triathlon-Gassen. Einer, der sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt.

Die Jagd nach Triathlon-Bestzeiten hat der Reiseveranstalter und Vater von drei  Kindern im Alter von ein bis sechs Jahren zwar inzwischen eingestellt. Dennoch macht ihm bei unserem Treffen ein Muskelkater zu schaffen. Tags zuvor hat er unter den amüsierten Blicken von Partnerin Andrea 1000 Liegestütze (aufgeteilt in mehrere Einheiten) gepumpt. Seine ganz persönliche Vorbereitung auf Hawaii. Bis zur Ironman-WM im Oktober, zu der er eine Reisegruppe begleiten wird, will er 100 Liegestütze am Stück schaffen. Das hat er mit einem alten Kumpel gewettet. “Ich brauch immer ein Ziel”, erklärt er grinsend.

Seine Triathlon-Karriere begann der frühere Rennradler, der zu den Gründungsmitgliedern des RSC Kempten gehört,  vor 30 Jahren. Sein erster Ausdauer-Dreikampf war der Allgäu-Triathlon. Dessen Erfinder German Altenried wurde schon bald zu seinem Mentor. “Ich habe ihn damals in seinem Sportgeschäft besucht und sofort gemerkt: Die Chemie stimmt.”  Altenried war es auch, der dem Jungspund 1987 einen entscheidenden Tipp gab. Der WM-Vierte Blaschke wollte erneut zum Ironman nach Hawaii fliegen, doch dem Lehramtsstudenten fehlte das nötige Kleingeld.

Altenried brachte ihn auf die Idee, eine Reise für weitere Triathleten zu organisieren – und sich vom Erlös ein eigenes Ticket zu leisten. Gesagt, getan. Mit 25 Hawaii-Hungrigen brach Blaschke zu seiner ersten Triathlon-Expedition als Reiseleiter auf. Ein neues Geschäftsmodell war geboren. Mittlerweile ist “Hannes Hawaii Tours”  gewissermaßen zum Global Player avanciert: 2000 Sportler buchen pro Jahr Reisen zu Trainingscamps (beispielsweise auf die Kanaren und Mallorca) oder zu Wettkämpfen in Kanada, Südafrika oder eben: Hawaii. Der Boom im Ausdauersport steigert die Nachfrage. Im Oktober wird Blaschke mit seinen fünf festangestellten Mitarbeitern die Zentrale von Durach nach Immenstadt verlegen. In die Nähe seines früheren Förderers Altenried. “Ich bin German sehr dankbar. Mit seinen Visionen hat er unheimlich viel für den Triathlon geleistet”, sagt Blaschke.  Deshalb habe er sich geehrt gefühlt und nicht lange gefackelt, als Altenried senior ihn fragte, ob er beim Allgäu-Triathlon mit einem eingespielten Team von 700 ehrenamtlichen Helfern einsteigen wolle.  “Hermann hat mein Baby ‘Hannes Hawaii Tours’ mitgeboren. Jetzt gehöre ich zu denen, die sein Baby namens ‘Allgäu-Triathlon’ übernehmen. Damit schließt sich ein Kreis”, meint der neue Mann in der Führungscrew des weit über die Grenzen des Allgäus hinaus bekannten Klassikers mit bewegter Geschichte:  Höhepunkt war die ITU-Weltmeisterschaft über die Langdistanz (4 km Schwimmen, 130 km Radfahren, 30 km Laufen) 2010. Davor gab es zwei Europameisterschaften und zwölf nationale Titelkämpfe am Alpsee.

Blaschke will den Allgäu-Triathlon, der im Vorjahr insgesamt 900 Starter verzeichnete, weiter ausbauen. Neben den Rennen über die Mitteldistanz (2/80/20) und die Olympische Distanz (1,5/ 42/10) wird es heuer erstmals einen Staffel-Wettbewerb (1,5/42/10) geben. “Gerade für Einsteiger ist das eine tolle Chance, sich dem Triathlon zu nähern”, glaubt der Szenekenner, der dabei das schier unerschöpfliche Potential von Hobbysportlern jeglicher Altersklassen im Visier hat.  “Meine Vision ist, dass wir in den nächsten Jahren 2000 bis 3000 Starter verzeichnen. Schon heute ist der Allgäu-Triathlon Top-Werbung für unsere Region und kommt bestens an. Darauf will ich mit meinen internationalen Kontakten aufbauen.” Mut macht Blaschke auch die große Zahl von Aktiven in der Region. “Von Gästen bekomme ich immer wieder zu hören: Ihr habt hier ein Hammer-Niveau – das gilt vom Bergsteiger bis zum Triathleten. Das Allgäu hat ein riesiges Potenzial.”

Bei aller Begeisterung ist dem Experten freilich nicht entgangen, dass auch in anderen Regionen neue Triathlon-Wettkämpfe entstehen oder bereits bestehende weiter boomen.  Die Ironmanserie mit Qualifikationsmöglichkeit für die WM auf Hawaii oder die Challenge-Reihe mit dem legendären Wettkampf in Roth als Höhepunkt wirken nicht nur auf ambitionierte Ausdauersportler wie Magneten. Blaschke will sich diesem Trend nicht verschließen. “Wir werden garantiert nichts überstürzen. Aber es ist durchaus denkbar, dass der Allgäu-Triathlon eines Tages als Wettbewerb in der Challengeserie oder als Ironman 70.3 stattfindet. Wir sind nach allen Seiten offen.”

Der Ironman 70.3 der World Triathlon Corporation (WTC) besteht aus der Hälfte der klassischen Ironmandistanz und hat sich als internationale Rennserie etabliert. Im Vorjahr holte sich Sebastian Kienle aus Knittlingen bei der Weltmeisterschaft in der Wüste Nevadas den Titel. Auch für Blaschke war dies ein besonderer Moment: Er betreut den 28-Jährigen seit Jahren als Manager.

Unabhängig von einem möglichen “Upgrade” des Allgäu-Triathlons: Zunächst muss Blaschke, der sich als “Netzwerker” bezeichnet, seine Feuertaufe im OK-Team bestehen. Die Premiere findet unter günstigen Voraussetzungen statt: Am Wettkampftag feiert er seinen 53. Geburtstag. Wenn alles glatt läuft, könnte Hannes Blaschke doppelt Grund zum Feiern haben.

4 Gedanken zu „“Das Allgäu hat riesiges Potenzial”“

  1. Hallo Tobi und Hallo Hannes, das ist ein sehr genialer Bericht! Gefällt mir sehr gut:-)))….und ich bin mir sicher Hannes, du hast an deinem Geburtstag auf jeeeden Fall doppelten Grund zu feiern;-)))….
    Außerdem ist diese Seite eine sehr gute Idee, ich bin schon sehr gespannt darauf:-)

  2. …Endorphin-Junkies…das begriffliche Konstrukt verweist im proaktiven Sinn auf Ausdauersport als ein anerkannte Methode in suchttherapeutischen Konzepten, thematisiert jedoch gleichzeitig den Zusammenhang Ausdauersport a l s Sucht. Dies sollte nicht verharmlost werden. Interessant hier unter vielem anderen die Studie von Robin Kanarek:Running and addiction: precipitated withdrawal in a rat model of activity-based anorexia. Behavioral Neuroscience. 2009 .
    Alledings muss auch u. a. auf Oliver Stoll verwiesen werden (Oliver Stoll: Endorphine, Laufsucht und Runner’s High. Aufstieg und Niedergang eines Mythos. Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge, 28 (1), 102-121, 1997.) In seinen weiteren Forschungen thematisiert er dementsprechend Ausdauersport als Sucht eher im Zusammenhang eines Konzeptes zur Realitätsflucht und zur Verminderung von Ängstlichkeit. Recht eingängig informiert hier auch: http://trainer.gemeinsam-gegen-doping.de/index.php?id=2049
    Durchaus diskussionswürdig halte ich auch weitere mögliche und wissenschaftlich untersuchte negativen gesundheitlichen Folgen des auf diesem Blog
    vertretenen Hobbyausdauersports (Steigerung des Herzinfarktrisikos durch bindegewebige Einlagerungen in der Herzmuskulatur, degenrative Arthrosen etc. pp). Ich finde, dass der Blog(ger) hier durchaus aufklärerisch wirken darf…..

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